Armaturenhersteller für Großküchen stemmt große Herausforderung

Familienbetrieb Echtermann in Iserlohn will weltweit Vorreiter werden

Von Hongkong bis in die USA: Großküchen in 35 Ländern werden vom Armaturenhersteller Echtermann beliefert. Die Iserlohner verzichten künftig auf Chrom und setzten ganz auf Edelstahl. Ein Kraftakt, der neue Chancen eröffnet.

Hart im Nehmen: In der Großküche zählt vor allem die Funktionalität. Foto: Werk

Hart im Nehmen: In der Großküche zählt vor allem die Funktionalität. Foto: Werk

In der Galvanik: Hier werden die Beschichter wie Tobias Drucks demnächst auf Chrom(VI) verzichten. Foto: Straßmeier

In der Galvanik: Hier werden die Beschichter wie Tobias Drucks demnächst auf Chrom(VI) verzichten. Foto: Straßmeier

Gute Optik: In den Großküchen ist Edelstahl das dominierende Material – die Armaturen werden sich perfekt einfügen. Foto: Werk

Gute Optik: In den Großküchen ist Edelstahl das dominierende Material – die Armaturen werden sich perfekt einfügen. Foto: Werk

Handarbeit: Thomas Hester baut aus 18 Teilen den Kopf einer Geschirrspülbrause zusammen. Foto: Straßmeier

Handarbeit: Thomas Hester baut aus 18 Teilen den Kopf einer Geschirrspülbrause zusammen. Foto: Straßmeier

Vorreiter: Geschäftsführer Matthias Cleffmann setzt auf neue Ideen. Foto: Straßmeier

Vorreiter: Geschäftsführer Matthias Cleffmann setzt auf neue Ideen. Foto: Straßmeier

Serienreif: Als erstes Produkt wurde der Entleerhahn auf Edelstahl umgestellt. Foto: Werk

Serienreif: Als erstes Produkt wurde der Entleerhahn auf Edelstahl umgestellt. Foto: Werk

Erprobt: Alle Armaturen müssen einen mehrmonatigen Test in einem Catering-Unternehmen bestehen. Foto: Werk

Erprobt: Alle Armaturen müssen einen mehrmonatigen Test in einem Catering-Unternehmen bestehen. Foto: Werk

Praktisch: Wird die Handbrause heruntergezogen, läuft das Wasser. Foto: Werk

Praktisch: Wird die Handbrause heruntergezogen, läuft das Wasser. Foto: Werk

Tobias Drucks macht einen glänzenden Job. Die matten Messingteile, die er auf Gestelle steckt, sind nach diversen Bädern in verschiedenen Wannen kaum wiederzuerkennen. Hier in der Galvanik bekommen die Produkte der Firma Echtermann ihr ansprechendes Aussehen. Und nicht nur das. Die Beschichtung sorgt dafür, dass die Geschirrspülbrausen, Wasserarmaturen und Deckeldrehgelenke extrem robust sind.

Das ist auch nötig, denn sie werden in Großküchen, Kantinen und Gastronomiebetrieben eingesetzt. „Da muss so eine Armatur im Eifer des Kochgefechts auch schon mal einen ordentlichen Schlag mit der Schöpfkelle abkönnen“, sagt Drucks.

Spezialarmaturen aus Iserlohn sind von Hongkong bis Amerika im Einsatz

Kein Problem für die Spezialarmaturen von Echtermann. Das Iserlohner Unternehmen hat sich vor rund 60 Jahren auf diese Sparte spezialisiert. „Wir sind, was die Qualität anbelangt, der führende Premium-Anbieter“, sagt Geschäftsführer Matthias Cleffmann selbstbewusst: Die Firma decke rund 50 Prozent des Marktes ab. „Unsere Produkte liefern wir in 35 Länder – von Hongkong bis Amerika.“

Er weiß aber auch, dass sich etwas tun muss, soll die Erfolgsstory nicht irgendwann enden. Grund: In wenigen Wochen, am 21. September, steht das sogenannte Sunset Date im Kalender. Dann geht gewissermaßen die Sonne unter für die Substanz „Chromtrioxid/Chrom(VI)“, die für die besondere Korrosions- und Verschleißbeständigkeit der Beschichtung verantwortlich ist. Ab diesem Zeitpunkt (mit Übergangsfrist) dürfen Betriebe Chrom(VI) nur noch nach einem aufwändigen Zulassungsverfahren verwenden.

Gesetzt hat das Datum die Europäische Kommission in ihrer Chemikalienverordnung REACH (Registration, Evaluation, Authorisation of Chemicals). Darin sind gefährliche Stoffe gelistet, deren Verwendung aus Arbeits- und Umweltschutzgründen eingeschränkt werden soll. Chrom(VI) gehört dazu, weil es verarbeitet unschädlich, im unverarbeiteten Zustand aber giftig und krebserregend ist. Die Aufnahme der Substanz in die REACH-Liste stellt die Industrie seit 2013 vor erhebliche Probleme, denn die widerstandsfähigen, verchromten Teile werden fast überall gebraucht: in Badezimmer, Handy und Auto, im Maschinen- und Anlagenbau, in Luft- und Raumfahrt. Alternativen sind nur schwer zu finden. „Andere mögliche Beschichtungen sind nicht so haltbar oder viel zu teuer“, erklärt Cleffmann.

Bei Echtermann hat man sich deshalb zu einem klaren Schnitt entschieden: „Wir wollen alle Produkte konsequent auf Edelstahl umstellen.“ Damit könne man gleichzeitig auch das Problem mit dem allergieauslösenden Nickel in den Beschichtungen lösen. Es ist ein mutiger und durchaus riskanter Schritt für das 130 Jahre alte Familienunternehmen mit seinen 65 Mitarbeitern. „Aber wir können uns so auch als Vorreiter weltweit neu positionieren“, so der Geschäftsführer. „Eine Kundenbefragung hat gezeigt, dass der Bedarf da ist.“

Die praktische Umsetzung ist bei 1.500 verschiedenen Produkten in unzähligen Varianten eine Herausforderung, an der vor allem die vierköpfige Entwicklungsabteilung seit gut einem Jahr arbeitet. Das Material ist härter als Messing, die Zerspanung dauert länger, es darf wegen der Korrosionsgefahr nicht mit anderen Metallen gemischt werden, das Polieren ist komplizierter. Aber erste Ergebnisse sind da.

Bei den Drehgelenken für die mächtigen Kesseldeckel kommt es vor allem auf die Sicherheit an

Eine Halle wurde umgebaut; dort wird das erste Edelstahl-Teil, ein Entleerhahn, bereits in Serie produziert. Mit den Deckeldrehgelenken wird als Zweites ein Kernprodukt des Unternehmens umgestellt.

Die Gelenke fixieren die bis zu 100 Kilogramm schweren Deckel der Großküchen-Kochkessel in jeder Position, damit nicht aus Versehen die Finger dazwischengeraten. Bei einem Winkel von zehn Grad schließen sie selbsttätig.

Mehr als 20 Typen in 150.000 Varianten gibt es, und immer ist noch etwas zu verbessern. Das gilt auch für die Armaturen, bei denen Trends wie das offene Kochen im Restaurant ebenso im Auge behalten werden wie die Funktionalität im hektischen Küchenbetrieb.

So wie bei der Geschirrspülbrause, die automatisch beim Loslassen das Wasser abstellt oder der elektronischen Armatur, bei der die gebrauchte Wassermenge programmiert werden kann.

Das alles geht auch in Edelstahl, ist sich Cleffmann sicher. Nur den Glanz wird es dann nicht mehr so extrem geben.


Begegnung mit …

René Brune. Foto: Straßmeier
René Brune. Foto: Straßmeier

René Brune: Tüftler mit großer Ausdauer

Wie kann das Unternehmen ein Produkt so gestalten, dass es die Marktführerschaft halten kann? Diese Frage hat René Brune ins Praxissemester, durch die Bachelorarbeit und in die Festanstellung als Entwicklungsingenieur geführt. Der 34-Jährige hat sich intensiv mit Deckeldrehgelenken beschäftigt: Kunden befragt, Wettbewerb analysiert und neue Lösungen wie eine bessere Federung konstruiert.

Überzeugt hat er auf ganzer Linie – „obwohl Mathe und Physik nicht zu meinen Lieblingsfächern gehörten“. Nach dem Realschulabschluss hatte Brune zunächst Industriemechaniker gelernt. Mit einer zehnjährigen Berufserfahrung war das Studium ohne Abitur dann kein Problem, die drei Jahre selbst schon eine Herausforderung. Aber als Mittel- und Langstreckenläufer sowie Jugendtrainer ist er ausdauererprobt.

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Job?

Über die Verbindung zwischen Echtermann und der Fachhochschule. Ich habe mich für das Praxissemester beworben und wurde übernommen.

Was reizt Sie am meisten?

Die Vielfalt hier. Ich bin von der Konstruktion bis zur technischen Umsetzung beteiligt.

Worauf kommt es an?

Dass wir ein Gefühl dafür haben, wie wir die Produkte weiterentwickeln können.

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