Wirkstoffe aus der Natur

Finzelberg stellt in Andernach Pflanzenextrakte für Arzneimittel her

Andernach. Ob Ginseng für mehr Lebenskraft, Baldrian gegen Schlafstörungen oder Kastanie gegen Venenleiden – die Natur hat fast immer ein Heilmittel parat.

Den Wirkstoff aus den Pflanzen zu gewinnen, darauf ist Finzelberg in Andernach spezialisiert. Das Unternehmen stellt hochreine Pflanzenextrakte als Wirkstoffe für die pharmazeutische Industrie her.

Rund 5.000 Tonnen trockene und zerkleinerte Pflanzenteile werden pro Jahr am Standort bei Koblenz angeliefert und verarbeitet: von der Blüte über Blätter, Früchte, Rinden bis hin zu den Wurzeln.

Sie kommen aus kontrolliertem Anbau aus allen Teilen der Welt. Noch bevor die ersten Lastwagen Rheinland-Pfalz erreichen, zählen zuverlässige Partner, Erfahrung und höchste Sorgfalt.

„Die Qualität des Rohstoffs ist das A und O“, betont Produktionsleiter Dietmar Kaiser. Penibel werden schon bei Aufzucht, Pflege und Ernte alle Schritte dokumentiert. Jeder kleinste Fehler verdirbt später den Extrakt. „Das können wir dann nicht mehr ausbügeln“, sagt der Fachmann.

Die Herstellung ist aufwendig und dauert Wochen: In Andernach tönt durch die hochreinen Hallen ein sanftes Brummen und Rauschen. Zunächst werden die Pflanzen in Edelstahlbehälter mit Wasser und Alkohol gelegt – die Extraktion beginnt. Der Prozess entzieht den Pflanzen schonend ihre wertvollen Inhaltsstoffe. Die Ausbeute liegt bei etwa 20 Prozent: 5.000 Tonnen Rohstoffe ergeben im Schnitt 1.000 Tonnen Extrakt.

Noch ist das nun gewonnene Material eine zähe, dicke Flüssigkeit. Sie eignet sich beispielsweise für Pastillen. Möchte der Kunde Pulver in seiner Arznei verarbeiten, wird das Produkt weiter behandelt.

Chemikant Viktor Henning überwacht die Trocknung. Mit einer Lampe leuchtet er in die Maschine. „Der Extrakt wird durch winzige Düsen gepresst und fällt als feines Pulver auf ein Fließband“, erklärt der 24-Jährige. „Es muss sich ganz gleichmäßig verteilen.“

Die Herausforderung: Jede Charge muss die exakt gleiche Qualität aufweisen. Im Labor analysieren Hennings Kollegen schon während der Produktion immer wieder Proben auf den Wassergehalt. Jedes Muster wird zehn Jahre verwahrt. Jederzeit können Behörden und Kunden die Werte einsehen.

Wirkungsweisen sind durch Studien belegt

Rund 800 Produkte aus 150 Pflanzen bietet das Unternehmen. „Jeder Extrakt erzielt in der Arznei seine Wirkung“, sagt Produktionsleiter Kaiser. Medizinische Studien belegen übrigens die Wirkungsweisen, ebenso Erfahrungswerte, deren Anfänge viele Jahrhunderte zurückreichen können oder mindestens 30 Jahre alt sind.

Die sogenannten Pflanzenmonografien sind im europäischen Arzneibuch festgeschrieben. „Sie dokumentieren für jeden Pflanzenteil eine Art Fingerabdruck“, so Kaiser. Jede Abweichung im späteren Extrakt ist tabu. Sogar Details in der Herstellung wie Temperaturen und Druck sind streng geregelt.


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang