Ausbildungsmarkt

Firmen locken Jugendliche mit Firmenwagen, Laptops und Smartphones

Suche Lehrling, biete Auto: Für gute Noten gibt es bei dieser Lackiererei einen Dienstwagen. Foto: Bostelmann

Berlin. Firmenwagen nur für die Chefs? Das war einmal. Seit es mehr Lehrstellen als interessierte Schulabgänger gibt, steigt auch so mancher Azubi in ein Firmenauto. So honoriert die Lackiererei Schleich im fränkischen Marktheidenfeld gute Berufschulnoten mit einem VW Up. Für ein Jahr, nur den Sprit muss der Nachwuchs selbst zahlen. Andere Betriebe locken mit Smartphone, Laptop oder Auslandsaufenthalt.

Die Qual der Wahl: Ende Juli waren laut Bundesagentur für Arbeit noch immer 147.000 Ausbildungsplätze unbesetzt, mehr als 30 Prozent des gesamten Angebots. „Die Chancen junger Leute auf eine Lehrstelle sind sehr gut“, sagt Ulrike Friedrich, Bildungsexpertin beim Wirtschaftsverband DIHK in Berlin, „aber Bewerber müssen auch schon mal flexibel sein.“

Denn die Perspektiven sind regional unterschiedlich groß. Am besten sieht es in Ost- und Süddeutschland aus. So kommen zwischen Ostsee und Erzgebirge mancherorts zweieinhalb Lehrstellen auf einen Bewerber. In Baden-Württemberg und Bayern sind es immer noch 1,3 und in der Traumstadt München sogar zwei.

Weniger gut sieht es dagegen in Nordrhein-Westfalen und Hessen aus. Dort gibt es mehr Schulabgänger als Ausbildungsplätze. Ursache sind die doppelten Abiturjahrgänge, wegen der Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre. Doch längst nicht jeder Absolvent, weiß die Bundesagentur, drängt auf den Ausbildungsmarkt. Auch die Universitäten richten sich auf verstärkten Andrang ein.

Unversorgte Bewerber ohne Hochschulreife verbessern ihre Chancen, „wenn sie offen für Alternativen sind“, so Bildungsexpertin Friedrich. So seien noch Stellen für Elektroniker, Mechatroniker, Fachinformatiker zu haben, aber auch für Bürokaufleute. Außerdem lohne sich ein Blick auf die Facebook-Seiten von Unternehmen. Denn immer mehr Firmen sprechen die Jugendlichen über Social Media an.

Die Betriebe rollen Azubis den roten Teppich aus: Das gilt nicht nur für Einser-Absolventen. Unter anderem der Einzelhandel, Hotels, Gaststätten, Verkehrs- und Logistikbetriebe – seit langem von Nachwuchssorgen geplagt – stellen sich verstärkt auf lernschwache Jugendliche ein.

70 Prozent der Betriebe sind bereit, lernschwache Jugendliche auszubilden

Quer durch alle Branchen, so Friedrich, seien 70 Prozent der Betriebe bereit, solche Schulabgänger auszubilden. Und in vielen sind Nachhilfestunden inzwischen eine Selbstverständlichkeit.

Damit investieren die Unternehmen in die Zukunft. Denn bis zum Jahr 2030 scheiden 11,5 Millionen Fachkräfte aus dem Arbeitsleben aus, so das Bundesinstitut für Berufsbildung. Es starten aber nur 7 Millionen neu in den Beruf. Die Generation Vollbeschäftigung – sie wird Realität.


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