Kosmetik

Farbenfroh

Maßarbeit: Michael Horn montiert eine Abfüllmaschine. In diesem Teil der Anlage werden Lippenstifte in Drehhülsen gesetzt. Foto: Bodmer

Der Weltmarktführer für Lippenstift-Abfüllanlagen

Weilheim. Pink, Orange oder Korallenrot: Dass solche leuchtenden Farben auf die Lippen kommen – auch dafür sorgt der Maschinenbau. Das Familienunternehmen Weckerle GmbH in Weilheim, unweit des Starnberger Sees, stellt unter anderem Abfüllmaschinen für Lippenstifte her. Und ist in diesem Bereich Weltmarktführer: 85 Prozent aller Lippenstifte auf diesem Planeten werden in Anlagen von Weckerle befüllt und zusammengesetzt.

Allein in Deutschland werden jährlich fast 40 Millionen Lippenstifte verkauft; jede Frau besitzt im Schnitt vier. Zu den Kunden des Unternehmens, das rund 1 000 Mitarbeiter beschäftigt, gehören Kosmetik-Konzerne auf der ganzen Welt – darunter so bekannte Marken wie L’Oréal, Avon und Christian Dior.

Komplett mit Kappe und Etikett

In den fast 50 Jahren Firmengeschichte hat man die Technik perfektioniert: von der ersten vollautomatischen Form-Maschine für Lippenstifte, die der Gründer Peter Weckerle 1972 entwickelte, bis zum heutigen Flaggschiff MM360 – sie spuckt 100 Stifte pro Minute aus, versandfertig, komplett mit Kappe und Etikett.

Dabei ist die Produktion kompliziert. Im ersten Schritt wird die Rohmasse aus Ölen, Wachsen, Farbpigmenten sowie Duft- und Pflegestoffen in Tanks geschmolzen. Im Gießkranz, dem Herzstück der Maschine, sitzen 360 vorgewärmte Silikon-Formen auf einer drehbaren Platte – dort hinein wird die 70 bis 120 Grad Celsius heiße „Pomade“ gefüllt. Ist der Stift abgekühlt, wird er in die vorbereitete Hülse mit Dreh-Mechanik gesteckt. Ein Körbchen hält ihn darin fest. Zuletzt wird der Rohling beschriftet und geprüft. Noch schnell die Kappe aufgesetzt und fertig ist das Lippenrot.

Im Ganzen sind die Anlagen von Weckerle bis zu 23 Meter lang. Sie bestehen aus Modulen, die die Kunden entsprechend ihrer speziellen Anforderungen zusammenstellen können. Das Unternehmen beherrscht auch die Technik für besonders aufwendige Produktionen, wie das Abfüllen mehrfarbiger oder marmorierter Lippenstifte. „Zehn Millionen Stück – und sie müssen alle ganz genau gleich aussehen“, beschreibt Franz Gilg, Leiter des Geschäftsbereiches Machines, die Herausforderung für die Entwickler.

Maschinen auch für Klebestifte und Senftuben

Weckerle-Maschinen füllen inzwischen auch eine Menge anderer Kosmetik-Artikel ab, etwa Wimperntusche, Puder, Deo und Nagellack. Oder die Labello-Pflegestifte von Beiersdorf. Kunden kommen auch aus der Pharma-,  Lebensmittel- und Chemie-Industrie: Die Anlagen füllen etwa Zahnpasta der Marke Blendamed ab, drücken Thomy-Senf in Tuben oder formen die Klebestifte von Pritt.

Besonders spannend wird es für die Entwickler, wenn ein Kunde eine Maschine für ein vollkommen neues Produkt bestellt. Zum Beispiel für Tuben mit zweifarbiger Füllung oder – der neueste Hit – durchsichtig ummantelte Lippenstifte.

„Innovationen stecken so gut wie in jedem Projekt“, sagt Geschäftsbereichsleiter Gilg. „Einmal im Jahr wird eine Sonderanlage gefertigt. Dabei muss schon der erste Wurf gelingen. Es gibt keinen Prototypenbau.“

Neben dem Maschinenbau gibt es bei Weckerle ein zweites Standbein: den Geschäftsbereich Cosmetics. Er produziert Schönheitsprodukte im Namen großer Kunden oder Drogerien. Bereits in den 80er-Jahren hat Weckerle hierzu im benachbarten Peißenberg eine Auftragsfertigung aufgebaut; inzwischen bilden Standorte in den USA, Brasilien, Frankreich, China und der Schweiz ein weltweites Netz. Sabine Oelschlegel, die Marketingleiterin von Weckerle Cosmetics: „Alle namhaften Kosmetik-Hersteller gehen bei uns ein und aus.“


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Schlagwörter: Produktion

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