Auto-Industrie

Erfahrung und Köpfchen gefragt


Warum ausgerechnet in der Produktion des Audi-Sportflitzers R8 viele Ältere arbeiten

Neckarsulm. Der Audi R8: Was für ein Sportwagen! 420 PS. Von null auf hundert in 4,6 Sekunden. Diesen Flitzer lässt Audi in Neckarsulm von einer Mannschaft mit vielen Älteren bauen. Warum? Sie bringen viel Erfahrung mit. Und darauf kommt es in der R8-Produktion besonders an.

Vor zwei Jahren hat die Audi-Tochter quattro GmbH das Pilotprojekt „SilverLine“ ge­startet: In Karosseriebau und Montage des Sportwagens  arbeiten 260 Leute. 72 von ihnen sind über 40 Jahre alt. Der Altersdurchschnitt bei quattro erhöhte sich durch dieses Projekt um 6,2 Jahre.

2015 ist jeder dritte Mitarbeiter über 50

Das Ziel war, neue Beschäftigungschancen für Ältere zu schaffen, und Erfahrungen zu sammeln, wie sie am besten eingesetzt werden können. Audi-Personalchef Werner Widuckel kennt die Prognosen: „Jeder dritte Mitarbeiter in Ingolstadt und Neckarsulm ist im Jahr 2015 älter als 50 Jahre.“

Helmut Stettner, Produk­tionsleiter der quattro GmbH, war anfangs skeptisch: Den brandneuen Sportwagen mit vielen Älteren bauen? Heute aber weiß er die Vorteile der langjährigen Mitarbeiter zu schätzen: „Sie bringen mehr Erfahrung, mehr Ruhe mit, und ein gutes Zeitgefühl.“

 

Wichtig, denn in der Manu­faktur ist fast alles Handarbeit. Qualität zählt mehr als Schnelligkeit. Nur mit Älteren zu arbeiten, sei aber auch nicht ideal. Gemischte Teams seien am besten. 

Zu den „alten Hasen“ zählt Karl-Heinz Plattner (53). Er ist seit zwölf Jahren bei Audi, macht bei den fertigen Fahr­zeugen die „Unterflurkontrolle“. Da prüft er etwa, ob alle Leitungen dicht sind. Er war vorher in anderen Produktionslinien und sagt: „Da herrscht viel mehr Hektik.“

Die Taktzeit ist sehr lange

Kein Wunder: Die Taktzeit, die in der R8-Produktion 29 Minuten lang ist, liegt beim A6 bei 90 Sekunden! Werkmediziner Horst Mann be­schreibt: „Ein Mitarbeiter in der A6-Montage macht in seiner Schicht 500-mal die gleiche Be­wegung. Das verschleißt den  Körper  natürlich  mehr.“

Dafür ist beim R8 mehr Kopfarbeit angesagt. Ein Mit­ar­­beiter muss in manchen Takten bis zu 100 Teile ver­bauen, genau in der richtigen Reihenfolge. Daher werden die  Leute in­tensiv ge­schult.

Audi prüft, wie die Erfahrungen aus dem Projekt auf andere Bereiche übertragen werden können. Kurze Takt­zeiten zu verlängern, geht zwar oft nicht. „Aber dafür können Mitarbeiter öfter die Tätigkeit wechseln“, so Mann.

Er ist für das Gesundheits­management am Standort Neckarsulm ver­antwortlich, wo 13600 Beschäftigte ar­beiten. 90 Prozent von ihnen nutzen die Mög­lichkeit, sich beim „Audi-Check-Up“ untersuchen und beraten zu lassen. Eine Riesen-Resonanz!

Der Mediziner setzt auf persönliche Ansprache. So geht durch die R8-Produktion jede Woche eine Ergotherapeutin, macht auf Hal­tungsfeh­ler aufmerksam. Mann: „Man muss mehr tun, als nur Broschüren zu verteilen.“

Barbara Auer

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