Auto-Industrie

Erfolgreicher Kurswechsel


Theysohn profiliert sich erfolgreich als Zulieferer für Volkswagen

Salzgitter. Kaum eine Branche hat die Krise so deutlich zu spüren bekommen wie die Nutzfahrzeug-Hersteller. Zwar kennen die Lkw- und Bus-Bauer das Auf und Ab schon seit langem – doch was sich 2009 abspielte, war beispiellos. Die Folgen sind auch für die Zulieferer dramatisch.

Die Theysohn Kunststoff GmbH in Salzgitter sieht Licht am Ende des Tunnels. „Doch vor uns steht noch ein hartes Jahr 2010“, betont Geschäftsführer Stefan Schatz.

Als er das Unternehmen vor zehn Jahren übernahm, produzierte das Werk Borkenkäfer-Fallen, Kabeltrommeln, Deckel für Chemiefässer. Diese Produkte sind heute weitestgehend nicht mehr im Programm. Theysohn vollzog eine komplette Kehrtwendung. In Salzgitter werden jetzt Auto-Teile für Volkswagen gebaut – vor allem für die Nutzfahrzeuge. Etwa Bodenverkleidungen, Radhausschalen und Außenbeplankungen.

Zahl der Mitarbeiter fast verdoppelt

Das Umsteuern wurde durch die Firmen­struktur begünstigt: Das Schwesterwerk in Langenhagen ist ein klassischer Metallbetrieb – hier werden die Formen konstruiert und gefertigt, auf denen später auf dem hochmodernen Maschinenpark in Salzgitter die fertigen Kunststoffteile entstehen.

Theysohn kam dadurch wieder auf Touren. Die Zahl der Mitarbeiter ist zwischen 2001 und 2009 an beiden Standorten von 180 auf 330 gewachsen, der Umsatz kletterte von 17 auf 40 Millionen Euro.

Der Geschäftsführer ist sicher, dass die Erfolgsstory schon bald weitergeschrieben werden kann: „Wir haben die Aufträge für die neuen Volkswagen-Modelle bereits fest in der Tasche.“

Allerdings kämpft Theysohn noch mit Spätfolgen der Krise. Um rund 30 Prozent gingen die Aufträge im Jahr 2009 zurück. Zuvor hatte man 15 Millionen Euro in neue Anlagen investiert – eine gewaltige Summe für den kleinen Mittelständler. „Wir mussten Anfang 2008 damit kalkulieren, dass 2009 ein weiteres Boomjahr wird“, berichtet Schatz. Die neuen Maschinen waren dringend erforderlich, um die Aufträge mit den geplanten Stückzahlen in der hohen Qualität zu realisieren.

Nun sind die Finanzierungskosten zu begleichen, obwohl die Einnahmen deutlich geringer waren als geplant. Es mangelt an Liquidität. „Jeder kann sich denken, dass dies bei uns zu erheblichen Sorgen geführt hat“, sagt Schatz. „Doch wir haben ein ausgesprochen gutes Verhältnis zu den Banken und Leasing-Gesellschaften.“

Der flexible Tarifvertrag hilft

Derzeit stellt er alle Kostenstellen auf den Prüfstand – von Einkauf und Rohstoff-Beschaffung bis zu internen Produktionsabläufen. Auch die Mitarbeiter ziehen mit: Kurzarbeit und der flexible Tarifvertrag helfen, um bei den Personalkosten zu sparen.

Das Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, Fachkräfte an Bord zu halten. Denn Theysohn entwickelt die anspruchsvollen Spritzgieß-Formen selbst und kann auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen. „Ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsvorteil“, urteilt Schatz.

Ihm ist um die Zukunft nicht bang: „Im Jahr 2011 werden wir da sein, wo wir 2009 sein wollten.“

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