Textilien für stabile Fundamente

Flächengewebe von Huesker geben weltweit Straßen, Brücken und Dämmen Halt

Gescher. Die elf Wirkmaschinen in der Schicht von Michael Lanfer laufen auf Hochtouren. Der Textilmaschinenführer und seine Kollegen haben bei Huesker Synthetic in Gescher ständig ein wachsames Auge auf Hunderte von Polyesterfäden: „Schon beeindruckend, was aus solchen Fäden werden kann“, ruft der 44-jährige Partiemeister über die Maschinen hinweg.

Hinter ihm transportiert die Anlage zentimeterweise ein grobes Gewirke auf eine meterlange Rolle: Geogitter. „Wir armieren mit ihnen Böden, um sie tragfähig zu machen“, erklärt Heinz-Georg Richels, Technischer Leiter bei Huesker. Weltweit sorgen die Münsterländer so im Erd-, Straßen- und Wasserbau für stabile Fundamente.

Ihre robusten Geotextilien werden ebenfalls in der Umwelttechnik und im Industrie- und Agrarbereich eingesetzt. Längst sind sie zur Konkurrenz für Stahl und Beton geworden.

Anfang der 80er-Jahre stieg das Textilunternehmen in die Produktion dieser speziellen technischen Textilien ein. „Das war damals ein zartes Pflänzchen“, sagt Richels. Heute produziert der Mittelständler aus dem Münsterland mit knapp 400 Mitarbeitern jährlich mehr als 30 Millionen Quadratmeter Flächengewebe. Tendenz steigend.

Gerade erst wurde ein neuer Standort im benachbarten Dülmen eröffnet, weil die Produktion in Gescher schier aus allen Nähten platzte. Dort konfektionieren 80 Mitarbeiter Geotextilien nach Kundenwunsch.

Etwa 70 Prozent der Produkte gehen in den Export – ins europäische Ausland, aber auch nach Marokko und sogar nach Südafrika, Südamerika und Australien.

Über manche Gewebe, die in der Schicht von Michael Lanfer von den Maschinen laufen, rollen später Tausende Autos. Eingebettet unter dem Straßenasphalt von Autobahnen macht das Geotextil Fahrbahnen unempfindlicher gegen die Dauerbelastung von Pkws und tonnenschweren Lkws. „Treten dann Risse auf, lassen die sich damit schnell und sicher ausbessern“, so Richels. Feinere Varianten verfestigen als sandbefüllte Säulen morastigen Untergrund zu tragfähigen Fundamenten. Nur so konnte der Flugzeughersteller Airbus in Hamburg auf sumpfigem Gelände die Landebahn für seinen Riesenjet A 380 bauen.

Schläuche filtern See in Kasachstan

Welchen Kräften das Material trotzen muss, simuliert der angehende Textillaborant Stefan Rohring im Prüflabor. In der Reißanlage setzt der 23-Jährige gerade eine Gitterprobe unter Spannung. „Das muss die locker aushalten“, ist sich Rohring sicher.

Wie belastbar das Material sein kann, zeigten die Entwicklungsingenieure im Frühjahr auf einer Messe in Berlin. Sie hängten 20 Tonnen Gewicht an einen 30 Zentimeter breiten Gewebestreifen. „Das hat ohne Probleme gehalten“, sagt Betriebsleiter Richels.

So viel Robustheit ist auch anderswo gefragt – etwa im Umweltschutz. Zurzeit filtern Textil-Schläuche aus Gescher das verschmutzte Wasser eines Sees nahe der kasachischen Hauptstadt Astana, wo 2017 die Weltausstellung Expo stattfinden soll. Das Wasser wird in die Schläuche gefüllt; der Dreck bleibt darin hängen.

Küstenschutz als Zukunftsmarkt

Das nasse Element ist ein Wachstumsmarkt. Richels: „Steigt der Meeresspiegel durch die Erderwärmung, wird Küstenschutz immer wichtiger.“ Geotextilien könnten Dämme gegen den Druck der wachsenden Fluten schützen. Huesker ist da erfahren: Die Firma stellte schon in den 60er-Jahren Deichsäcke aus synthetischen Fasern her.


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