Standort

„Es geht um tausendstel Millimeter“


Gillette fertigt in Deutschland fünf Milliarden Klingen pro Jahr

Berlin. Dem einen Mann ist sie eher lästig, der andere zelebriert sie jeden Morgen vor dem Spiegel: die Rasur. Viele erledigen sie leise, nass und schaumig – ohne auch nur zu ahnen, welches Know-how in ihrem modernen „Systemrasierer“ steckt ...

Alfons Schoemer weiß das genau. Er leitet die europäischen Gillette-Standorte, darunter die Klingenschmiede im Berliner Ortsteil Tempelhof. Knapp 1.200 Menschen arbeiten an dem über 75 Jahre alten Standort.

Pro Jahr werden hier fünf Milliarden Klingen für rund 1,2 Milliarden Rasiererköpfe gefertigt. Zwei Drittel davon landen in europäischen Badezimmern, der Rest wird weltweit verkauft. In Deutschland hat Gillette nach eigenen Angaben etwa 75 Prozent Marktanteil.

Hightech-Produkte aus speziellem Stahl

Konkurrent Wilkinson produziert ebenfalls hierzulande: Sein Werk in Solingen (700 Mitarbeiter) bringt es auf eine Milliarde Klingen jährlich.

Also lässt sich das simple Massenprodukt  Rasierklinge in unserem Hochlohnland mit Gewinn herstellen?

Gillette-Manager Schoemer nickt. Und weist das „simpel“ sofort zurück: „Rasierer sind Hightech-Produkte, es geht um tausendstel Millimeter.“ Barthaare seien so fest wie Kupferdraht – nötig sei also „die Schärfe chirurgischer Instrumente“.

Auf dem Weg dahin werden Bänder aus speziellem Stahl erhitzt und abgekühlt. „Daraus stanzen wir die Klingen, die geschliffen und noch mit Kohlenstoff beschichtet werden.“ Komplexe Automaten montieren dann die diversen  Rasiererköpfe, darunter auch Produkte für Frauen.

Um hierzulande dauerhaft  wachsen zu können, betont Schoemer, seien drei Dinge entscheidend: „Innovationsführerschaft, smarte Kostenstrukturen und hochqualifizierte Mitarbeiter“.

Erfindungsreichtum nennt er nicht zufällig zuerst. Am neuen Gillette-Modell, seit 2010 auf dem Markt, zeigt Schoemer, was sich verbessert hat: „Schmalere Klingen machen beim Rasieren weniger Druck und Ziehkraft nötig.“ Die Klingen seien schärfer, sie würden nicht mehr so schnell verkleben – und so fort.

Trotzdem kann man sich mit dieser Neuheit ja auch „nur“ rasieren. Ist das ständige Schrauben am Produkt denn wirklich nötig? „Ja“, weiß Schoemer, „die Kunden wünschen sich immer mehr Komfort“.

Erkenntnisse aus Verbraucherstudien sind ein Ansporn für die Mitarbeiter des Forschungszentrums in Reading (nahe London).

100 zusätzliche Arbeitsplätze

Bei der Entwicklung des neuen Produktes machten dann auch über 30.000 Normalverbraucher mit – als Test-Rasierer.

Für dieses neue Modell entsteht gerade im Berliner Werk eine weitere Fertigungsstraße, bis Mitte des Jahres soll sie laufen. Das Unternehmen investiert dafür laut Schoemer 50 Millionen Euro. Und will etwa 100 zusätzliche Mitarbeiter einstellen. 

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