Rente mit 67

Fit bleiben im Job


Kein Scherz:­ Arno Meesters (rechts) und Tomas Schneider haben Spaß an ihrer Arbeit. Foto: Bodmer

Zwei Mitarbeiter der MTU diskutieren über die Rente mit 67

München. 43 Jahre Lebenszeit trennen die beiden: den Kon­s­trukteur Arno Meesters (64) und den Industrie-Mechaniker Thomas Schneider (21). Für AKTIV ­Extra treffen sich die zwei Mitarbeiter der MTU Aero Engines, des Herstellers von Flugzeug-Triebwerken, in München zum Gespräch. Es geht um die Frage, ob der Job im höheren Alter noch zu schaffen ist.

Meesters wurde am 12. Juli 1947 geboren. Sein Jahrgang ist ein besonderer, denn er gibt den Startschuss für die „Rente mit 67“: Wer heuer 65 wird, muss einen Monat dranhängen, um eine Rente ohne Abzug zu bekommen (siehe unten). Meesters letzter Arbeitstag ist daher der 31. August 2012.

„Früher war es laut, und es wurde geraucht“

Einen Monat länger zu bleiben, ist für den MTU-Mann allerdings keine große Sache: „Wie 64 fühle ich mich noch gar nicht“, sagt er vergnügt. Auf das Angebot für Altersteilzeit hatte er vor einigen Jahren verzichtet. Körperlich und geistig ist er fit, um bis heute sein Pensum zu leisten.

Schneider kann sich noch nicht vorstellen, wie es ihm in 40 Jahren geht. Aber er weiß, dass der demografische Wandel – immer mehr Ältere und immer weniger Jüngere – Folgen für die Rentenkasse hat: „Ich werde wohl bis 67 arbeiten müssen.“ Vor 20 Jahren kamen vier Erwerbsfähige auf einen Rentner – 2030 sind es voraussichtlich nur noch zwei.

Ein anderer wichtiger Grund für die längere Lebensarbeitszeit: Immer mehr Unternehmen brauchen Wissen und Erfahrung der Älteren. Seit 2000 hat sich die Erwerbsbeteiligung der 60- bis 64-Jährigen in Deutschland auf mehr als 40 Prozent verdoppelt.

Und die Bedingungen, um länger berufstätig zu bleiben, haben sich erheblich verbessert – Meesters hat’s erlebt. Mit leichtem Gruseln erinnert er sich an früher: „Als ich so alt war wie Herr Schneider, war es laut am Arbeitsplatz. Es wurde geraucht, und wegen der Klimaanlage hat’s gezogen.“ Der in Monschau (Eifel) geborene Mann hatte damals in Köln seinen Maschinenbau-Techniker gemacht. Seit 1972 ist er bei der MTU.

Weiterbildung ist ganz normal

Sowohl Meesters als auch sein Kollege Schneider konstruieren und tüfteln heute an sauberen und hellen Arbeitsplätzen: der Ältere am Computer mit technischen Zeichnungen von Triebwerk-Teilen auf dem Bildschirm, der Jüngere mit einem Team in einer blitzblanken Werkstatt – dort baut er Sonden, mit denen etwa Druck und Temperatur während des Tests von Triebwerken gemessen werden.

Fit für die Arbeit hält sich Meesters mit ständigem Lernen: „Angefangen habe ich am Zeichenbrett“, erzählt er. Doch längst werden die Bauteil-Zeichnungen für die Triebwerke am Computer erstellt. „Das haben mir zuerst Kollegen beigebracht.“ Danach folgten Schulungen.

Sich weiterzubilden, ist auch für Schneider ganz normal. Kurz nach der Lehre lernte er in einem Kurs das Laserschweißen. „Später mache ich vielleicht noch eine Ausbildung als Techniker.“ In Form zu bleiben, körperlich und geistig, beginnt eben früh.

 

Info: Rente mit 67

Seit diesem Jahr steigt das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre – beginnend mit dem Jahrgang 1947, der nach dem 65. Geburtstag einen Monat länger arbeiten muss.

Die im Jahr 1964 Geborenen werden die Ersten sein, die bis 67 im Job bleiben – sofern sie eine Rente ohne Abschlag (0,3 Prozent je Monat Frührente) bekommen wollen.

Ausnahme: Wer mindestens 45 Jahre lang Beiträge gezahlt hat, kann weiterhin mit 65 abschlagsfrei in Rente gehen.

 

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