Die Aufreißer

Fasern: Altex macht aus textilem Abfall begehrte Rohstoffe

Gronau. Es hört sich seltsam an, was Daniel Lopes täglich tut: Er zerstört. Genauer gesagt, er reißt und schneidet Textilien. „Gerade habe ich Airbag-Gewebe auf dem Ballenschneider“, sagt der 28-Jährige. Rosafarbene Schnipsel gleiten durch seine Finger.

Was andere wegwerfen, macht der Textil-Recycler Altex im westfälischen Gronau zum begehrten Rohstoff. „Wir wollen an die Fasern rankommen. Sie in den Stoffkreislauf zurückführen“, erklärt Firmen-Chef Karsten Stienemann. Deshalb setzen die Tamboure in den Reißmaschinen den Textilien gehörig zu.

Das können Altkleider sein, Reste aus der Bekleidungs-Industrie, aus der Garnherstellung – oder die ersten Meter von Autogurten, die beim Produktionsanlauf aussortiert werden. Alles wird bis zur Faser aufgerissen.

Mehr als 36.000 Tonnen recyceltes Material verkaufen die Gronauer jährlich. Hauptabnehmer ist die Automobilzulieferer-Industrie, etwa 10 Prozent der gut 27 Millionen Euro Jahresumsatz werden im Export erwirtschaftet.

Die Fasern sind der Rohstoff für Innenraumdämmungen in Autos, textile Radlaufschalen oder Kofferraumauskleidungen. Gut 30 Kilogramm Textilien sind heute in modernen Pkws verarbeitet, ein großer Teil davon stammt aus Recyclingbetrieben wie Altex.

Die Fasern stecken auch in Putztüchern, Geotextilien (zum Beispiel für den Straßen- und Deichbau) und in Kuscheltieren oder in Schutzkleidung für Forstarbeiter oder Feuerwehrmänner. Sogar Reitplätze werden mit Textilhäckseln aus Westfalen aufgewertet.

„Unser Know-how liegt in der Faser-Mischung“, erklärt Firmen-Chef Stienemann. Die vorgemischten Fasern werden mit Transportventilatoren in eine Box von der Größe einer Lkw-Garage geblasen. Bereits nach Minuten türmt sich darin eine meterhohe Schicht, die eine Fräse abträgt. „Das funktioniert so, als würde man einen Hamburger lagenweise von oben nach unten durchschneiden“, erläutert er.

Das fertige Produkt ist eine gleichmäßige Faser, die zu Ballen verpresst wird – gemischt nach Kundenwunsch. Und der kann es in sich haben. So brauchen Automobilzulieferer Reißbaumwolle für die Innenraumdämmung. Die stellt Altex aus Jeanshosen her.

Lederne Etiketten sind eine Herausforderung

Beim Reißen sortiert die Anlage Metallnieten, Reißverschlusszähne oder lederne Etiketten aus. Das Accessoire am Hosenbund ist tückisch: „Es kann sich beim Reißen erhitzen und in Flammen aufgehen“, so Daniel Lopes. Er bearbeitet gerade eine neue Fuhre Textilien am Ballenschneider.

Auch bei anderen Mode-Trends bleiben die Recyclingprofis locker. Beispiel: Elasthan. Hosen mit dieser dehnbaren Faser schmiegen sich an jede voluminöse Problemfigur. Gegen die Maschinen der Gronauer Aufreißer hat sie dennoch keine Chance. Sie reißen den Hosenstoff ohne Probleme kurz und klein.


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