Konjunktur

Es droht wieder die Schattenseite


Die Konjunktur könnte bald kippen - kein guter Zeitpunkt für hohe Lohnforderungen

Peter Müller sorgt sich. Ums Geschäft. Und um die Arbeitsplätze. „Ich kann nur hoffen, dass am Ende doch noch die Vernunft siegt“, sagt der Personalchef des Autozulieferers ElringKlinger im schwäbischen Dettingen an der Erms.

Die Sorge ist berechtigt: Denn ausgerechnet jetzt, da sich die Konjunktur eintrübt und wegen der Finanzkrise sogar eine weltweite Rezession nicht mehr auszuschließen ist,  zieht die Gewerkschaft IG Metall mit der höchsten Lohnforderung seit 16 Jahren in den Tarifkampf. Was böse Erinnerungen weckt.

Damals, im Jahr 1992, befand sich Deutschland bereits mitten in einem Abschwung. Und auch damals schlug die IG Metall alle Warnungen in den Wind. Das Ergebnis war ein Tarifabschluss, der viele Metall- und Elektro-Betriebe (M+E) überforderte.

Geschäftsklima kühlt sich ab

Die Folge: Von 1992 bis 1994 sank die Zahl der M+E-Mitarbeiter um fast 600.000 auf nur noch 3,38 Millionen!

Die Krise traf auch den Autozulieferer aus Dettingen, der  vor allem Dichtungen herstellt. Müller: „Wir mussten Kurzarbeit anmelden und Leute entlassen.“ Nun befürchtet der Personaler, dass sich Ähnliches wiederholen könnte.

Die Alarmzeichen sind in der Tat nicht zu übersehen: So ist der Ifo-Geschäftsklima-Index (Stand: September 2008) schon zum vierten Mal in Folge gesunken, der Abwärtstrend setze sich, so Ifo-Chef Hans-Werner Sinn, „mit Riesenschritten fort“. Der monatlich unter 7.000 Unternehmen  erhobene Index gilt als wichtigstes Stimmungsbarometer der Wirtschaft. Und innerhalb des Euro-Raums kühlte sich das Geschäftsklima so stark ab wie seit fast sieben Jahren nicht mehr.

„Es machen sich erste Bremsspuren der Konjunktur be-merkbar.  Das  wird  im  Laufe des nächsten Quartals noch deutlicher werden“, befürchtet etwa Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchfeld.

Viele Forschungsinstitute haben ihre Prognosen bereits nach unten geschraubt. So erwartet das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) für das laufende Jahr nur noch ein Wachstum von 1,7 Prozent und 2009 ein Mini-Plus von 0,7 Prozent.

Deshalb stößt die hohe Forderung der IG Metall bei vielen Experten auf Unverständnis. Wie Friedrich Heinemann. Der Volkswirt beim Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erwartet, dass der exportorientierten Branche die weltwirtschaftliche Abkühlung bald zu schaffen macht.

Mittlerweile sind ihre Bestelleingänge den achten Monat in Folge gesunken. Und geht es dem Schwergewicht Metall und Elektro schlecht, hat das Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft.

Auto-Industrie: Vollbremsung droht

Die Auto-Industrie muss wohl bald schon einen Gang runterschalten: Im August sind die Automobil-Verkäufe der deutschen Marken hierzulande gegenüber dem Vorjahresmonat um 8 Prozent gesunken, die Exporte verringerten sich um 5 Prozent.

 

Selbst im erfolgsverwöhnten Anlagenbau ist der Boom zum Teil schon wieder vorbei. So sind die Auftragseingänge bei den Textilmaschinenproduzenten seit Anfang des Jahres  um etwa die Hälfte gesunken.

Unter Einbußen leidet auch Trützschler mit Stammsitz in Mönchengladbach. „Wir sind buchstäblich in ein Loch gefallen“, sagt Marketingchef Hermann Selker. 

Derzeit verkaufen sich Anlagen für die Garnherstellung äußerst schlecht. Folge: Die Firma musste Kurzarbeit ansetzen – und sieht sich gezwungen, in Mönchengladbach 90 Stellen zu streichen. Denn auch im kommenden Jahr sei keine Trendwende in Sicht, so Selker: „Dann wird es bei uns mit Sicherheit rote Zahlen geben.“

 Joachim Sigel/Wilfried Hennes

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