Automatisierung

Erfolg – aus der Pleite geboren


AuE Kassel produziert außergewöhnliche Anlagen für die Automobilindustrie

Kassel. Alles funktioniert reibungslos. Die Arbeitsabläufe sind genau getaktet. Menschen und Roboter arbeiten Hand in Hand. Stillstand darf es nicht geben. Der kostet Zeit – und damit Geld. So läuft die Autoproduktion in Deutschland.

Selbst komplizierte technische Abläufe wie das Einstellen und Vermessen von Spur und Sturz an Mehrlenker-Achsen erfolgen heute oft vollautomatisch. Spezialist für solche Anlagen ist die nordhessische AuE Automations- und Einstelltechnik aus Kassel.

Vor kurzem erst wurde bei Opel in Rüsselsheim eine Hinterachs-Montagelinie mit vollautomatischen Schraubstationen und zwei Mess- und Einstellmaschinen aufgebaut und in Betrieb genommen. „Die modernste dieser Art, die im Moment weltweit zu bekommen ist“, so AuE-Montageleiter Karl Thiele.

Gefragtes Know-how

Nach der Fertigstellung werden die Mess- und Einstellmaschinen Achsen im Minutentakt exakt vermessen und eingestellt. „Das kann niemand außer uns bauen“, betont Thiele. Mit seinem Team bleibt er jetzt so lange bei Opel, bis alles wirklich reibungslos funktioniert: „Das sieht man erst bei normalem Betrieb in laufender Produktion.“

Vor allem Automobil-Hersteller und Automobilzulieferbetriebe setzen auf das Know-how von AuE. Die Kasseler Spezialisten liefern auch individuelle Montagelinien, Verkettungs- und Materialflusssysteme sowie Sonderanlagen.

Bei so viel Erfolg des Unternehmens kann man sich nur schwer vorstellen, dass es aus einer Insolvenz heraus geboren wurde. Denn: 1997 musste die Komeg Industrietechnik die Geschäfte einstellen. Langjährige Kunden motivierten Bernd Deiß, damals als Ingenieur technischer Leiter, gemeinsam mit zwei anderen leitenden Angestellten zum Kauf des Unternehmens.

Unterstützung gab’s vom damaligen hessischen Wirtschaftsminister Alfred Schmidt. Deiß: „Alles ging rasend schnell. Wir waren innerhalb von 14 Tagen plötzlich unsere eigenen Chefs. Darüber, dass sogar unsere Ehefrauen bei den Banken mit in die Haftung gehen mussten, haben wir kaum nachgedacht. Wir wollten einfach nur den Betrieb und die Arbeitsplätze retten.“

Der Mut zahlte sich aus. 1999 konnte sich AuE einen Neubau auf der grünen Wiese leisten. 2004 wurde bereits eine zweite Montagehalle gebaut und auch die stößt heute schon an ihre Grenzen.

Mechaniker und Ingenieure gesucht

Die neue Firma übernahm alle 45 Mitarbeiter des alten Betriebs und hat heute 110 Beschäftigte, Tendenz steigend. Personalleiterin Heike Theune: „Ein paar gute Industriemechaniker für Montageleitung und fünf oder sechs Ingenieure könnten wir sofort einstellen, wenn wir geeignete Bewerber fänden.“

Maja Becker-Mohr

 

Info: AuE Automations- und Einstelltechnik Kassel GmbH

Das Unternehmen ist Spezialist für die Automatisierung industrieller Fertigungs- und Montageprozesse. Es entwickelt und realisiert Lösungsstrategien für die Automation und für Industrieprozesse, insbesondere für die Automobilindustrie und die Automobil-Zulieferindustrie. 

Im Bereich der Achs-Einstellung von Mehrlenker-Achsen ist das Unternehmen Marktführer. AuE beschäftigt 110 Mitarbeiter, die Betriebsleistung lag 2007 bei rund 19 Millionen Euro. 

 www.aue-kassel.de

 

Weniger Firmen-Pleiten in Hessen

Gute Nachricht: 2007 haben die hessischen Amtsgerichte 1.720 Anträge auf Insolvenz von Unternehmen entschieden. Das sind 12 Prozent weniger als 2006 und die geringste Zahl seit 1994.

Die meisten Firmenpleiten wurden im Jahr 2004 gezählt: 2.383. Mehr als ein Drittel der Fälle des Jahres 2007 wurden mangels Masse abgewiesen, da das Vermögen des Schuldners voraussichtlich nicht ausreicht, um die Kosten des Verfahrens zu decken. Die offenen Forderungen der Gläubiger betrugen nach Angaben der Gerichte 1,25 Milliarden Euro. Betroffen von der Pleite ihres Arbeitgebres sind 7.818 Beschäftigte.

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