Maschinenbau

Fachkräfte: Woher nehmen?


Die Firma Rugel braucht erfahrene Mitarbeiter und setzt auf Ältere

Ravensburg. Die Firmenchefs Joachim und Matthias Rugel haben gemischte Gefühle, wenn sie etwas über den Arbeitsmarkt im Kreis Ravensburg lesen. Die neueste Arbeitslosenquote: nur 3,1 Prozent. „Das ist natürlich erfreulich!“, sagt Joachim Rugel. „Aber für uns macht es das nicht leichter, Fachkräfte zu finden.“

Zumal die Rugel Maschinenfabrik (46 Beschäftigte) ganz bestimmte Mitarbeiter braucht. Zeitarbeiter seien aufgrund der Produktionsstrukturen eher ungeeignet, so Matthias Rugel. „Am allerliebsten sind uns Ältere. Weil sie Erfahrung mitbringen.“

Jobs, für die man Know-how braucht

In diesem Werk entstehen nämlich keine Serienteile, sondern fast nur Sonderanfertigungen. Kunden etwa aus dem Maschinen- und Anlagenbau sowie der Textil- und Holz-Industrie bestellen bei Rugel Teile für ihre Anlagen. Wer hier arbeitet, muss Konstruktionszeichnungen lesen und selbst den Lösungsweg zum Produkt erarbeiten.

Die Teile, um die es geht, sind bis zu acht Meter lang und zehn Tonnen schwer. Mitarbeiter Ulrich Hirscher arbeitet gerade an einer Welle: Sie wird später mit Messern versehen, zum Häckseln von Baumstämmen. Hirscher arbeitet schon seit 40 Jahren hier, feierte jüngst Jubiläum. „Serienarbeit wäre nichts für mich“, erzählt er.

„Wir müssen zum Teil Aufträge ablehnen“

Die Chefs sind froh, dass es viele Jubiläen zu feiern gibt. Denn Ersatz für ausscheidende Zerspanungsmechaniker zu bekommen, ist schwer. „Die Arbeitsagentur kann uns meist nicht helfen“, seufzt Matthias Rugel. „Neue Mitarbeiter finden wir oft durch glückliche Zufälle.“

So ist zum Beispiel Julius Lang (56) im Januar zur Belegschaft gestoßen: Er hatte woanders seinen Job verloren. „Bei der Arbeitsagentur hätte ich nichts gefunden“, sagt er. An seinem neuen Arbeitsplatz hat er eine komplizierte Zeichnung vor sich – ein Maschinengehäuse. Lang weiß genau, wie er die Einzelteile sägen muss. Joachim Rugel schaut ihm zufrieden über die Schulter: „Das kann er aus dem Effeff.“

Aktuell könnte Joachim Rugel an einer Maschine noch zwei Leute gebrauchen: „Zum Teil müssen wir Aufträge ablehnen, uns fehlen die Kapazitäten.“ In schlechten Zeiten versucht er, die Mannschaft nach Kräften zusammenzuhalten. Zum Beispiel, als der Umsatz von 2008 auf 2009 um 60 Prozent einbrach. Darauf reagierte die Firma mit den Arbeitszeitkonten und Kurzarbeit.

Damit auch genügend junge Leute nachrücken, sind 13 Prozent aller Mitarbeiter Azubis. Joachim Rugel: „Wir überlegen sogar, ob wir noch mehr Ausbildungsplätze anbieten.“

 

Übrigens ...

Hier gibt’s ordentlich zu tun

Bis Ende dieses Jahres rechnen die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer mit rund 20.000 zusätzlichen Stammarbeitsplätzen. In der gesamten Industrie werden rund 80.000 Stellen entstehen, prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag.

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