Bündnis im Betrieb

„Es kann nur aufwärts gehen"


Standortsicherungsvertrag: LyondellBasell macht sich fit für die Zukunft

Etwas überrascht ist Industriekauffrau Martina Müller schon, dass jetzt alles so glimpflich ausgeht. Es ist gerade mal zwei, drei Monate her, da nahm die Krise den Kunststoff-Hersteller LyondellBasell kräftig in den Schwitzkasten. Die Beschäftigten in Wesseling machten sich Sorgen. „Was wird aus uns? Wie geht es jetzt weiter?“, fragte sich auch Martina Müller. Die „Stimmung war angespannt“, schildert Schlossermeister Marcus Schiffbauer.

„So wenig Aufträge hatten wir noch nie“

Inzwischen hat sie sich gelöst. Denn es gibt für Wesseling und die anderen deutschen Werke des Kunststoff-Riesen einen Standortsicherungsvertrag. Er schreibt fest, dass LyondellBasell bis Ende 2011 hierzulande keine Anlagen oder Standorte schließen wird und dass bis dahin auch betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden sollen.

„Damit hätte ich nicht gerechnet“, erzählt Industriekauffrau Müller. Zu böse hatte die Rezession den Kunststoffhersteller erwischt. Zuerst machte ihm der rapide fallende Ölpreis zu schaffen. Die Kunden spekulierten auf preiswertere Kunststoffe und warteten mit den Bestellungen. Dann brach die Nachfrage bei Auto- und Bau-Industrie ein. „So wenig Aufträge hatten wir noch nie“, berichtet Müller, die im Vertrieb arbeitet.

Schließlich gingen die Konzernteile in den USA in die Insolvenz, um die großen Schulden zumindest zum Teil abzustreifen und eine neue Chance zu erhalten. Und der ganze Konzern zitterte mit. Wie ihn wieder flottmachen? Da sind alle Standorte gefragt.

Die Geschäftsleitung forderte schon seit Herbst, die Fixkosten um 15 Prozent zu senken. „Wenn wir im harten Kunststoffgeschäft eine Zukunft haben wollen, muss das sein. Das Tal wird tief und voraussichtlich lang“, argumentierte deshalb nun Personalchef Jürgen Pischke. „Wir haben schon so viele Maßnahmen gehabt, wir sind an der Schmerzgrenze“, konterte Betriebsratsvorsitzender Wilfried Hierl. Harte Verhandlungen begannen.

Am Ende bewährte sich die Sozialpartnerschaft. Pischke und Hierl fanden eine elegante Formel. Sie sichert Anlagen und Jobs und macht dabei Einsparungen möglich, ohne die bundesweit rund 2900 Beschäftigten zu sehr zu belasten.

Der Weg: Ein für die Mitarbeiter verkraftbarer Schnitt bei der Entlohnung bringt die eine Hälfte der nötigen Einsparung, die andere wird durch Steigerung der Effizienz erreicht.

Im Grunde ist es ganz einfach. „Jeder Kollege verzichtet auf einen Teil des jährlichen Leistungsbonus. Und zwar alle, vom Tarifmitarbeiter über die Führungskraft bis zum Leitenden Angestellten“, erklärt Hierl. Beim tariflichen Mitarbeiter macht das 0,65 Monatsentgelte aus, beim außertariflichen 1,2. „Das normale Monatsentgelt bleibt jedoch unangetastet.“

„Effizienz-Paket“ für die Betriebe

Die andere Hälfte „sparen die Betriebe durch ein Effizienz-Paket“, erläutert Pischke. „Also: Abläufe und Prozesse verbessern sowie unnötige Arbeiten wegfallen lassen.“ Zudem will LyondellBasell drei  Jahre  lang  je  50  jungen Leuten einen Start in die Ausbildung ermöglichen; auch das steht im Standortpakt. Der Konzern setzt auf Zukunft. „Ich bin optimistisch, dass wir die Krise jetzt überstehen können“, sagt Pischke. Auch Martina Müller ist zuversichtlich: „Es kann nur aufwärts gehen.“

Hans Joachim Wolter

Info: LyondellBasell Industries

Das Unternehmen LyondellBasell Industries in Rotterdam ist mit weltweit 15.000 Beschäftigten an 60 Standorten und einem Umsatz von rund 40 Milliarden Dollar (derzeit knapp 29 Milliarden Euro) einer der größten Petrochemie-Konzerne der Welt. Zu den Hauptprodukten gehören die Kunststoffe Polyethylen und Polypropylen, Katalysatoren und Kraftstoffe. In Deutschland beschäftigt LyondellBasell derzeit 2.900 Mitarbeiter, davon rund 2.000 in Wesseling.

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