Ausbildung

Er hat richtig Talent


Noel Robil – einer von vielen neuen Hauptschülern bei Metall und Elektro

 

 

Hannover. Schon 25 Jahre alt, kein Schulabschluss, Migrant mit spärlichen Deutschkenntnissen: Noel Robil ist eigentlich der Archetyp eines abgelehnten Bewerbers.

 

 

 

Arndt Brinkmann, Geschäftsführer des Maschinenbauers G+F Strate in Hannover, ist inzwischen trotzdem von ihm angetan. „Er hat richtig Talent“, sagt er.

 

 

 

Der 44-jährige Firmenlenker musste in seinem Betrieb einige Widerstände überwinden, bis er Robil, den ihm ein Kunde empfohlen hatte, an Bord holen konnte. Das entscheidende Argument lieferte ihm schließlich die Nachfrage beim Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall.

 

 

 

Anteil hat sich verdoppelt

 

 

 

Der ist ganz explizit dafür, solche Personalentscheidungen zu wagen. Sichtbares Zeichen für diese Haltung: Seit einem Jahr fördert er jede Lehrstelle, die mit einem Hauptschüler oder einem Jugendlichen ohne Abschluss besetzt wird, mit 5.000 Euro. „Das hat auch die letzten Bedenken beseitigt“, berichtet Brinkmann, der in seinem Unternehmen insgesamt 65 Mitarbeiter beschäftigt.

 

 

 

Noel Robil ist kein Einzelfall. Immerhin rund 50 Jugendlichen ohne Perspektive in der Branche habe man so in eine Lehrstelle verhelfen können, rechnet Olaf Brandes vor, Bildungsexperte und Geschäftsführer bei NiedersachsenMetall. Das sind 5 Prozent aller neuen Ausbildungsplätze im letzten Jahr. Damit hat sich die Quote der Hauptschüler in der Branche verdoppelt.

 

 

 

 

 

 

 

Derzeit denken die Metallarbeitgeber darüber nach, die Aktion zu verlängern. Sie war ursprünglich nur für das Jahr 2011 initiiert worden – weil der doppelte Abiturientenjahrgang, eine Folge der Verkürzung von 13 auf 12 Schuljahre, die Chancen von Hauptschülern bei der Lehrstellensuche zusätzlich schmälerte.

 

 

 

Die Forderung der Gewerkschaft, Betriebe sollten schon zu Beginn der Ausbildung für den Fall des erfolgreichen Abschlusses eine unbefristete Übernahme-Verpflichtung eingehen, lehnt Brandes entschieden ab. Er gibt zu bedenken: „Ein solcher Tarifvertrag wäre kontraproduktiv und ginge zulasten der Ausbildungsplätze – weil kein Betrieb mehr über Bedarf ausbilden würde. Wir müssten davon ausgehen, dass sich das Ausbildungsplatzangebot deutlich reduziert.“

 

 

 

Positive Ausbildungsbilanz

 

 

 

2011 lag die Zahl der neuen Ausbildungsverhältnisse erstmals seit Jahren wieder über der Marke von 1.000, berichtet Brandes. „Und auch ohne Verpflichtung übernahmen die Betriebe der niedersächsischen Metall- und Elektro-Industrie 79 Prozent der Ausgebildeten unbefristet.“

 

 

 

Lars Ruzic/WF

 

 

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