Prima Klima

Fachkräfte finden und halten: Metall- und Elektro-Betriebe lassen sich einiges einfallen

Frankfurt. Lautes Jubeln in der Kantine von Neuschäfer Electronics: Am Kickertisch hat der Außenseiter einen Sieg eingefahren. „Meistens verliere ich hier“, gibt der Firmeninhaber Wilfried Neuschäfer lachend zu, „aber heute hat es mal geklappt.“

Tischfußball – ein Klassiker unter den Wohlfühlangeboten in deutschen Betrieben. Doch es gibt viel mehr. Bei Neuschäfer im hessischen Frankenberg etwa Kunst an den Wänden, viel Grün, Yoga und zwei besondere Orte: „Zu unserer Wohlfühlkultur zählt ein Kreativraum, wo Gruppen Ideen entwickeln können’“, so der Chef. Und ein Meditationsraum: „Dorthin kann man sich auch während der Arbeitszeit zurückziehen, um Körper und Seele wieder in Einklang zu bringen, wenn man Sorgen hat.“

Solche einfallsreichen Angebote sind wichtig im Kampf gegen den Fachkräftemangel. Hunderttausende Stellen bei deutschen Unternehmen sind derzeit offen. Leiterplatten-Hersteller Neuschäfer aber hat gerade erst zwei neue Physiker ins entlegene Frankenberg gelockt. „Ohne Probleme. Wir heben uns ab im Kampf um die schlauen Köpfe“, sagt der Chef – und das Publikum lauscht interessiert im „House of Logistics and Mobility“ am Frankfurter Flughafen.

Dorthin hat der Arbeitgeberverband Hessenmetall zum Unternehmer-Talk geladen. Aktuelles Thema beim Hessenforum 2016: „Auf dem Weg zur Arbeitgebermarke – erfolgreiche Beschäftigte gewinnen und halten“.

Schüler staunen beim Besuch der modernen Eisengießerei: „Das haben wir uns ganz anders vorgestellt“

Während Neuschäfer (100 Mitarbeiter) sich auf dem Arbeitsmarkt als Hightech-Unternehmen präsentieren kann, muss Andreas Fiedler im ebenfalls ländlichen Stadtallendorf zunächst ein Missverständnis ausräumen. Der Personalchef der Eisengießerei Fritz Winter sagt: „Wer noch nie bei uns in der Produktion war, verbindet Eisengießerei oft wie früher mit Lärm, Staub und Dreck.“

Berührungsängste baut die Firma (3.700 Mitarbeiter) unter anderem beim „Tag der Ausbildung“ ab. „Ansprechpartner für die Schüler, die dann kommen, sind unsere Auszubildenden“, sagt Personalchef Fiedler. Die könnten Gleichaltrigen viel besser die Frage beantworten: „Wie läuft das denn so hier bei euch?“

Es läuft vor allem im Team! Probleme würden schnell besprochen und einvernehmlich gelöst. „Augenhöhe“ sei wichtig: „Dazu gehört auch, ehrliches Interesse zu zeigen“, so Fiedler Bei privaten Sorgen, etwa durch einen erkrankten Partner, „versuchen wir als Personalverantwortliche unkompliziert zu helfen“.

Und es läuft topmodern: „Mit unserer neuen Gießerei, in die wir 2014 über 50 Millionen Euro investiert haben, setzen wir Maßstäbe. Schutz vor Lärm und Staub prägen die Arbeitsbedingungen.“ Und: „Roboter gehören bei uns längst zum normalen Anblick in der Fertigung.“ Entsprechend überrascht würden Jugendliche und Eltern oft sagen: „Das habe ich mir ganz anders vorgestellt.“

Allerdings sei es relativ schwierig, Akademiker und Spezialisten zu finden, die nicht der Region geboren sind. „Dabei hilft uns die Reputation, der gute Name, den Fritz Winter in der Branche hat.“

Weitere eindrucksvolle Beispiele aus anderen Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie runden das Bild ab. Als eine Art Fazit der gesamten Diskussion an diesem Abend passt ein Satz von Elektronik-Anbieter Neuschäfer: „Einen guten Arbeitgeber zeichnet aus, dass die Menschen bei ihm gerne zur Arbeit gehen.“


Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang