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Jochen Berner von Osram verleiht in Kenia Energiesparlampen

München. Über Staubpisten holpert Jochen Berner durch den afrikanischen Busch. Nur langsam geht es voran, im Jeep ist es brütend heiß. Und trotzdem zieht es den 31-Jährigen immer wieder in abgelegene Dörfer. Dort wirbt er bei den Einheimischen für die Vorteile von Energiesparlampen.

Seit knapp zwei Jahren lernt Berner in Kenia eine andere Welt kennen. Und eine andere Art zu leben. Für den Münchner Licht-Hersteller Osram leitet er ein Pilotprojekt: den Verleih batteriebetriebener Beleuchtungssysteme – als Alternative zu den herkömmlichen Petroleumleuchten.

„Ein Markt von 30 Milliarden Euro“

Osram lotet auf diese Weise aus, ob aufladbare Energiesparlampen in einem Land ohne flächendeckende Stromversorgung Erfolgsaussichten haben. „Weltweit sind 1,6 Milliarden Menschen ohne elektrisches Licht“, sagt Berner. Das bedeutet für Unternehmen wie Osram langfristig ein großes Umsatzpotenzial: „Es ist ein Markt von jährlich rund 30 Milliarden Euro, der bislang für unsere Industrie keine Rolle spielt.“

Eine Handvoll einheimischer Angestellter, die von Osram geschult worden sind, betreiben drei Standorte mit Ladestation am Viktoriasee im Westen Kenias. Dort können die Menschen aus den umliegenden Dörfern die mobilen Lampen mieten – und umtauschen, wenn die Batterie leer ist. Sie hält zwölf Stunden.

Schon mehr als 30 Mal war der Münchner in Afrika, meistens vier Wochen am Stück. Übernachtet wird immer in einer Malaria-Forschungsstation – weil sie „bewacht und sauber“ ist. Auch etwas Ordentliches zu Essen gibt es dort.

Knapp 2.000 Kenianer nutzen mittlerweile die Osram-Lampen regelmäßig: als Innenbeleuchtung für ihre Hütten oder zum nächtlichen Fischen auf dem Viktoriasee. Wirklich bewährt habe sich das Projekt aber erst, wenn es sich selbst trage, meint Berner. „Es kann nicht von Zuschüssen leben, sondern muss ein eigenes Geschäftsmodell werden.“

Die Menschen profitierten von den Lampen immens, sagt er: „Sie sparen ein Drittel ihrer Kosten, vermeiden das Risiko eines Feuers, atmen nicht mehr schädliche Petroleum-Dämpfe ein und haben ein besseres Licht, das nicht mehr flackert.“ Trotzdem hätten viele Kenianer anfangs gezögert. „Für sie ist es ein riesiger Technologiesprung“, erklärt der Osram-Mann.

„Die Arbeit ist ein toller Jobs“

Er hat die Kenianer in zwei arbeitsreichen Jahren liebgewonnen. Sie seien interessiert, neugierig und offen. Von ihrer Gelassenheit könnten sich Europäer eine Scheibe abschneiden – auch wenn das bedeute, dass etwa Handwerker oftmals unpünktlich seien. „Europäer haben die Uhr, Afrikaner die Zeit“, zitiert Berner ein kenianisches Sprichwort.

Er hofft, schon bald die Verantwortung für die einzelnen Ladestationen am Viktoriasee an einheimische Mitarbeiter zu übertragen. Unter anderem denkt Osram darüber nach, ein Franchise-System mit lokalen Partnern zu betreiben. Weitere Ladestationen sind in Planung. „Die Arbeit in Kenia ist ein toller Job“, sagt Berner. „Aber auf Dauer sollte ich dort nicht mehr gebraucht werden.“

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