Neustart mit Nadel und Faden

Erfolgsgeschichte aus dem Integrationscamp der hessischen Wirtschaft

Stolz zeigen die Syrerin Esraa Ali und Mansoureh Kazemi aus Afghanistan modische Kleidungsstücke. Sie haben sie entworfen und genäht. Im Integrationscamp der hessischen Wirtschaft stellten sie sich und ihre Arbeit vor.

Stich für Stich selbst gemacht: Nicole von Alvensleben, Mansoureh Kazemi, Esraa Ali und Claudia Frick (von links) mit eigener Mode. Foto: Scheffler

Stich für Stich selbst gemacht: Nicole von Alvensleben, Mansoureh Kazemi, Esraa Ali und Claudia Frick (von links) mit eigener Mode. Foto: Scheffler

Ausbildungsvorbereitung: Mohamad Karazoon und Alaa Abdalhak (links) in der Siemens-Förderklasse. Foto: Siemens

Ausbildungsvorbereitung: Mohamad Karazoon und Alaa Abdalhak (links) in der Siemens-Förderklasse. Foto: Siemens

Frankfurt. Schüchtern, aber stolz präsentieren die Syrerin Esraa Ali und Mansoureh Kazemi aus Afghanistan die modischen Kleidungsstücke und Accessoires, die sie selbst entworfen und genäht haben. Die beiden Flüchtlinge lernen bei Stitch by Stitch in Frankfurt den Beruf der Maßschneiderin.

„Viele bringen wie sie wertvolle traditionelle Techniken mit, und so können wir zeitnah und effizient Kleinserien für lokale Modelabels fertigen“, erläutert Nicole von Alvensleben, die die Manufaktur 2016 gemeinsam mit der Modedesignerin Claudia Frick gründete. Inzwischen arbeiten bereits fünf Schneiderinnen bei ihnen, lernen Deutsch und erwerben einen anerkannten Ausbildungsabschluss.

Stitch by Stitch ist nur eines von etlichen erfolgreichen Beispielen, die auf dem zweiten Integrationscamp der Wirtschaft (ICW) in Frankfurt vorgestellt wurden. Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) bietet Interessierten damit eine Plattform, auf der Unternehmen, Organisationen und Initiativen zusammenfinden, sich austauschen, ihre Erfahrungen teilen und voneinander lernen können.

So hat Siemens in den letzten zwei Jahren bereits über 160 Jugendliche auf eine Ausbildung vorbereitet. Beim Flughafenbetreiber Fraport können Flüchtlinge als Angelernte zum Be- und Entladen von Flugzeugen starten und sich weiterqualifizieren. Und beim Start-up Code Door lernen sie, Apps zu entwickeln und zu programmieren.

„Viele Unternehmen haben Möglichkeiten gefunden, intelligent mit den unterschiedlichen Qualifikationsniveaus der Zugewanderten umzugehen, und stellen sich auf ganz unterschiedliche Weise den enormen Herausforderungen“, betonte Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der VhU.

Laut Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen der Arbeitsagentur, kommen von den gut 122.000 zwischen 2014 und 2016 nach Hessen eingereisten Flüchtlingen etwa 43.000 aufgrund ihres Alters und ihres Gesundheitszustands für eine Erwerbstätigkeit in Betracht. Aber man brauche Zeit für Schule, Berufsausbildung und Qualifizierung.

Martin: „Schnelle Lösungen sind wünschenswert, aber nur in Einzelfällen zu realisieren, das Gros der Geflüchteten muss in die Lage versetzt werden, einen Job zu finden, der längerfristig die Existenz sichert.“

Mehr Infos:ao5.de/camp


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