Ausbildung

„Es ist genau das, was ich wollte“


Was junge Leute im Betrieb erwartet: Beispiel Berlin-Chemie

Berlin. Ein großer Moment für den angehenden Pharmakanten Fred Gruhne: Nach der langen Zeit der Praxis-Übungen im Berufsbildungszentrum darf Gruhne, Azubi im zweiten Lehrjahr beim Pharma-Konzern Berlin-Chemie, in der echten Produktion ran.

Die Schichtleiterin hat ihm die Funktionsweise der Tabletten-Verpackungslinie erläutert – gleich wird er die Maschine mit Faltschachteln füttern. Eine von vielen Stationen, die er in nächster Zeit erleben wird. „Die Ausbildung ist sehr abwechslungsreich“, sagt Gruhne. „Es ist genau das, was ich wollte.“

Bei einem guten Lehrabschluss erwartet ihn ein fester Arbeitsplatz in einem dynamischen Unternehmen (4.700 Mitarbeiter, über 1,2 Milliarden Euro Jahresumsatz, 64 Prozent Exportanteil) – und die stattliche Entlohnung nach dem Chemie-Tarif.

Mehr Werben um den Nachwuchs

Vor zwei Jahren ging es Gruhne wie vielen Jugendlichen: „Ich war unsicher: Welcher Beruf ist der richtige für mich?“ Eine Freundin gab ihm den Tipp zum Berufsbild Pharmakant. „Ich habe mich informiert, mich mit Familie und Freunden beraten – und dann hat das mit der Bewerbung geklappt.“

Ellen Redlich, die Ausbildungschefin von Berlin-Chemie, ist mit derlei Entscheidungsprozessen junger Leute vertraut: Und sie formuliert die Konsequenz, die das Unternehmen daraus gezogen hat: „Wir müssen jungen Leute die Berufsbilder aktiv nahebringen, um den Fachkräfte-Nachwuchs zu sichern.“

Zur Motivation winkt ein Rockkonzert

Schließlich wisse jeder, was ein Automechaniker macht. Aber ein Pharmakant? Redlich und ihre Kollegen informieren auf allen Ausbildungsmessen in und um Berlin, in Schulen, in den Berufsbildungszentren der Arbeitsagenturen. Das Ziel: die jährlich etwa 30 Lehrstellen für Chemielaboranten, Pharmakanten, Kaufleute, Mechaniker und Mechatroniker gut zu besetzen.

Und das wird zunehmend schwer: Wegen der sinkenden Schulabgänger-Zahlen gibt es pro Lehrstelle nur noch halb so viele Bewerber wie vor fünf Jahren. „Wir haben deshalb unser Ausbildungsmarketing stark ausgeweitet“, sagt Redlich. So sind viele neue Kooperationen mit Grund- und Realschulen entstanden. Auch außerhalb Berlins: Seit fünf Jahren informiert sich hier auch die elfte Klasse eines Chemie-Leistungskurses aus einem Gymnasium in Balingen (Baden-Württemberg).

Drei Dinge sollen Azubis mitbringen, stellt Redlich klar: „eine akkurate schriftliche Bewerbung, gute Noten in naturwissenschaftlichen Fächern – und null unentschuldigte Fehlstunden“. Sie fügt hinzu: Engagierte Bewerber haben „auch mit einer guten Drei noch Chancen“. Es gibt einen schriftlichen Test, am Ende entscheidet ein persönliches Gespräch.

Redlich ist über die Leistungen der Azubis stets im Bilde. Die Besten eines Jahrgangs werden extra prämiert; etwa mit dem gemeinsamen Besuch eines Rockkonzerts.

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