Werkzeugbau

Experten für Sonderwünsche


Prototyp-Werke: Fräswerkzeuge nach Maß sind in der Krise besonders gefragt

Zell am Harmersbach. Heinrich Kiefer schaut genau hin. Mit einer Augenlupe prüft er eine kleine Charge Fräs-Werkzeuge, die in der Luft- und Raumfahrt-Industrie gebraucht werden. „Bei den Sonderwerkzeugen mit ihren meist komplexen Geometrien überprüfen wir jedes Teil“, erklärt der Kontrolleur. „Ich sehe sofort, wenn etwas nicht in Ordnung ist.“

Kiefer arbeitet im Prüfraum der Prototyp-Werke im südbadischen Zell am Harmersbach. Deren 500 Mitarbeiter stellen Fräser und Gewindewerkzeuge aus Vollhartmetall und Spezial-Stählen her. Sie sind Experten für Extrawünsche, also für Sonderwerkzeuge nach Kundenwunsch. Zum Glück! Denn das Geschäft mit Sonderwerkzeugen ist jetzt in der Krise stabiler als das Standardgeschäft.

Innovationen erfordern neue Werkzeuge

Betriebsleiter Karl Lehmann erklärt sich das so: Viele Firmen arbeiten jetzt noch stärker an Innovationen, um aus der Krise zu kommen. „Und wer neue Materialien und Produkte bearbeiten will, braucht oft spezielle Werkzeuge, die es noch nicht gibt.“

Beispiel: Eine Gewindespindel mit Mutter für eine Sitzverstellung im Auto soll so gestaltet sein, dass die Verstellung hinterher aufgrund der Form des Gewindes schwergängig ist. Wenn Prototyp so eine Aufgabe gestellt bekommt, entwickeln die Mitarbeiter genau das passende Gewindewerkzeug.

Unternehmen will die Mitarbeiter halten

Ein Drittel der Aufträge sind inzwischen solche Extrawünsche von Kunden. Dafür hat das Unternehmen sogar eine eigene Abteilung, den „Prototyp Spezial Service“ (PSS).

Zwar gehen auch hier die Aufträge zurück, um rund 25 Prozent. Aber im Standardbereich ist der Rückgang noch viel größer – bis zu 40 Prozent! „Die Standardwerkzeuge haben unsere Kunden am Lager“, so Lehmann. „Deshalb halten sie sich da mit Neubestellungen derzeit zurück.“

So manche Spezialwerkzeuge, die von Prototyp entwickelt wurden, sind heute Standard. Etwa die „Nietsenker“, die zur Produktion von Tragflächen und Außenhaut im Flugzeugbau benötigt werden.

Die Werkzeugpalette des Betriebs reicht vom 0,8 Millimeter winzigen Gewindebohrer für die Uhren- und Mikro-Industrie bis zu großen Gewindebohrern für Stahlmuttern, die im Hochbau, Brückenbau oder bei Windkraftanlagen zum Einsatz kommen und hohe Belastungen aushalten müssen. Ihr Durchmesser: 100 Millimeter.

Die Mitarbeiter hoffen, dass die Nachfrage insgesamt bald wieder anzieht. Seit Mai wird kurzgearbeitet. Personalleiterin Maren Hahn will ihre Mitarbeiter unbedingt halten: „Schließlich hat uns das viel Aufwand und Geld gekostet, die Leute zu bekommen und zu schulen.“

Joachim Sigel

Info: Prototyp-Werke GmbH

Die wichtigsten Kunden des Unternehmens sind Maschinenbau, Luft- und Raumfahrt-Industrie, Automobilindustrie und Formenbau. Prototyp tritt im Verbund mit den Marken Walter, Walter-Prototyp und Walter-Titex auf und erzielte 2008 einen Umsatz von rund 100 Millionen Euro.

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