Menschen

Fachchinesisch auf Englisch


Lernen macht Spaß: Im MAN-Ausbildungszentrum parliert Michael Kloos mit den Lehrlingen über die Details der Elektrotechnik. Foto: Werk

MAN-Ausbilder Michael Kloos gibt Unterricht in der Fremdsprache

Augsburg. Das größte Kompliment machten ihm die sieben Lehrlinge am Ende des ersten Intensivkurses: „Wir fänden noch mehr Englisch super!“, schrieben sie ihrem Ausbilder Michael Kloos in den Bewertungsbogen.

Eine Überraschung, denn der Elektrotechniker im Augsburger MAN-Ausbildungszentrum erinnert sich noch genau an den Start des Pilotprojekts im April: „Es gab einige, die sich etwas sträubten.“

Analogtechnik statt Small Talk

Der Plan klang anspruchsvoll: Zwei Wochen Englisch reden – sechs Unterrichtsstunden am Tag, mit dem Ausbilder und auch un­tereinander. Schließlich ist dies die Konzernsprache des weltweit tätigen, in München ansässigen Nutzfahrzeug- und Maschinen-Herstellers MAN.

Und es geht nicht nur um Small Talk. Sondern um Fachsprache von A bis Z. Etwa im Fach „Analogtechnik“: Woraus besteht zum Beispiel ein sogenannter Operationsverstärker? Und was genau hat er in fast allen elektronischen Steuergeräten für eine Funktion? „Da gehört für Techniker, die zu Kunden fahren, parkettsicheres Englisch zum Handwerkzeug“, sagt Kaspar Fischer, der Leiter des Ausbildungszentrums.

Deshalb hat er 2005 begonnen, sein Programm dem internationalen Geschäft anzupassen. So geben Muttersprachler vom ersten Lehrjahr an Unterricht, der auf dem Schul-Englisch aufbaut und zunehmend Technikbegriffe einübt. Aber dass im dritten Lehrjahr ein Ausbilder firmenspe­zifisches Fachvokabular vermittelt, das ist neu.

Für diese Aufgabe erschien Kloos als Idealbesetzung. Und das ist eigentlich erstaunlich: Der 31-Jährige könnte selber Sprachschwierigkeiten haben – ist er doch erst mit zwölf nach Deutschland gekommen.

Geboren ist er in der rumänischen Region Siebenbürgen, wo früher deutsch gesprochen wurde. „Ich habe mich mit Englisch wohl leicht getan“, erzählt Kloos, weil ich mit Deutsch und Rumänisch aufgewachsen bin und daher schnell zwischen Sprachen wechseln kann.“ Auf den Englischkurs für seine Azubis bereitete er sich mit 80 Stunden Einzelunterricht intensiv vor.

Lehrer wollte Kloos immer schon werden. Daher sei die offene Ausbilderstelle „ein abso­luter Glückfall“ gewesen, sagt er im Rückblick. Bei MAN in Augsburg hatte er eine Lehre zum Elektrotechniker absolviert. Parallel zum Vollzeitjob machte er den Techniker-Abschluss. „Aber nur am Computer Maschinen zu planen, war mir auf Dauer zu weit weg von den Menschen.“ Deshalb gibt er seit 2006 sein Technik-Wissen an die 480 Lehr­linge im Augsburger Ausbildungszentrum weiter.

Vokabeln für Florida

Einer aus seinem ersten Englischkurs ist der 20-jährige Maximilian Kainz. Er will im März seine Lehre zum Mechatroniker abschließen. Seine Bilanz lautet: „Man fängt echt an, auf Englisch zu denken!“ Die erste Stunde sei zwar komisch. „Aber dann klappt es immer besser und man jongliert mit den Fachbegriffen.“

Die  im  Außendienst  zu  nutzen, kann sich auch Daniel Kohl (19) gut vorstellen: „Am liebsten in Florida!“ Die Ausbilder haben sogar beobachtet: Wenn der Unterricht auf Englisch läuft, hören die Azubis aufmerksamer zu.

Derzeit bereitet Kloos für seine Elektro-Azubis die nächste Intensiv-Einheit vor. Und für die angehenden Mechaniker macht sich ein zweiter Ausbilder ebenfalls fit im Fach-Englisch.

Meine Arbeit

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Mein Onkel ist Elektriker. Mit ihm habe ich schon als Kind Radios auseinandergeschraubt und wieder zusammengebaut.

Was gefällt Ihnen besonders?

Die Arbeit mit den jungen Leuten. Die halten einen auf Trab, da bleibt man selbst jung.

Worauf kommt es an?

Auf Fingerspitzengefühl und da­rauf, jeden nach seinen Fähigkeiten zu fordern. Und schwierige Zusammenhänge anschaulich zu machen. Denn was man durchschaut hat, kann man sich leichter merken.

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Schlagwörter: Ausbildung

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