Unternehmer-Risiko

„Es geht auch um mein Geld“


Mit den Chefs in einem Boot: Benedikt Kneissler ist am Firmenkapital beteiligt. Foto: Mierendorf

Bei Homag sind fast alle am Firmen-Erfolg beteiligt: In guten wie in schlechten Zeiten

Schopfloch. Er will, dass es seinem Betrieb gut geht – nicht nur, damit sein Arbeitsplatz sicher bleibt. „Es geht auch um mein Geld“, sagt Benedikt Kneissler, Industriemechaniker-Meister bei Homag, einem führenden Hersteller von Maschinen für die Holzbearbeitung (insgesamt 1.600 Mitarbeiter).

Kneissler hat in sein Unternehmen investiert. Per Mitarbeiter-Beteiligung. Wie 99 Prozent seiner Kollegen bei Homag im schwäbischen Schopfloch. Bis zum Sechsfachen seines Brutto-Monatslohns kann hier jeder investieren.

Nach den jüngsten Zahlen, Stand 2008, gehören knapp 25 Prozent der Firma den Mitarbeitern. Da die wenigsten viel Bares haben, vergibt Homag Darlehen, die in guten Jahren nach und nach mit der auf die Anteile fälligen Gewinn-Ausschüttung getilgt werden. So können Mitarbeiter Geld anlegen, ohne es selbst aufzubringen. Für 2008 bekommt Kneissler jetzt eine Ausschüttung von fast 25 Prozent.

Was aber, wenn das Unternehmen Verlust macht? Die Firmengruppe Homag, zu der 12 Maschinenfabriken und 20 Vertriebsgesellschaften zählen, hat angesichts der Wirtschaftskrise alle Zeitarbeitsplätze abgebaut. Befristete Verträge werden in der Regel nicht verlängert. Die Produktion fährt Kurzarbeit, alle anderen Bereiche werden nachziehen.

Die Belegschaft trägt auch Verluste mit

Die Beteiligung gilt in guten wie in schlechten Zeiten. Firmengründer Gerhard Schuler: „Sollte das Unternehmen 2009 in die Verlustzone geraten, bekommen die Mitarbeiter 2010 Verlustzuweisungen.“

Angenommen, das Unternehmen würde 10 Millionen Euro Verlust machen: Weil ja ein Viertel der Firma den Beschäftigten gehört, würden dann 2,5 Millionen Euro Verlust an die Beteiligten weitergegeben. Während die Belegschaft normalerweise die von der Firma gestellten Darlehen mit der Hälfte der Gewinnausschüttung abzahlt, wird für dieses schlechte Jahr also der Verlust angerechnet – und die Tilgung verschiebt sich.

Das gab es schon einmal, im Jahr 1993: Der Belegschaft wurden da­mals Verluste von etwa 2 Millionen D-Mark (rund 1 Million Euro) zugewiesen. „Trotzdem hat kein Mitarbeiter seine Beteiligung gekündigt“, erzählt Firmengründer Schuler. Er hofft allerdings für 2009 auf eine schwarze Null.

Die enge Verbindung zum Betrieb macht sich gerade in Krisen bemerkbar. Industriemechaniker-Meister Kneissler: „Ich bin Teil der Firma und mir gehört ein Stück davon.“ Deshalb kann er sich vorstellen, wenn nötig Mehrarbeit zu leisten, oder anderweitig flexibel zu sein.

Rut Katzenmaier

Info: Mitarbeiter-Beteiligung

Bundesweit sind 2,3 Millionen Mitarbeiter an 4.300 Betrieben beteiligt, schätzt die „Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft“. Seit April ist die Beteiligung durch steuerliche Anreize attraktiver: Beschäftigte können dadurch eine höhere Arbeitnehmer-Sparzulage erhalten, außerdem sind statt 135 Euro jetzt 360 Euro im Jahr steuerfrei.

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang