Arbeitsplätze

Erst Zeitarbeit – und jetzt ein fester Job


Die Veritas AG bot Chancen auch in der Krise: Ein konkretes Beispiel

Gelnhausen. Vor zwei Monaten ist Sohn Leon zur Welt gekommen. „Er ist mein ganzer Stolz“, sagt Andreas Leinweber. Er schiebt die Schutzbrille über die Stirn und lacht als er sagt: „Das Jahr 2010 ist perfekt verlaufen.“

Zum privaten Glück stellte sich für ihn auch der berufliche Erfolg ein. Der 24-Jährige ist über den Umweg der Zeitarbeit zu einer Festanstellung gekommen, bei der Veritas AG in Gelnhausen (bei Frankfurt). Vor zwei Jahren hat Leinweber bei dem Automobil-Zulieferer begonnen. Sein Arbeitsplatz ist in der Vulkanisation.

Mehr als 160 Jahre Firmengeschichte

Fachleute wissen, dass in diesem Bereich oftmals körperlich anstrengende Jobs zu finden sind. „Doch das macht mir nichts aus“, sagt Leinweber. „Ich hatte vorher eine Lehre zum Straßenbauer abgebrochen. Da war ich froh, dass mir die Veritas eine neue Chance gibt.“ Die Zeitarbeit wurde für ihn zum Sprungbrett zur Festanstellung.

Die Veritas AG, mit über 160-jähriger Geschichte eines der ältesten und traditionsreichsten Kautschuk-Unternehmen Deutschlands, stellt Kraftstoffleitungssysteme, Ladeluftmo­du­le, Ölleitungen und Hyd­rauliksysteme für Autos her. „Wir haben im Verlauf unserer Firmengeschichte so ziemlich alle

Gummi-Artikel produziert, die man sich denken kann“, sagt Jürgen Krebaum. Der heutige Aufsichtsrats- und ehemalige Vorstandsvorsitzende feierte kürzlich sein 40-jähriges Dienstjubiläum.

Mittlerweile ist das Unternehmen auf mehr als 3.000 Mitarbeiter gewachsen und weltweit an neun Standorten vertreten. „Aber immer ein Familienbetrieb mit sozialer Verantwortung geblieben“, lobt Rosi Bartel, früher lange Jahre Vorsitzende des Betriebsrats. Sie sagt: „Das Unternehmen hat stets den einzelnen Menschen und nicht die Köpfe pro Abteilung gesehen. Als Bürgerin Gelnhausens und Rentnerin von Veritas bin ich dankbar für die vielen Arbeitsplätze, die hier geschaffen wurden.“

Mit rund 1.800 Mitarbeitern ist der Automobil-Zulieferer längst der größte Arbeitgeber in der hessischen Kleinstadt.

Auftragsbücher wieder voll

Für Veritas ist die Zeitarbeit extrem wichtig. „Wir brauchen sie, um Schwankungen auszugleichen“, sagt Personalleiterin Gabriele Ross. Sie ist seit 25 Jahren im Betrieb, hat eine solche Achterbahnfahrt noch nie erlebt. „Mit Beginn der Krise brachen die Aufträge von einem Tag auf den anderen weg.“ Es ging um die Existenz des Unternehmens.

Belegschaft, Geschäftsführung und Eigentümer haben Zugeständnisse gemacht und im engen Schulterschluss dafür gesorgt, die Krise zu überwinden. Damals musste das Unternehmen sich notgedrungen von vielen seiner 300 Zeitarbeiter und befristeten Beschäftigten trennen. Seit einigen Monaten sind die Auftragsbücher wieder voll – und die Zahl der Zeitarbeitskräfte wuchs erneut auf über 300. Man steuert auf das beste Ergebnis der Firmengeschichte hin. Nicht nur für Andreas Leinweber ist es ein besonderes Jahr.

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