Arbeitswelt

Erste Schritte in den Beruf


Das Ausbildungsjahr 2010/2011 hat begonnen

Das neue Lehrjahr hat begonnen: Tausende junger Menschen erleben zum ersten Mal in den hessischen Betrieben die reale Arbeitswelt. AKTIV hat sich in drei Unternehmen der Metall- und ElektroIndustrie umgeschaut: Wir wollten auch wissen, wie es um Azubis zu Beginn des zweiten Lehrjahres steht.

Vacuumschmelze: „Erwarten auch gutes Benehmen“

Verfahrensmechaniker brauchen Mathe und Physik

Hanau. Gespannt verfolgen die neuen Azubis des Jahrgangs 2010/2011, was ihnen ihr Ausbilder Wolfgang Müller in der Lehrwerkstatt erklärt. Heute werden sie zum ersten Mal selbstständig Metall bearbeiten. Mit einem Höhenreißer sollen sie Maße auf ein Blechteil übertragen und so ihr eigenes Namensschild anfertigen.

Fahri Büyükkaya (15, einer der 30 „Neuen“) ist ganz begeistert, dass es endlich losgeht: „Ich freu mich auf alles, was hier kommt!“ Übers Internet fand der Hauptschulabsolvent seine Lehrstelle bei der Vacuumschmelze (VAC) in Hanau. Er will Verfahrensmechaniker werden.

Die VAC (1.400 Mitarbeiter, aktuell 106 Azubis) gilt weltweit als führend bei der Entwicklung von hochwertigen industriellen Werkstoffen. Top-Ausbildungsberuf: der Verfahrensmechaniker.

Leistungsbereitschaft muss sein

Gute Physik- und Mathe-Noten sowie technisches Verständnis sind ein Muss. „Mit Unterstützung packen auch Hauptschüler die Ausbildung und alle haben gute Über-nahmechancen“, sagt Ausbildungschefin Claudia Wagner.

Markus Huth, Leiter der Ausbildungswerkstatt, erwartet von seinen Auszubildenden Engagement, aber auch Höflichkeit und gutes Benehmen: „Kappe auf, kein Bitte und kein Danke – das geht gar nicht“, stellt er fest. „Wenn die Leistungsbereitschaft dagegen stimmt, kann man gemeinsam viel erreichen“, betont Wagner.

Leistung erbringt schon jetzt Fabian Fingerhut. Bei ihm klingelt um 4.45 Uhr der Wecker. Denn der 16-Jährige braucht für die rund 35 Kilometer vom Elternhaus zur VAC mit Bus und Bahn gut 90 Minuten. „Das ist okay. Für diesen Ausbildungsplatz stehe ich gerne früh auf.“

Der ehemalige Realschüler will Elektroniker für Betriebstechnik werden. „Schon nach wenigen Wochen hatte ich die Zusage. Einfach super.“

Ausbildungsleiterin Wagner: „Wer engagiert ist und weiß, was er will, kommt bei uns einfach gut an.“

Siemens: „Wir werden zum Nachhilfebetrieb“

Guter Ruf lockt nach Rödelheim

Frankfurt. Volkan Topcu arbeitet hochkonzentriert. Gerade spannt er ein Metallteil in eine Drehbank ein, das er nun auf den Millimeter genau bearbeiten will.

Bereits im zweiten Lehrjahr ist er einer von derzeit 512 Jugendlichen, die im Ausbildungszentrum in der Frankfurter Niederlassung einen Beruf erlernen, und kann sich noch gut an die Nervosität der ersten Tage erinnern. Davon ist keine Spur mehr.

Topcu will Teileausrichter werden, ein zweijähriger Ausbildungsberuf. Wenn alles klappt, hat er 2011 den Abschluss in der Tasche: „Ich lerne sehr viel und hoffe auf ein gutes Prüfungsergebnis.“

„Wir haben hier in der Region einen guten Ruf, deshalb wollen junge Menschen erst einmal zu Siemens nach Frankfurt-Rödelheim“, stellt Ausbildungsleiter Johannes Amen fest. Im Lehrjahr 2010/2011 starteten 151 neue Azubis bei Siemens. Darunter auch einige im dualen Studium.

Pünktlichkeit und Sorgfalt

Doch für Siemens wird es immer schwieriger, mangels Bewerbern mit guten Zeugnisnoten die offenen Ausbil- dungsplätze zu besetzen. Amen: „Wir werden immer mehr zum Nachhilfebetrieb. Schule und Elternhaus versäumen viel.“

Es geht nicht allein um Mathe, Lesen und Schreiben: „Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, sorgsamer Umgang mit dem Handwerkszeug und das Einhalten von Regeln müssen manche erst noch lernen.“

Stiebel Eltron: „Motivation stimmt“

Problem: Schulisches Leistungsniveau

Eschwege. Kritik an den jugendlichen Bewerbern um einen Ausbildungsplatz lässt Anke Herrmann nur selten zu. „Nicht die Motivation der Jugendlichen ist das Problem, sondern das Leistungsniveau der Schulen, da Defizite in Mathe oder Deutsch einfach nicht genügend ausgeglichen werden“, so die Ausbildungsleiterin im Werk Eschwege des Haus- und Systemtechnik-Spezialisten Stiebel Eltron.

Am Standort Eschwege entwickelt und produziert das Unternehmen hochwertige Kunststoffteile. Die wichtigsten Ausbildungsberufe: Verfahrens- und, Werkzeugmechaniker sowie Mechatroniker.

Neben den derzeit 150 Mitarbeitern gibt es im Betrieb 14 Auszubildende. Ganz neu dabei: Nils Rokitta. Er lernt Verfahrensmechaniker.

Ansprüche sind gestiegen

In den sieben Jahren, seit Anke Herrmann sich um die Azubis kümmert, hat sich viel geändert: „Der Anspruch an die Ausbildung ist gestiegen, die Jugendlichen sind selbstbewusster geworden“, stellt sie fest.

Aber eines ist bis heute gleich geblieben: „Die Auszubildenden brauchen eine gute Betreuung und außerdem klare Ziele, die alle im Unternehmen vorleben.“

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Schlagwörter: Ausbildung

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