Abrüstung

Firmenziel: Friede auf Erden


Ein deutscher Anlagenbauer hilft, Chemiewaffen zu zerstören

Holzgerlingen. Sie waren der Schrecken des Ersten Weltkriegs: chemische Kampfstoffe. Sie verursachen Ätzungen, Lungenschäden, Blindheit. Vie­le Soldaten starben durch sie einen qualvollen Tod. Das ist 90 Jahre her. Aber auch heute lagern in vielen Ländern noch chemische Kampfmittel.

Immerhin:  Die  Welt  wird besser. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs haben sich zahlreiche Staaten verpflichtet, Chemiewaffen zu vernichten. Ein 2.400 Mitarbeiter starkes Unternehmen aus Baden-Württemberg hilft da­bei . Es liefert im Auftrag des deutschen Auswärtigen Amtes Anlagen nach Russland, in denen chemische Kampfstoffe umweltgerecht vernichtet werden.

Eigentlich stellt Eisenmann in Holzgerlingen und Böblingen (Raum Stuttgart) überwiegend ganz andere Anlagen her: Etwa zum Lackieren von Fahrzeugteilen, zum Reinigen von Luft und Wasser oder auch zur thermischen Verwertung von Abfällen.

67.000 Bomben werden unschädlich

Mitarbeiterin Birgit Fischer erklärt: „Bei der Entsorgung von Chemiewaffen können wir das Fachwissen unserer verschiedenen Ge­schäftsbereiche kombinieren.“ Ergebnis: eine Anlage zur Vernichtung hochgiftiger Reaktionsmassen und Reststoffe aus solchen Waffen.

Sie wurde bereits in Deutschland vormontiert und vom Kunden abgenommen. Zurzeit beginnt der Versand ihrer Einzelteile nach Russland. Am Stadtrand von Potschep, 500 Kilometer südwestlich von Moskau, lagern 67.000 Fliegerbomben. Inhalt: Die Nervengifte „Vx“, „Sarin“ und „Soman“.

„Das Gebäude wird dort momentan errichtet“, erzählt Fischer. „Sobald es regendicht ist, beginnen wir mit der Montage von Heizung und Lüf­tungs­technik. Dann werden die speziellen Öfen samt Rauchgasreinigung installiert.“

Für die Fachfrau, die im Unternehmen den Bereich Umwelttechnik leitet, ist dies schon das zweite Projekt dieser Art: Bereits 2006 ging im Südural, in Kambarka, eine ähnliche Anlage  in  Betrieb. Auch  hier war die Firma Eisenmann maßgeblich beteiligt.

Die Bomben zu entgiften, ist gar nicht so einfach. Bereits im Vorfeld werden in einem anderen Gebäude die Munitionskörper geöffnet und abgesaugt. Die chemischen Kampfstoffe aus dem Inneren werden mit Entgiftungsstoffen gemischt, und es kommt zu einer chemischen Umsetzung.

Die entstehende Reaktionsmasse ist zwar nicht mehr waffenfähig, aber immer noch sehr giftig. Sie wird abgepumpt und gelangt durch Verbindungsrohre in die eigentliche Eisenmann-Anlage. Dort wird sie in Spezialöfen verbrannt.

Damit die dabei entstehenden Rauchgase die Umwelt nicht belasten, hat der Bereich von Birgit Fischer ganze Arbeit geleistet: In verschiedenen Wasch-, Filter- und Katalysatorstufen werden die Gase ab­gekühlt und gereinigt, bevor sie in die Außenluft abgegeben werden.

Know-how aus der Auto-Industrie

Auch die anderen Bereiche der Firma Eisenmann bringen ihr Know-how ein. Für den Feststoffverbrennungs-Ofen ist beispielsweise der Bereich Prozess- und Hochtemperatur-Technik verantwortlich. Die Haustechnik-Spezialisten aus dem Automobil-Bereich liefern die Heizungs- und Lüftungstechnik. Und die Fachleute des Bereichs Fördertechnik kümmern sich um den sicheren Transport der Bombenkörper innerhalb der Anlage.

Anfang  2010  geht’s  los – dann wird das Bombenlager von Potschep jeden Tag etwas kleiner.

Rut Katzenmaier

Info: Chemiewaffen-Abrüstung

Im Jahr 1997 trat die Chemiewaffen-Konvention in Kraft, ein internationales Übereinkommen von Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen. Es verbietet Entwicklung, Herstellung, Besitz, Weitergabe und Einsatz chemischer Waffen.

Bisher haben 184 Staaten unterzeichnet – und sich damit verpflichtet, sämtliche Chemiewaffen unter internationaler Aufsicht zu vernichten.

Ein deutscher Anlagenbauer hilft, Chemiewaffen zu zerstören

Holzgerlingen. Sie waren der Schrecken des Ersten Weltkriegs: chemische Kampfstoffe. Sie verursachen Ätzungen, Lungenschäden, Blindheit. Vie­le Soldaten starben durch sie einen qualvollen Tod. Das ist 90 Jahre her. Aber auch heute lagern in vielen Ländern noch chemische Kampfmittel.

Immerhin:  Die  Welt  wird besser. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs haben sich zahlreiche Staaten verpflichtet, Chemiewaffen zu vernichten. Ein 2.400 Mitarbeiter starkes Unternehmen aus Baden-Württemberg hilft da­bei . Es liefert im Auftrag des deutschen Auswärtigen Amtes Anlagen nach Russland, in denen chemische Kampfstoffe umweltgerecht vernichtet werden.

Eigentlich stellt Eisenmann in Holzgerlingen und Böblingen (Raum Stuttgart) überwiegend ganz andere Anlagen her: Etwa zum Lackieren von Fahrzeugteilen, zum Reinigen von Luft und Wasser oder auch zur thermischen Verwertung von Abfällen.

67.000 Bomben werden unschädlich

Mitarbeiterin Birgit Fischer erklärt: „Bei der Entsorgung von Chemiewaffen können wir das Fachwissen unserer verschiedenen Ge­schäftsbereiche kombinieren.“ Ergebnis: eine Anlage zur Vernichtung hochgiftiger Reaktionsmassen und Reststoffe aus solchen Waffen.

Sie wurde bereits in Deutschland vormontiert und vom Kunden abgenommen. Zurzeit beginnt der Versand ihrer Einzelteile nach Russland. Am Stadtrand von Potschep, 500 Kilometer südwestlich von Moskau, lagern 67.000 Fliegerbomben. Inhalt: Die Nervengifte „Vx“, „Sarin“ und „Soman“.

„Das Gebäude wird dort momentan errichtet“, erzählt Fischer. „Sobald es regendicht ist, beginnen wir mit der Montage von Heizung und Lüf­tungs­technik. Dann werden die speziellen Öfen samt Rauchgasreinigung installiert.“

Für die Fachfrau, die im Unternehmen den Bereich Umwelttechnik leitet, ist dies schon das zweite Projekt dieser Art: Bereits 2006 ging im Südural, in Kambarka, eine ähnliche Anlage  in  Betrieb. Auch  hier war die Firma Eisenmann maßgeblich beteiligt.

Die Bomben zu entgiften, ist gar nicht so einfach. Bereits im Vorfeld werden in einem anderen Gebäude die Munitionskörper geöffnet und abgesaugt. Die chemischen Kampfstoffe aus dem Inneren werden mit Entgiftungsstoffen gemischt, und es kommt zu einer chemischen Umsetzung.

Die entstehende Reaktionsmasse ist zwar nicht mehr waffenfähig, aber immer noch sehr giftig. Sie wird abgepumpt und gelangt durch Verbindungsrohre in die eigentliche Eisenmann-Anlage. Dort wird sie in Spezialöfen verbrannt.

Damit die dabei entstehenden Rauchgase die Umwelt nicht belasten, hat der Bereich von Birgit Fischer ganze Arbeit geleistet: In verschiedenen Wasch-, Filter- und Katalysatorstufen werden die Gase ab­gekühlt und gereinigt, bevor sie in die Außenluft abgegeben werden.

Know-how aus der Auto-Industrie

Auch die anderen Bereiche der Firma Eisenmann bringen ihr Know-how ein. Für den Feststoffverbrennungs-Ofen ist beispielsweise der Bereich Prozess- und Hochtemperatur-Technik verantwortlich. Die Haustechnik-Spezialisten aus dem Automobil-Bereich liefern die Heizungs- und Lüftungstechnik. Und die Fachleute des Bereichs Fördertechnik kümmern sich um den sicheren Transport der Bombenkörper innerhalb der Anlage.

Anfang  2010  geht’s  los – dann wird das Bombenlager von Potschep jeden Tag etwas kleiner.

Rut Katzenmaier

Info: Chemiewaffen-Abrüstung

Im Jahr 1997 trat die Chemiewaffen-Konvention in Kraft, ein internationales Übereinkommen von Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen. Es verbietet Entwicklung, Herstellung, Besitz, Weitergabe und Einsatz chemischer Waffen.

Bisher haben 184 Staaten unterzeichnet – und sich damit verpflichtet, sämtliche Chemiewaffen unter internationaler Aufsicht zu vernichten.

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