Ausbildung

Eltern: Mehr Verantwortung für ihre Kinder


Umfrage: Unternehmen klagen über fehlerhafte Bewerbungen

Sarstedt / Hannover. Carola Klug blättert deprimiert in der Bewerbungsmappe. 14 Ausbildungsplätze bietet ihr Unternehmen „T.D.M. Telefondirektmarketing“ in Sarstedt in diesem Jahr an. Bisher hat sie davon nur die Hälfte besetzen können. Von 89 Bewerbern, so be­richtet Klug, habe sie 57 eingeladen. Der Rest kam wegen mangelhaftem Arbeits- und Sozialverhalten oder unentschuldigten Fehltagen im Zeugnis gar nicht erst infrage. Viele Mappen seien außerdem nicht komplett und voller Rechtschreibfehler gewesen.

„Das sind grundsätzlich Kriterien, da kann ich keine Abstriche machen“, sagt Klug. „Wir sind ja bereit, auch Hauptschüler einzustellen, aber was nutzt mir einer, dessen Allgemeinwissen sehr zu wünschen übrig lässt.“ Klug sieht das soziale Umfeld als Grund dafür, dass die Qualität der Bewerber merklich sinkt.

Oft fehlt die Motivation

Auch Rolf Ostermeier, Ausbildungsleiter beim Triebwerk-Hersteller MTU Maintenance in Langenhagen, ist enttäuscht von vielen der rund 600 Bewerber, die sich bei MTU um 34 Ausbildungsplätze bewerben. Besonders an den Kenntnissen der Naturwissenschaften mangele es häufig, in vielen Fällen aber auch an der Motivation. So sehen es viele Ausbilder. Das ergab eine Umfrage des Arbeitgeberverbandes NiedersachsenMetall.

Schon in den Bewerbungsschreiben zeigen sich große Mängel. Viele Bewerbungen sehen oft nicht nur rein äußerlich mies aus, sondern weisen auch Defizite in Stil, Rechtschreibung und Grammatik auf. „Damit verbauen sich zwei von drei Bewerbern eine riesige Chance, um positiv auf sich aufmerksam zu ma­chen“, so Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes NiedersachsenMetall. „Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck“, betont der Arbeitgeberchef. Das Problem ist nicht neu, doch es gewinnt an Schärfe: Die Auswahl der Be­werber nimmt  weiter ab, weil immer weniger Schüler die Schulen verlassen. Deshalb schlagen die Firmen Alarm. „Wir können dieses Prob­lem nicht allein den Schulen überlassen“, sagt Schmidt. „Die Eltern sind viel stärker  gefordert.“

Ausbildungsreife wird schlechter

Die Untersuchung seines Verbandes hat ergeben, dass viele Unternehmen aufgrund der ersten Mängel die Bewerbungsschreiben aussortieren. Neun von zehn Ausbilder und Personalleiter berichten darüber, dass mehr als die Hälfte der Bewerbungen allein deshalb durchs Rost fallen – eine gewaltige Zahl!

Gefragt wurden die Unternehmensvertreter auch nach der Ausbildungsreife der Bewerber. Zwei Drittel sagen, dass sie in den letzten fünf Jahren sich verschlechtert habe. Viele sehen die Gründe bei der Disziplin und Belastbarkeit, bemängeln fehlende soziale Kontakte. Schmidt: „Nicht nur die Schulen müssen besser werden. Die Eltern müssen endlich wieder mehr Verantwortung für ihre Kinder übernehmen.“

Ausbildungsstart 2009

Die Ergebnisse der Umfrage

91 Prozent der Betriebe bilden aus – das ist eine hohe Quote.

Zwei Drittel (67 Prozent) haben die Zahl der Ausbildungsplätze trotz Krise nicht verändert, 15 Prozent legt sogar noch zu. 15 Prozent konnten die hohe Zahl der Plätze im Vergleich zu 2008 nicht halten. Interessant: 8 Prozent mussten absenken, weil die Auftragslage drastisch zurückgegangen ist.

41 Prozent der befragten Firmen gaben an, dass sie die Ausbildungsplätze aufgrund mangelnder Qualifikation der Bewerber nicht besetzen oder nur unterhalb der betriebsüblichen Anforderungen besetzen konnten.

Auf die Frage nach Mängeln bei den Bewerbungen, antworteten

37 Prozent – ja, rein äußerlich,

60 Prozent – ja, mit Defiziten in Stil, Rechtschreibung und Grammatik

Mathe, Deutsch, Physik, Allgemein – das sind die Fächer, in denen die Bewerber gravierende Qualifikationsdefizite haben.

Zwei Drittel der Betriebe beobachten, dass sich die Ausbildungsreife der Bewerber in den letzten fünf Jahren verschlechtert hat. Ein Drittel hat keine Veränderungen bemerkt. Kein Unternehmen hat eine verbesserte Ausbildungsreife beobachtet.

Elternhaus (77 Prozent) und Schule (71 Prozent) – das sind aus Sicht der Betriebe die häufigsten genannten Ursachen der Verschlechterung (Mehrfachnennungen waren möglich).

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Schlagwörter: Bewerbung

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