Auto-Industrie

ElringKlinger will keinen entlassen


Auto-Zulieferer schafft Sicherheit für Stammkräfte und alle Azubis

Dettingen/Erms. Experten sehen Licht am Ende des Tunnels. Aber für viele Betriebe ist die Krise nicht vorbei. Wie entwickeln sich die Aufträge, wenn jetzt etwa die Abwrackprämie ausläuft? Automobil-Zulieferer fahren auf Sicht, wie ElringKlinger mit Hauptsitz im schwäbischen Dettingen.

Doch die Mitarbeiter kommen dort mit der Lage ganz gut zurecht. Lilli Wallner stellt im Stammwerk Zylinderkopf-Dichtungen her. Sie sagt: „Man macht sich schon Sorgen. Aber wir glauben, dass unser Unternehmen relativ gut dasteht.“

Kurzarbeit und Kompromisse

Bei dem Spezialisten für Dichtungs- und Abschirmtechnik sind die Aufträge im ersten Halbjahr um 23 Prozent zurückgegangen. Belegschaft und Geschäftsführung halten zusammen. Stefan Wolf, Vorstandsvorsitzender der Gruppe mit weltweit rund 4.100 Mitarbeitern, erklärt: „Wir haben gemeinsame Ziele. Das Wichtigste ist derzeit, die Stammbelegschaft zu halten.“

Deshalb gibt es eine Abmachung: Die Lohn-Erhöhung von 2,1 Prozent, die der Tarifvertrag für Mai vorsah, wurde auf Dezember verschoben. Außerdem verzichten die Mitarbeiter auf einen Teil der Einmalzahlungen. Dafür sind betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2011 ausgeschlossen.

Damit kann zum Beispiel Produktionsmitarbeiter Dragan Jakovljevic gut leben: „In dieser Zeit ist das in Ordnung“, findet der gelernte Schlosser. Er ist seit 20 Jahren im Unternehmen. In der auftragsschwachen Zeit hat er eine Schulung zur Verbesserung von Produktionsabläufen gemacht.

Auch für die 38 Azubis und 19 Studenten der dualen Hochschule, die ElringKlinger momentan an den deutschen Standorten ausbildet, sieht es gut aus. Wolf will alle übernehmen, wie es schon in den vergangenen fünf Jahren gehandhabt wurde: „Selbst in der Krise halten wir es für notwendig, den Leuten eine berufliche Zukunft zu geben.“

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ElringKlinger lässt lediglich befristete Verträge auslaufen. Außerdem herrscht je nach Auftragslage Kurzarbeit. Davon sind von den rund 2.200 Mitarbeitern in Deutschland etwa 1.300 betroffen.

Das Unternehmen ist eines von wenigen in der Auto-Branche, die noch schwarze Zahlen schreiben. Produktionsvorstand Theo Becker: „Gerade jetzt laufen viele neue Produkte an, das hilft uns sehr.“ ElringKlinger ist Technologieführer, hat wenig Konkurrenten.

Entwicklung sogar noch ausgebaut

Deshalb leiden auch nicht alle Bereiche an Auftragsmangel. Andreas Walther etwa bedient eine Maschine, die Abschirmteile herstellt, und sagt: „Durch Maschinen-Engpässe machen wir hier teilweise Überstunden.“ Einer der Gründe: Motoren werden immer kompakter – und damit heißer. Deshalb müssen sie besser abgeschirmt werden.

Damit die Innovationen nicht ausgehen, investiert ElringKlinger jetzt noch stärker in Entwicklung. Im ersten Halbjahr wurden dafür 16 Prozent mehr ausgegeben als im gleichen Zeitraum 2008.

Barbara Auer

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