Sprachkenntnisse im Alltag

Englisch macht Spaß – und zum Lernen ist es nie zu spät!

Frankfurt/Stuttgart. Wozu denn Vokabeln pauken? Um den Humor des legendären Mr. Bean zu verstehen, ganz sicher nicht. Der Komiker kommt bei seinem Kampf gegen Tücken des Alltags ohne Worte aus.

Doch spätestens, wenn am Arbeitsplatz das Telefon klingelt und ein Anrufer Englisch spricht, wird es für manche kritisch. „Am aktiven Sprachgebrauch und an der Sicherheit hapert es“, weiß Kathrin Kascha vom Weiterbildungsanbieter Berlitz. Dabei werden gute Englischkenntnisse immer wichtiger. Der Weg dahin ist gar nicht so schwer – auch wenn man die 50 schon hinter sich gelasssen hat.

„Viele Unternehmen erwarten zumindest das Niveau des Zertifikats B2“, erläutert Heidrun Englert, zweite Vorstandsvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Inlingua, die bundesweit knapp 80 Sprachcenter betreibt. Die offiziellen Zertifikate orientieren sich europaweit an einheitlichen Kriterien. A-Level decken Grundkenntnisse ab, B den selbstständigen Sprachgebrauch, und C ist die ganz hohe Schule.

Viele Unternehmen investieren kräftig in die Sprachkenntnisse der Mitarbeiter. Bei Inlingua machen sie 60 Prozent der Kunden aus. Doch auch wer sein Können auf eigene Faust vertiefen will, hat eine große Auswahl an Möglichkeiten.

Sprachschulen passen sich der Nachfrage an

Ob Unterricht, Onlinekurs oder Lernsoftware: „Wichtig ist, dass beim Lernen alle Fähigkeiten trainiert werden, also das Sprechen, Schreiben, Lesen und Hörverständnis“, sagt Erica Hankins Regalo, didaktische Leiterin bei Inlingua in Stuttgart.

Vor allem für Anfänger ist der Lernerfolg in den Präsenzkursen, also dem klassischen Unterricht, am größten. An Volkshochschulen gibt es Kurse mit acht Doppelstunden schon für unter 100 Euro. Nachteile: Das Niveau ist oft sehr gemischt. Schüchterne Naturen kommen in den großen Gruppen nicht so zum Zuge.

Intensiver ist der Unterricht in einer Sprachschule, jedoch auch deutlich teurer. „Dort lernt man in kleinen, homogenen Gruppen, deren Teilnehmer das gleiche Ausgangsniveau haben“, so Berlitz-Expertin Kascha. Daher muss in der Regel zunächst ein Einstufungstest absolviert werden.

Bei Inlingua etwa gibt es Kleingruppenkurse mit drei bis fünf Teilnehmern und 30 Stunden für 590 Euro.

Wie jedes andere Unternehmen passen sich auch die Sprachanbieter der Nachfrage an. So hat sich der Fokus bei Kursen vor allem für Firmenkunden in den vergangenen Jahren verschoben. „Während früher eher Kurse für allgemeinsprachliches Englisch gebucht wurden, liegt heute der Schwerpunkt auf Business-English, also dem Erlernen von berufsbezogenem Vokabular, Training von Verkaufsgesprächen oder beispielsweise von Bestellungen“, so Inlingua-Vorstand Englert.

Die Sprache in den Alltag einbeziehen

Wer oft Termine und deshalb Probleme hat, regelmäßig zu einem festen Zeitpunkt an einem bestimmten Ort zu sein, kann den Präsenzkurs mit E-Learning kombinieren. Hier wechseln sich Präsenztermine mit virtuellen Lernphasen ab.

Dieses sogenannte Blended Learning („gemischtes Lernen“) ist zunehmend im Kommen. Wichtig: Der Anteil des Präsenztrainings sollte größer sein als der des E-Learnings. „Wir empfehlen eine Aufteilung von 60 zu 40“, sagt Englert. Eine Alternative für Disziplinierte, die lediglich Wissenslücken schließen müssen, ist das pure E-Learning – online oder mit einer Software.

Wer Freude an anderen Kulturen hat und den persönlichen Kontakt schätzt, kann mit jemandem, der im Gegenzug Deutsch lernen will, ein Tandem bilden. Dies ist allerdings nur sinnvoll, wenn man schon recht gut Englisch spricht. Es geht mehr darum, Routine zu erlangen, als Grammatik zu pauken.

Daneben ist es hilfreich, so viel Englisch ins tägliche Leben zu integrieren wie möglich. Inlingua-Expertin Hankins Regalo rät deshalb: „Lesen Sie englische Zeitschriften oder Bücher, hören Sie eine Weile einen englischen Radiosender oder schauen Sie sich immer wieder mal einen Film im Original an – auch das bringt viel.“

Es muss ja nicht immer der sprachlose Mr. Bean sein. Englischen Humor bieten zum Beispiel die Krimis mit Inspector Barnaby. 


Die Zertifikate und was sie bedeuten

  • A1 – Anfänger: Versteht und verwendet alltägliche Ausdrücke und einfache Sätze.
  • A2 – grundlegende Kenntnisse: Kann sich in einfachen Situationen verständigen.
  • B1 – fortgeschritten: Kann die meisten Situationen bewältigen, etwa auf Reisen.
  • B2 – selbstständig: Kann sich spontan und fließend verständigen.
  • C1 – fachkundig: Kann sich ausführlich zu komplexen Sachverhalten äußern.
  • C2 – annähernd muttersprachlich: Kann Bedeutungsnuancen deutlich machen.

europaeischer-referenzrahmen.de

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aktualisiert am 20.11.2014

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