Außenhandel

Export beflügelt Maschinenbauer Zahoransky – und andere Betriebe in Baden-Württemberg

Das Land exportiert Waren für 195 Milliarden Euro pro Jahr – mehr als Nordrhein-Westfalen und Bayern. Wie davon der Bürstenmaschinen-Hersteller Zahoransky aus dem Schwarzwald und andere Firmen profitieren, lesen Sie hier.

Perfektion: Thomas Wunderle stellt eine Zahnbürstenhalterung an der Maschine ein. Foto: Allgeier

Perfektion: Thomas Wunderle stellt eine Zahnbürstenhalterung an der Maschine ein. Foto: Allgeier

Idyllisch: Zahoransky liegt neben den Todtnauer Wasserfällen. Foto: dpa

Idyllisch: Zahoransky liegt neben den Todtnauer Wasserfällen. Foto: dpa

Todtnau. Im Südschwarzwald steht ein Unternehmen, das sein Geschäft rund um den Globus mit großem Erfolg betreibt: Hier und an zwei Standorten in Freiburg baut Zahoransky etwa Anlagen und Spritzgießformen zur Herstellung von Bürsten aller Art. „Wir schätzen, dass jede zweite Zahnbürste auf der Welt auf unseren Maschinen hergestellt wird“, sagt Robert Dous, verantwortlich für Marketing und Vertrieb.

Rund 250 Maschinen im Wert von 100.000 bis 2 Millionen Euro verlassen jedes Jahr das Werk. Bis zu 80 Prozent davon treten ihre Reise nach Europa, Asien, den USA, Lateinamerika und Nordafrika an. Dous: „Wir leben stark vom Export!“

Das internationale Geschäft ist nicht nur hier, sondern für ganz Deutschland existenziell: Der Exportanteil am Bruttoinlandsprodukt verzeichnete 2015 mit rund 47 Prozent einen Rekord und ist Spitze im europäischen Vergleich. Allein Baden-Württemberg exportierte im letzten Jahr Waren im Wert von 195 Milliarden Euro – so viel wie nie zuvor, so das Statistische Landesamt. Und damit mehr als Nordrhein-Westfalen (182 Milliarden) oder Bayern (179 Milliarden). Exportschlager aus dem Südwesten: Autos und Maschinen! Wichtigster Handelspartner bei der Ausfuhr waren mit Abstand die USA, gefolgt von Frankreich, China sowie der Schweiz.




Die Kunden kommen gerne nach Todtnau, sie lieben die landschaftliche Idylle: „Unsere Lage ist ein Besuchermagnet“, verrät Dous. Daneben locken beste Qualität, hohe Automatisierung, Zuverlässigkeit und hohe Anlagenverfügbarbeit. Die Nachfrage nach den Maschinen ist groß, letztes Jahr erwirtschafteten die 730 Mitarbeiter einen Umsatz von 85 Millionen Euro. Dous: „Made in Germany hat im Ausland nach wie vor einen guten Ruf.“

Baden-Württemberg exportierte 2015 Maschinen im Wert von 39,5 Milliarden Euro – 5 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Bei Zahoransky heißt das übrigens „Black Forest Quality“. Es erfordert eben viel Know-how, um eine Anlage zu bauen, die 30 bis 40 Zahnbürsten pro Minute fertigt.

So stecken zum Beispiel in jedem Kopf zwischen 20 und 25 Borstenbündel mit jeweils 40 Borstenenden. „Wir schneiden ein Profil in die Borsten und runden sie ab“, erklärt Dous. Nur wenn die Borsten (Filamente) abgefräst und geschliffen sind, tun sie Zähnen und Zahnfleisch gut. Auf Wunsch können die Anlagen auch ein Logo samt Dekor aufdrucken, alles in eine Blister-Verpackung stecken und im Präsentationskarton auswerfen.

Das alles geht schnell: Die Maschinen schaffen 16 bis 17 Bündel pro Sekunde. Und rechnen soll sich die Investition für den Kunden: „Deshalb entwickeln wir uns ständig weiter“, sagt Dous. Gut 6 Prozent des Umsatzes fließen in die Forschung und Entwicklung. Dabei geht es nicht nur um optimierte Prozesse und Kostensenkung. Sondern auch um neue Geschäftsfelder.

So wird zum Beispiel die Zahnseide zunehmend vom Interdental-Bürstchen verdrängt. Die Maschine dafür kommt aus Todtnau. Besonders raffiniert: „Damit lassen sich auch Mascara-Bürstchen für Wimperntusche produzieren“, sagt der Fachmann. Bürsten benötigt man zudem in der Medizin, im Lebenmittelhandel (Kartoffeln schälen, Gemüse waschen), im Haushalt (Besen, Spül- und Klobürsten), für technische Zwecke (Rolltreppen, Abdichtungen) oder in der Kosmetik-Industrie (diverse Pinsel). Auf dem Markt hat das Unternehmen aber auch bereits Maschinen für Medizintechnik oder zum Verpacken von Schreibwaren und Elektronikteilen.

Englischlehrerin trainiert die Azubis

Gefragt ist zudem Service: „Unsere Mitarbeiter montieren die Maschinen, bauen sie vor Ort auf und übernehmen die Einweisung“, so Dous. Dabei sind beste Sprachkenntnisse erforderlich. Am Standort trainiert eine Englischlehrerin die Azubis: „Englisch ist bei uns Einstellungsvoraussetzung“, erklärt der Manager. Schließlich habe man Kunden in der ganzen Welt und auch eigene ausländische Standorte.

So gibt es ein Werk in Indien (106 Mitarbeiter) und Spanien (48 Mitarbeiter) sowie Vertriebs- und Serviceniederlassungen in China, USA und Brasilien. Ist das Konkurrenz? „Nein, wir produzieren an allen Standorten unterschiedliche Produkte“, entgegnet Dous. Und eher einfache Modelle, wie sie der asiatische Markt verlange, könne man bei uns aus Kostengründen gar nicht herstellen.

Immer stärkere Nachfrage in Übersee und Europa

Außenhandel sorgt für guten Umsatz

Waiblingen/Ditzingen. Der Export steht für viele in Baden-Württemberg verwurzelte Unternehmen im Mittelpunkt. So meldet die Unternehmensgruppe Stihl in Waiblingen ein Umsatzwachstum von 5,4 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro in den ersten acht Monaten des laufenden Geschäftsjahres. Für 2016 wird ein Absatz- und Umsatzrekord erwartet. Wachstumsmotor sei erneut der US-Markt, so Vorstandschef Bertram Kandziora. In das deutsche Stammhaus will er bis 2019 rund 300 Millionen Euro investieren.

Und Maschinenbauer Trumpf in Ditzingen konnte seinen Umsatz trotz angespannter Konjunktur um 3,4 Prozent auf 2,81 Milliarden Euro erhöhen: „Angesichts der weltwirtschaftlichen Rahmenfaktoren ist dieses Ergebnis für ein exportorientiertes Unternehmen sehr zufriedenstellend“, so Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Trumpf-Geschäftsführung.

Gründe für das Umsatzplus seien die Entwicklung einiger Regionalmärkte in Westeuropa und Übersee. In der Folge hat sich die Zahl der Mitarbeiter kräftig erhöht: Bundesweit sind es 11.181 (Vorjahr 10.873).

Interview

Volkswirtin Galina Kolev vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Foto: IW Köln
Volkswirtin Galina Kolev vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Foto: IW Köln

Welche Chancen uns Ceta und TTIP bieten

Köln. Baden-Württemberg muss in die Weltwirtschaft über Waren- und Finanzströme integriert sein. Die Bedeutung von Freihandelsabkommen, wie TTIP mit den USA oder Ceta mit Kanada, erklärt Volkswirtin Galina Kolev vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Freihandel mit den USA – wozu?

Freihandel bedeutet erhebliche Kostenentlastungen. Die USA sind mit einem Anteil an den Warenexporten Baden-Württembergs von über 13 Prozent das wichtigste Exportzielland. Die hiesigen Unternehmen haben wiederum mit knapp 23 Prozent den größten Anteil im bundesweiten Vergleich an dem deutschen Warenexport in die USA.

Was für Vorteile gibt es noch?

Die Intensivierung der Handelsbeziehungen bedeutet mehr Wirtschaftswachstum und mehr Arbeitsplätze – die meisten davon dürften in Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen entstehen. Doch das Besondere ist, dass wir dadurch eine einmalige Chance haben, mitzubestimmen, wie der globale Handel und der Investitionsschutz in Zukunft geregelt werden sollen.

Aber viele sind dagegen …

Die Skepsis ist erstaunlich – in unserem Land, in dem jeder vierte Arbeitsplatz am Export hängt! Doch die Deutschen sind nicht grundsätzlich dagegen, sie lehnen zwar TTIP ab, finden aber den Freihandel gut.

Was können uns TTIP oder Ceta mit Kanada konkret bringen?

Mit Ceta können 99 Prozent der Zölle abgebaut werden, das spart europäischen Firmen etwa 600 Millionen Euro pro Jahr. Und die regionalen Herkunftsbezeichnungen werden besser geschützt – der Schwarzwälder Schinken muss tatsächlich aus dem Schwarzwald kommen. Das bringt Vorteile für die Wirtschaft, die Arbeitnehmer, die Verbraucher, ohne die Regulierungsfreiheit der beteiligten Staaten einzuschränken. Ceta enthält einen modernisierten Investitionsschutz – mit öffentlichen Gerichten, Berufungsinstanz und transparenten Verfahren. Mal sehen, ob wir ähnliche Fortschritte auch bei TTIP erzielen.

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