Berufe

Er gibt Prototypen das Profil


Helmut Kohlbacher ist Reifenschneider bei Pirelli

Hoechst. Der Roboter kann ihm nicht den Rang ablaufen. Helmut Kohlbacher (49) ist Reifenschneider. Diesen Job können Automaten längst noch nicht so gut wie Menschen. „Dazu braucht man Gummi im Blut“, sagt Kohlbacher. Und das haben nun mal Roboter nicht.

Dass es ohne den Menschen in der Reifen-Industrie nicht geht: Dafür ist Kohlbacher ein typisches Beispiel. Bei Pirelli in Höchst (Odenwald) schneidet er die Profile in die Reifen-Prototypen, die dann anschließend in die Testphase gehen.

Er sieht sich „ein bisschen als Bildhauer der Reifen-Industrie“. Besonders reizvoll sei, in der Geburtsstun-de eines Reifens dabei zu sein. „Die absoluten Neuentwicklungen gehen durch meine Hände“, sagt Kohlbacher. Für Fahrzeuge mit den klangvollen Namen: Bentley Continental GT, Ferrari F 430, Lamborghini Gallardo, Porsche 911 Turbo, Mercedes AMG.

Absolute Millimeterarbeit

Kohlbacher setzt das Messer routiniert an, lässt es durch den noch glatten Reifen-Rohling gleiten. Das Werkzeug ist glühend heiß: „Jeder Auftrag ist eine Herausforderung.“

Es beginnt mit einer Skizze, die auf eine Schablone übertragen wird. Dann gilt es, sie sorgsam auszufräsen. Eine Kunst für sich, absolute Millimeterarbeit. Ein falscher Schnitt und der Reifen ist nicht mehr zu gebrauchen, 35 bis 40 Arbeitsstunden für den Abfallkorb.

So lange sitzen Reifenschneider zum Beispiel an einem Winterreifen, der um der höheren Rutschfestigkeit willen sehr viele Lamellen im Profil hat. Ein Sommerreifen ist dagegen deutlich schneller fertig, schon nach ungefähr 20 Stunden. Bei einem Sommerreifen sind es zwischen 600 und 800 Schnitte, bei einem Winterreifen 1.600 bis 2.200 Schnitte.

Nach dieser aufwendigen Fertigung werden die Reifen-Prototypen im La-bor an einem Testfahrzeug geprüft. „Alles wird untersucht“, erläutert Kohlbacher. „Die Geräusche, der Rollwiderstand, das Aquaplaning – und auch, ob die Kombination aus Mischung und Profil passt.“

Er ist einer von zwei Reifenschneidern bei Pirelli in Höchst – und er ist mittlerweile seit 26 Jahren im Unternehmen. Ursprünglich war der gelernte Kfz-Mechaniker in der Produktion beschäftigt, dann war er zehn Jahre lang Versuchsfahrer. „Quer durch Europa war ich unterwegs“, erzählt er. „450 Kilometer am Tag. Da bekommt man ein

Gefühl für Reifen.“

Erfahrung ist alles

Auch heute noch steht er in engem Kontakt zur Entwicklungsabteilung. Wenn es in diesem Monat zu Schneetests nach Neuseeland geht, ist Kohlbacher im siebenköpfigen Pirelli-Team. Bremstest oder Slalomversuche stehen dann unter anderem auf dem Programm. Seinen Werkzeugkasten hat er dann immer dabei, um vor Ort die Reifen nachzuschneiden.

Und wenn Not am Mann ist, fährt er natürlich auch selbst noch einige Tests. „Einen solchen Job kann man nicht einem 18-Jährigen übertragen“, sagt Christof Mühlhause, Leiter der Vorentwicklung. „Ein Reifenschneider benötigt sehr viel Erfahrung. Im wahrsten Sinne des Wortes Fingerspitzengefühl.“

Werner Fricke

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