Konjunktur

Es geht immer eine Nummer größer


Die Rohre von Eisenbau Krämer sind riesig - und deshalb so gefragt

Recklinghausen. Das ist ja ein besonderer Braten, den Peter Kupzog da auf dem Grill hat! Ein riesiges Rohr brutzelt auf der Flamme. Immer wieder dreht und wendet Kupzog es und tastet das Metall mit einem Infrarot-Gerät ab. Denn für das Schweißen der Naht muss das Rohr von allen Seiten gleichmäßig vorgewärmt sein. Die Temperatur stimmt: Jetzt aber schnell ab zum Schweißen! Das Rohr darf nicht abkühlen, da-mit die Naht schön glatt wird.

Mehr als vier Meter Durchmesser

„Grillmeister“ Peter Kupzog arbeitet bei Eisenbau Krämer (EBK) in Recklinghausen. Die Rohre, die hier gebogen und dann der Länge nach zusam-mengeschweißt werden, sind einfach riesig – im wahrsten Sinne. Bis zu 25 Zentimeter dicke Wände, mehr als vier Meter Durchmesser: Für EBK kein Problem. „Nur wenige Hersteller weltweit können derartige Rohre maschinell produzieren“, sagt Werkleiter Peter Scobel.

Ein Wettbewerbsvorteil. Zwar fährt auch diese Firma vereinzelt Kurzarbeit, aber die Stellen sind sicher. Weil EBK mit Stammsitz in Kreuztal (Siegen-Wittgenstein) viele Märkte be-dient. So fertigen die Kunden aus den Rohren etwa Bauteile für Windräder auf hoher See. Oder für Bohrinseln.

2008 lief das Geschäft mit den Öl- und Gas-Konzernen noch gut, sie investierten kräftig – auch in neue Plattformen. Doch dann sanken die Energiepreise. Und einige Projekte wurden aufgeschoben.

Gut, dass EBK noch ganz andere Branchen beliefert. So produziert das Unternehmen  auch Tragelemente für Flughäfen, Stadien, Brücken, Staudämme und Hafenanlagen.

Und auch Maschinenbauer und ihre Zulieferer brauchen Rohre: Sie machen daraus Zylinder und Trommeln. Oder Walzen, die etwa in Anlagen der Papierindustrie eingebaut werden. Wuchtige Walzen pressen die Feuchtigkeit aus dem Zellulosebrei heraus.

So eine Presswalze bearbeitet Peter Ihly an seiner Drehmaschine. Aus einem schwarzen Rohling schält er ein silbriges Glanzstück heraus: 14 Meter lang, 1,2 Meter Durchmesser. Damit werden bald riesige Papierbahnen produziert. Ihly lächelt: „Es geht aber auch noch eine Nummer größer!“ Und das geht bei Eisenbau Krämer immer.

Häufig handelt es sich um Einzelstücke

 „Die Kunden verlangen nach noch dickeren, längeren, festeren Rohren“, so Vertriebsmanager Wolfgang Schlemper. Weil die Baukonstruktionen größer und höher werden, die Bohrinseln und die Windparks immer weiter ins offene Meer gestellt werden, wo sie noch heftigeren Stürmen ausgesetzt sind. Nur: An Gewicht dürfen die Rohre nicht zulegen. Deshalb tüftelt das Unternehmen ständig an neuen Legierungen.

Die Folge ist eine enorme Vielfalt. „Niemand auf der Welt hat eine solche Produktpalette“, sagt Prokurist Manfred Nordmann. Meist fertigt die Firma kleine Serien oder gar Einzelstücke.

Sie hat auch Rohre entwickelt, die extrem niedrige Temperaturen aushalten. Etwa für Gasdruckbehälter. So können die geschweißten Stahlblechstücke Guss- und Schmiedeteile ersetzen. Und mit Hilfe eines Kooperationspartners ist die Firma jetzt auch in der Lage, nicht nur Rohre, sondern komplette Walzen zu fertigen: für die Papierindustrie. Und wieder tut sich ein neuer Markt auf . . .

Matilda Jordanova-Duda

Info: Eisenbau Krämer GmbH

Mehr als 100.000 Tonnen Stahl verarbeitet Eisenbau Krämer Jahr für Jahr zu Rohren für Pipelines, Ölplattformen, Flughäfen, Kraftwerke, Chemie-Anlagen und Maschinen.

Das Familienunternehmen beschäftigt in Deutschland rund 400 Mitarbeiter an drei Standorten, Hauptsitz ist Kreuztal in Siegen-Wittgenstein. In Recklinghausen hat die Firma 75 Mitarbeiter. Sie setzte 2008 rund 200 Millionen Euro um und lebt fast ausschließlich vom Export: 95 Prozent der Rohre sind fürs Ausland bestimmt.

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