Ältere Mitarbeiter

Erfahrung ist bei diesem Anlagenbauer bares Geld wert


Hannover. Dass man als Industrie-Mitarbeiter auch mit über 50 Jahren noch keineswegs zum „alten Eisen“ gehört – dem Anlagenbauer Körting in Hannover muss man das nicht sagen, dort ist das von jeher selbstverständlich: „Wir haben schon immer auf erfahrene Mitarbeiter gesetzt“, berichtet der Vorstandsvorsitzende York Fusch. „In der Regel gehen unsere Beschäftigten nicht vor 65 in Rente.“

Spezialapparate, die nicht jeder bauen kann

Unternehmenszahlen belegen die Aussage des Firmenchefs. 56 der 260 Körting-Mitarbeiter sind älter als 55 Jahre. Das Durchschnittsalter der Belegschaft liegt bei knapp 45. Und häufig halten die Mitarbeiter ihrem Betrieb ein Leben lang die Treue. Bärbel Braun, Heinz Gollmer und Bernd Saul zum Beispiel. Sie haben seit einem halben Jahrhundert bei Körting gearbeitet und sind erst kürzlich in Rente gegangen.

„Die jahrzehntelange Erfahrung ist bares Geld wert“, sagt Fusch. Und Maschinenschlosser Gollmer kann das bestätigen: „Wir haben während unserer aktiven Zeit viel Wissen aufgebaut – wenn wir Älteren gehen, geht auch das Know-how.“

Genau davon aber lebt das Familienunternehmen. Es entwickelt, baut und vertreibt seit mehr als 140 Jahren sogenannte verfahrenstechnische Anlagen und Apparate. Also etwa Pumpen, Vakuumanlagen und Brenner. Es sind Spezialgeräte, häufig Unikate, die nach kundenspezifischen Anforderungen gefertigt werden und die nicht jeder Betrieb bauen kann.

Weil Körting so hoch spezialisiert ist, findet das Unternehmen auch kaum „fertige“ Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt. Drei bis fünf Jahre würde es dauern, die neuen Arbeitskräfte mit den Produkten vertraut zu machen. „Folglich suchen wir solche Leute auch nicht“, sagt Fusch, „sondern bilden den Nachwuchs selber aus.“ Und das machen, wen wundert’s, natürlich auch die Älteren.

Auf sie will Fusch auch künftig nicht verzichten. Und so manch einer spielt schon mit dem Gedanken, auch während des Ruhestands noch gelegentlich in der Firma mitzuarbeiten. So wie Techniker Bernd Saul. Der hat schon versprochen, regelmäßig wiederzukommen.

Übrigens: Nicht zuletzt aufgrund des zunehmenden Fachkräftemangels und wegen der demografischen Entwicklung hat die Beschäftigung von über 60-Jährigen in Deutschland letztes Jahr einen neuen Höchststand erreicht. 1,48 Millionen Arbeitnehmer zwischen 60 und 65 waren sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Fünf Jahre zuvor waren es lediglich 813.000.

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