Textile Beschichtungen

Feuer, Hitze, Nässe: Die Spezialgewebe der Firma Stottrop Textil halten echt was aus

Emsdetten. Manchmal muss es schnell gehen. Die magenta-farbenen Regenschirme, die im März über dem Cebit-Stand der Telekom in Hannover hingen, waren so ein Last-Minute-Auftrag.

„Egal wie knapp es wird, wir lassen keinen Kunden im Regen stehen“, sagt Jörg Stottrop, Junior-Chef von Stottrop Textil im westfälischen Emsdetten. Die Firma entwickelt Spezialbeschichtungen für Gewebe aus Glas- und Chemiefasern. Und hatte für den Bonner IT-Konzern genau das Richtige. Denn bei Veranstaltungen wie der Cebit ist der Brandschutz ganz wichtig. „Der Stoff ist schwer entflammbar und sehr leicht. Damit das auch mit der Farbe funktioniert, mussten wir unsere Rezeptur anpassen“, so Stottrop.

Textilien für Flughäfen, Messen und Museen

Solche Aufträge sind für die Beschichtungsexperten eine Herausforderung. Ständig müssen die zehn Mitarbeiter die Rezepturen variieren. „Qualität ist die Erfüllung von Ansprüchen. Um das umzusetzen, entwickeln wir Textilien zielgerichtet für ihren Zweck“, so Jörg Stottrop, der den Betrieb zusammen mit seinem Vater Claus führt. Der hatte die Firma 1984 gegründet: „Mir war schon damals klar, dass die Zukunft in den technischen Textilien liegt“, erinnert sich der Senior.

Heute entwickelt und produziert der Betrieb zusammen mit Webereien und Ausrüstern Stoffe, die Feuer, Hitze, Chemikalien oder Nässe trotzen. Sie werden in Flughäfen als Lichtdecken, zur Schallabsorbtion und zur Klimatisierung verbaut. Sie dienen als aufblasbare Eventtextilien bei Messen oder Ausstellungen. Aktuell wird die Decke des Modern-Art-Museums in Singapur mit Sichtsegeln aus Emsdetten ausgerüstet.

Auch hier zählt der Brandschutz: „Wir lassen nichts anbrennen“, betont der Senior. An die veredelten Glasgewebe könne man einen Bunsenbrenner halten: „Das Material wird zwar schwarz, aber es fängt kein Feuer.“

Sieben Jahre haben die Westfalen getüftelt

Damit selbst eine lichtundurchlässige „Blackout“-Beschichtung nicht in Flammen aufgehen kann, haben die Emsdettener sieben Jahre lang getüftelt. „Sogar Experten aus der Chemiebranche haben gesagt, das würde so nicht gehen“, erinnert sich Junior-Chef Jörg Strottop: „Trotzdem – wir haben es geschafft.“ Seit Juni ist das Produkt auf dem Markt.

Über 60.000 Quadratmeter ähnlicher Gewebe hängen als Sonnenschutz in der Münchner Allianz-Arena. Auch für das Gewebe des größten Mondes auf Erden sind die Emsdettener verantwortlich: Es hing vor vier Jahren im Gasometer Oberhausen – digital bedruckt mit dem verkraterten Antlitz des Himmelskörpers.

Zunehmend setzt die Industrie auf Produkte aus Emsdetten. Etwa als textile Klimakanäle in der Fleisch- und Lebensmittelverarbeitung. Vorteil der Schläuche gegenüber Metallrohren: Sie können abgehangen und gereinigt werden. „Metall wird durch beschichtete Textilien ersetzt“, so Claus Stottrop. Er ist sich sicher: Da liegt die Zukunft.


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