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Helfer auf zwei Rädern

Eratex-Mitarbeiter eilt mit dem Motorrad zum Rettungseinsatz

Seit 36 Jahren arbeitet der Textiler aus Bielefeld ehrenamtlich für die Johanniter-Unfall-Hilfe. Mit der Dienstmaschine ist er auf Konzerten, Festivals oder Radrennen schnell zur Stelle, um Menschen in Not zu helfen.

Eindrucksvolles Gefährt: Die BMW F 700 mit eingeschaltetem Blaulicht. Foto:Roth

Eindrucksvolles Gefährt: Die BMW F 700 mit eingeschaltetem Blaulicht. Foto:Roth

 Perfekt ausgestattet: In Beckmanns Motorradtasche steckt die Ersthelfer-Ausrüstung. Foto: Roth

Perfekt ausgestattet: In Beckmanns Motorradtasche steckt die Ersthelfer-Ausrüstung. Foto: Roth

In der Kocherei: Beckmann bereitet Dispersionen für Textilbeschichtungen vor. Foto: Roth

In der Kocherei: Beckmann bereitet Dispersionen für Textilbeschichtungen vor. Foto: Roth

Doppelte Lebensretter: Der Johanniter mit dem Defibrillator. Foto: Roth

Doppelte Lebensretter: Der Johanniter mit dem Defibrillator. Foto: Roth

Bielefeld/Herford. Schon wenn man Andreas Beckmann nach dem Weg fragt, kommt das Sicherheitsbewusstsein des Sanitäters durch. Der Rat für die Anfahrt: „Augen auf an dem beschrankten Bahnübergang. Das ist eine ganz unübersichtliche Straßenführung“, mahnt der 51-Jährige. Zu helfen, das steckt in ihm – er ist motorisierter Sanitätshelfer!

Werktags mischt der Bielefelder in der Kocherei des Textilunternehmens Eratex in Herford Dispersionen und Kunststoffe für die Beschichtung von technischen Textilien an. Am Wochenende zieht der breitschultrige, hochgewachse Mann seine Johanniter-Motorradkluft an und wird eins mit seiner Dienstmaschine: „Das Motorrad, mein Können und meine Persönlichkeit werden zu einer Einheit.“

Ein Retter in der Not – gekleidet in Neongelb und Orange. Er und seine Kollegen von den Johannitern stellen unter anderem den Sanitätsdienst bei Open-Air-Veranstaltungen, Festivals, Volksläufen oder Radrennen. Oder sie evakuieren ein Altenheim, wenn es dort brennt.

„Wo andere zurückweichen, hilft mir die Erfahrung, Entscheidungen zu treffen“

Verläuft der Einsatz ruhig, ist lediglich mal ein Pflaster oder Verband nötig. Wird es ernst, arbeitet Beckmann rettungstechnisch auch schon mal an vorderster Front. „Dann sind wir First Responder. Also jene Kräfte, die zwischen Meldung des Vorfalls und dem Eintreffen des Rettungsdienstes Erste Hilfe und auch lebensrettende Maßnahmen einleiten können.“

Wertvolle Minuten, in denen er als erfahrener Gruppenführer ein über Jahre einstudiertes Programm abruft: Lage erfassen, bewerten, passende Maßnahmen einleiten. So handhabt er das seit 36 Jahren bei den Johannitern. „Wo andere zurückweichen, hilft mir die Erfahrung, um Entscheidungen zu treffen.“

Das kommt ihm auch im Job zugute. In seiner Abteilung ist er Ersthelfer und kümmert sich regelmäßig um den Defibrillator: „Der muss immer einsatzbereit sein.“ Das lebensrettende Gerät wurde auf sein Betreiben hin angeschafft.

Komplette Notfall-Ausrüstung auf der Maschine

Auch auf seiner Dienstmaschine, einer BMW F 700, von ihm liebevoll „Louis“ genannt, gibt es ein solches Gerät. Es steckt mit Verbandsmaterial, Beatmungsbeutel und Blutzuckermessgerät in den Seitenkoffern hinter dem Rücksitz. Im Einsatz ist es dann schnell greifbar.

Mit der BMW Baujahr 2016 bahnte sich Beckmann vor zwei Jahren bei einer Sportveranstaltung am Emmerstausee bei Schieder den Weg zu einer kollabierten Person: „Blaulicht und Sirene an. Da macht jeder Platz.“

Training bei den Feldjägern in Berlin

So was will gelernt sein: langsames Fahren oder das Durchfahren von Menschengruppen. „Das ist heikel“, so Beckmann. Deshalb geht er regelmäßig zu Fahrtrainings. „Bald sogar bei den Feldjägern in Berlin. Sie stellen die Eskorte beim Bundesverteidigungsministerium.“

Und er gibt sein Wissen weiter. Auf den Landstraßen der Umgebung organisiert er regelmäßig 80-Kilometer-Fahrten mit fünf Unfallbeispielen – einschließlich Theaterblut und realistisch modulierten Knochenbrüchen: „Die Teilnehmer müssen dann mit einem Erste-Hilfe-Päckchen die Erstversorgung übernehmen.“

Wie lange er das noch machen will? „So lange es die Gesundheit zulässt.“ Seine Fitness könnte schon dieses Wochenende, 21. und 22. Juli, getestet werden. In Nordrhein-Westfalen ist der Teufel los: Ed-Sheeran-Konzert auf Schalke, das Parookaville-Festival in Weeze, auch in Bochum wird gerockt.

„Wir haben Bereitschaft. Wenn wir gebraucht werden, rücken wir mit unseren Motorrädern aus.“

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ich habe ursprünglich Kfz-Mechaniker gelernt. Direkt nach Ende der Ausbildung kam ich zu Eratex, wo mein Vater die Tischlerei leitete.

Was reizt Sie am meisten?

Ich liebe es, mit dem Motorrad zu fahren. Da bin ich ganz bei mir selbst und kann gleichzeitig anderen helfen.

Worauf kommt es an?

Ruhe bewahren und auf Gelerntes zurückgreifen. Das ist im Job wie bei meinem Engagement bei den Johannitern ganz wichtig.


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