Die Arbeitszeit voll im Griff

Elektronische Zeiterfassungssysteme: Warum sie einen Boom erleben – und welche Vorteile sie bringen


Reutlingen. Das wär’s: Im Job mal die Zeit etwas vordrehen, mit einer Zeitmaschine wie aus dem Science-Fiction-Klassiker „Zurück in die Zukunft“! Weil das nicht geht, war die „Stechuhr“ früher gefürchtet. Jetzt aber erlebt die elektronische Zeiterfassung einen Boom, wird von Mitarbeitern durchaus geschätzt.

Es geht ja auch nicht nur um Überwachung, sondern um Service – weiß man beim Software-Unternehmen Tisoware im schwäbischen Reutlingen: Es ist Spezialist für elektronische Systeme zur Zeit­erfassung und Zutrittskontrolle.

„Der Markt ist riesig“, sagt Sabine Dörr, geschäftsführende Gesellschafterin. Denn Tarifverträge werden komplizierter, Zuschläge sind schwierig zu berechnen.

Und in vielen Betrieben gibt es schon an die 100 Arbeitszeitmodelle. Bis das korrekte Entgelt auf dem Lohnzettel steht, rauchen einige Köpfe. Mit dem richtigen System aber spuckt der Computer den Betrag automatisch aus.

„Oft kommt der Wunsch nach dieser Technik von den Belegschaften“

„Den Unternehmen sparen solche Systeme Zeit und Geld“, sagt Dörr, „und den Belegschaften bringen sie einen Zusatznutzen.“ An den Erfassungsterminals können Mitarbeiter zum Teil ihren Urlaub eintragen. Oder das Mittagsmenü auswählen. Viele rufen unterwegs sogar übers Smartphone Daten ab, etwa im Reisebüro den Resturlaub. „Oft kommt der Wunsch nach elektronischer Zeiterfassung von den Belegschaften selbst“, weiß Dörr. So geht auch keine Überstunde verloren.

Der Lösungsanbieter hat sich auf die Industrie spezialisiert. Deutschlandweit haben etwa 2.200 Betriebe Systeme aus Reutlingen. Sie können auch Produktionsdaten liefern: Auf welchem Bearbeitungsstand ist eine Bestellung? Wie viele Mitarbeiter haben wie lange an einem Auftrag gearbeitet, was hat er gekostet? Welche Maschinen waren wie produktiv? Die Antworten werden aus einzelnen Daten berechnet, wie Stückzahlen, Mitarbeiter- und Maschinendaten, Uhrzeit. Erfasst werden sie zum Teil automatisch, per Chip oder Barcode, oder die Mitarbeiter geben sie an speziellen Terminals ein.

Viele Betriebe verknüpfen die Zeiterfassung auch mit der integrierten Software zur Personaleinsatzplanung. Sie sorgt etwa dafür, dass in der Urlaubszeit genug Mitarbeiter mit bestimmter Qualifikation anwesend sind. Zum Beispiel beim Elektro-Medizin-Spezialisten Erbe in Tübingen.

„Das ist sehr wichtig für uns“, sagt Karl-Heinz Kraft, der bei Erbe das Finanz-, Personal- und Rechnungswesen leitet, „denn wir haben äußerst flexible Arbeitszeiten.“

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