Mit viel Schub ins All

Europas Trägerrakete Ariane 5 ist eine Erfolgsgeschichte – auch für Bayern

Ottobrunn. 63 Mal in Folge ist der Start problemlos gelungen, zuletzt Anfang Dezember 2014: Die Ariane 5 ist der Stolz der europäischen Raumfahrt. Seit 1996 bringt die (unbemannte) Trägerrakete vor allem Satelliten ins All – in erster Linie für die Telekommunikation, aber auch etwa für die Erd- und Wetterbeobachtung.

Überhaupt erst zwei Mal misslang ein Start: Beim allerersten Versuch 1996 und dann noch einmal sechs Jahre später. Seitdem läuft alles wie am Schnürchen. Was ist das Erfolgsrezept?

Andreas Rohne bringt es auf den Punkt: „Unsere extrem hohen Anforderungen an die Qualität. Wir machen da keine Kompromisse.“ Rohne ist in Ottobrunn bei München der Leiter Antriebe von Airbus Defence and Space. Das europäische Unternehmen baut die Rakete, die mit einem Anteil von rund 50 Prozent Weltmarktführer ist.

Wichtige Teile stammen von 350 Mitarbeitern in Ottobrunn: das Triebwerk für die Hauptstufe im unteren Teil der Rakete und der später gezündete Hauptantrieb für die Oberstufe. Beide zusammen bringen eine Leistung von 4,3 Millionen PS.

Schon in der Design-Phase und in der Entwicklung gehe es vor allem darum, dass die Bauteile später extreme Belastungen und Temperaturen aushalten, berichtet Gerald Hagemann, verantwortlicher Manager für die Entwicklung der Antriebe in Ottobrunn.

Beispiel: Das in den Motoren entzündete Gasgemisch aus flüssigem Wasserstoff und flüssigem Sauerstoff wird in der Spitze 3.500 Grad Celsius heiß. Damit die etwa einen Meter lange Schubkammer, das zentrale Antriebselement, nicht schmilzt, sind innen in ihren Kupfermantel winzige Kühlkanäle gefräst. Durch diese fließt der flüssige Wasserstoff mit einer Temperatur von minus 237 Grad. So wird es an der Kammerwand nicht heißer als 400 Grad.

„Am Grundprinzip des Antriebs hat sich seit Jahrzehnten nichts verändert“, betont Rohne. „Fortschritte gab und gibt es aber fürs Material und in der Fertigungstechnik.“ So besteht eine bestimmte Düse der Oberstufe nun aus sehr hitzebeständiger Keramik.

Ohne Abstriche an der Qualität nimmt Airbus Defence and Space die Kosten stärker in den Blick. Denn die Konkurrenz wird härter: Nicht nur die russische Staatsfirma Roskosmos transportiert zu günstigeren Preisen Satelliten ins All, auch die privaten amerikanischen Anbieter SpaceX und Orbital Sciences. 2014 machten beide Schlagzeilen – eine Testrakete von SpaceX und eine Rakete von Orbital Sciences explodierten.

In der Branche ist es kein Geheimnis, dass der Preis für eine Ariane 5 bei 120 bis 150 Millionen Euro liegt. Die Ariane 6 soll in kleiner Version 70 Millionen und in großer 90 Millionen Euro kosten. Auf diese Nachfolgemodelle einigten sich vor kurzem die Mitgliedsstaaten der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. 2020 soll die erste Ariane 6 abheben.

„Antriebe werden einen proportionalen Beitrag leisten, um die Kosten insgesamt um 30 bis 40 Prozent zu senken“, kündigt Rohne an. Unter anderem mit neuen Fertigungsverfahren. „Aktuell erproben wir zum Beispiel das 3-D-Drucken mancher Bauteile.“

Ein wesentlicher Kosteneffekt wird auch von einer höheren Stückzahl erhofft: Die Ariane 6 soll zehn- bis elfmal im Jahr ins All starten, etwa doppelt so oft wie die Ariane 5.


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