Maschinenbau

Einsteigen und Festhalten


Firma Gerstlauer beliefert Freizeitparks weltweit

Münsterhausen. Der Maschinenbau hat viele Facetten – diese hier ist vielleicht die schönste: „Aus unseren Maschinen“, sagt Erwin Haider, Leiter der Elektrotechnik,  „kommen lauter lachende Menschen heraus.“

In der Fabrik von „Gerstlauer Amusement Rides“ im bayerischen Münsterhausen: Die Modelle heißen Euro-Fighter oder Parkour – es sind Achterbahnen und RundfahrGeschäfte.

Der „Parkour“, eine Millionen-Investition aus Stahl mit einem Gewicht von rund 100 Tonnen, dreht sich jetzt zum Beispiel wieder auf dem Münchner Oktoberfest. Er schleudert Fahrgäste durch die Luft.

Gerstlauer produziert auftragsbezogen und individuell nach Kundenwunsch. Von den ersten Zeichnungen der Konstrukteure bis zur Auslieferung vergeht gut und gerne ein Dreivierteljahr.

Adrenalin auf Knopfdruck

Gerade ist der „Euro-Fighter“ für einen Freizeitpark in Asien in der Mache. 1.000 Meter Schiene wollen für die Achterbahn gebogen, geschweißt und lackiert werden. „Wie der Stahl seine Form bekommt, ist Betriebsgeheimnis“, sagt Haider.

Für jeden Schritt im Produktionsprozess gibt es eine Halle. Auch für die Elektronik. Dort haben Mitarbeiter zwei große Steuerungsschränke konstruiert, die per Computer von einer Person allein bedient werden können. Adrenalin auf Knopfdruck.

Wenn der Euro-Fighter in Betrieb ist, werden die Fahrgäste in ihrem Wagen 40 Meter senkrecht in die Höhe gezogen. Und kurz bevor er mit exakt 91 Stundenkilometern wieder in die Tiefe stürzt, bleibt der Wagen noch ein paar Sekunden vornüber in der Luft hängen. Dafür bezahlen die Leute gerne.

Ob Kirmes, Jahrmarkt oder Rummel: Das Volksfest ist ein Wirtschaftsfaktor. Der Schaustellerverband kann den jährlichen Umsatz der Branche nur schätzen: „Der bewegt sich zwischen 2,5 und 4 Milliarden Euro“, sagt Verbandssprecher Norbert Faltin. Dabei sind freilich auch Gastronomie und Hotellerie, Einzelhandel und Dienstleistung mitgerechnet.

Die Firma Gerstlauer kann sich über die Auftragslage nicht beschweren. Ihre Geräte stehen nicht nur auf deutschen Jahrmärkten, sondern auch in 53 Freizeitparks weltweit, von Kuwait bis Brasilien.

Nur eine Frau in der Produktion

Das Unternehmen hat jetzt 45 Mitarbeiter. Dieses Jahr hat es fünf Leute eingestellt – und zudem Zeitarbeiter übernommen. Eine von ihnen ist Franziska Preißler (29).

Die gebürtige Sächsin ist derzeit die einzige Frau in der Produktion. Gerade macht sie feine Schweißarbeiten an den Schienenteilen des EuroFighters. Privat würde sie diese Art von Fahrgeschäften eher meiden. Eigentlich. „Aber manchmal muss ich da trotzdem rauf –­ nämlich mit meinen Kindern.“

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