Geschäfte mit Russland und Irak

Export: So geht die Braunschweigische Maschinenbauanstalt mit geopolitischen Risiken um

Braunschweig. Gut 20 Meter hoch ragt das Exportgut made in Niedersachsen in den blauen Himmel. Ein Kühlungskristallisator, mit dem man Dextrose produziert. Die wuchtige Produktionsanlage, die auf dem Außengelände der BMA Braunschweigische Maschinenbauanstalt AG endausgerüstet wird, ist für einen Kunden in Russland. Sie steht beispielhaft für den schwierigen Kampf unserer Export-Industrie um Aufträge.

„Wir sind international ausgerichtet“, sagt BMA-Vorstandschef Rolf Mayer. „Wir können nur überleben, wenn wir global tätig sein können.“ Obwohl die Produkte des Unternehmens nicht unter zurzeit gültige Export-Embargos fallen, kamen infolge der Ukraine-Krise die Geschäfte mit Russland fast zum Erliegen.

Der auf rund die Hälfte gefallene Rubel-Kurs macht es vielen russischen Kunden nahezu unmöglich, Finanzierungen zu erhalten. Folge: Der Auftragseingang bei BMA geht zurück. „Wir haben seit Mitte 2014 eine starke Delle in unseren Auftragsbüchern“, berichtet Mayer. Inzwischen muss das Unternehmen in Teilen seiner Produktion Kurzarbeit fahren. Ein Ende ist noch nicht abzusehen; zudem muss man ja auch noch den jüngsten Tarifabschluss wegstecken.

Als Hersteller von Maschinen für die Zucker- und Biomasse-Industrie geht BMA dank guter Kenntnis der lokalen Verhältnisse auch dorthin, wo sich andere nicht hintrauen. Vor Ort ist das mit sieben Tochterfirmen tätige Unternehmen etwa im Irak aktiv. Mayer: „Unsere Leute leben in einem bewachten Camp auf der Baustelle, dürfen sie nicht ohne Personenschutz verlassen.“

Im Büro des Firmenchefs hängt eine Weltkarte. Unterschiedliche Orange- und Rottöne zeigen, welche Regionen sicher sind und welche nicht. Permanent informiert man sich über die Sicherheitslage rund um den Globus. Rund 400 der weltweit 2.500 Zuckerfabriken hat BMA in seiner mehr als 160-jährigen Geschichte gebaut. Die als extrem gefährlich markierten Gebiete sind freilich auch für BMA-Mitarbeiter tabu. Dazu gehören Syrien und der Norden des Irak sowie einige Regionen Nord- und Zentralafrikas.

Als Konsequenz aus seiner Erfahrung mit Auslandsmärkten setzt sich Mayer für einen verstärkten Dialog zwischen Wirtschaft und Politik ein. „Wir sollten unser Know-how der Politik zur Verfügung stellen – damit sie im Fall von geopolitischen Krisen Maßnahmen mit Augenmaß ergreifen kann.“


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