Spezialisten

Erst durch Handarbeit perfekt


Schleifmittel-Hersteller Lapport setzt auf die Erfahrung seiner Mitarbeiter

Enkenbach-Alsenborn. Echt scharf: Was zwischen die Schleifscheiben von Lapport gerät, ist hinterher aalglatt, hochpräzise und auf Wunsch ultrascharf. Den rasenden Rädern ist es dabei ziemlich egal, ob sie riesige Turbinenschaufeln für Triebwerke von Airbus und Boeing bearbeiten oder schnittige Scheren von Gardena-Gartengeräten.

Die Schleifscheiben schaffen alles, sogar Kakaobohnen. Der feine Kakao entsteht, wenn die Bohnen die 200 Kilo schwere Schleifscheibe zu spüren bekommen. Die ähnelt mit einem Durchmesser von 1,20 Meter schon eher einem Mahlstein: „Unsere Scheibe ist unglaublich hart, die hält länger als die der Konkurrenz“, erzählt Produktionsleiter Mathias Hemmer stolz.

Fingerspitzen-Gefühl gefordert

Das Geheimnis des wuchtigen Rades liegt in der Präzision der Herstellung. Da reichen Maschinen nicht aus, es braucht die Erfahrung von Menschenhand.

Einer, der das kann, ist Markus Gänsinger: Der Keramiker füllt die Rohmasse für die Schleifräder so akkurat in die Form, dass auch nach dem Brennen keine Unwucht entsteht. „Wenn das Material zu trocken oder zu nass ist, merke ich das sofort“, sagt er. Sanft streicht er über den gefüllten Rohling.

Das Gefühl für Unebenheiten steckt ihm in den Fingerspitzen. „Diese Arbeit kann keine Maschine so perfekt ausführen“, lobt Reiner Lapport, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens.

Auf die Erfahrung der 103-köpfigen Belegschaft verlassen sich ganze Industriezweige. Dort schleift man Bauteile wie Getriebe, Kurbelwellen und Kugellager. Dabei wirken immense Kräfte, Temperaturen und Schwingungen auf die Werkstücke ein.

 

Die Qualität einer Schleifscheibe zeigt sich bei der Endkontrolle: „Maße, Dichte und Härte müssen exakt stimmen, sonst gibt es Ausschuss und die Sache wird teuer“, sagt Hemmer. Er ist Spezialist darin, die Schleifscheiben den Kundenwünschen anzupassen. „Es geht immer noch etwas schneller und besser als bisher“, so der Maschinenbautechniker.

Doch eine gute Scheibe, hergestellt mit Präzision, hat ihren Preis. Steigende Energie- und Rohstoffkosten lassen sich kaum an die Kunden weitergeben. Ein Grund, warum das Unternehmen vor zwei Jahren die Notbremse zog.

Lapport: „Wir haben das Familienunternehmen auf eine Aktiengesellschaft umgestellt und die Mitarbeiter beteiligt. Im Gegenzug haben die Mitarbeiter auf einen Teil ihres Entgelts verzichtet.“

Auftragsbücher wieder voll

Leicht war das nicht: „Wer verzichtet schon gerne freiwillig auf etwas?“, meint Tourenprüfer Bogdan Grobliza. Doch für ihn war klar: „Wenn es sein muss, bin ich selbstverständlich dabei!“

Das gesparte Geld reicht für Investitionen, heute sind die Auftragsbücher wieder voll: „Jetzt haben wir genug Arbeit“, freut sich Qualitätsprüfer Heinz Königsamen. Lapport: „Wenn unsere Rechnung aufgeht, bekommen die Mitarbeiter mehr Geld zurück als das, worauf sie verzichtet haben.“

Sabine Latorre

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