Auslandserfahrung

Einsatz in den Anden


Azubis von Geberit bescheren Schule in Ecuador neue Toiletten

Stell dir vor, du sollst ein WC einbauen, aber statt eines gekachelten Toilettenhäuschens findest du nur einen Rohbau ohne fertigen Boden … Kein leichter Job für zwei Azubis des Sanitärspezialisten Geberit in Pfullendorf, zumal das Ganze in Quito in Ecuador spielt und die jungen Leute kaum spanisch sprechen.

Russland, Tansania, Philippinen: Überall war der Firmennachwuchs – allein in Pfullendorf über 100 Azubis – schon unterwegs, um Kinderheime und Schulen mit moderner Sanitärtechnik auszustatten. Jüngstes Einsatzgebiet: Lateinamerika! Diesmal dabei: der angehende Werkzeugmechaniker Heiko Heumesser und Ausbildungskauffrau Steffi Hauck. Zusammen mit Azubis aus Österreich und der Schweiz und unter Anleitung von zwei Be­treuern sollten die beiden WCs, Urinale und Waschbecken in einer Schule montieren.

Unerwartete Herausforderung

Als sie nach 15 Stunden Flug ankommen, steht von den neuen Toilettenhäusern nur der Rohbau, der Boden ist nicht betoniert. Wie aber be­stimmt man dann die Montagehöhe von Klos, Zu- und Abwasserleitungen? Fragen hilft wenig. „Die Arbeiter sprechen kaum englisch, wir kaum spanisch“, erzählt Heiko.

Immerhin: Material und Werkzeuge sind vorhanden. Das ist nicht selbstverständlich. „Manchmal bleibt einiges im Zoll stecken“, weiß Ausbildungsleiter Otto Grieshaber, der schon etliche Hilfsprojekte mitgemacht hat. Nichts darf fehlen, vor Ort ist meist kein Ersatz zu bekommen. In Quito richten sich die jungen Leute eine kleine Werkstatt ein. Dann geht’s los: Rohrverlauf messen, Rohre schneiden, verschweißen, verlegen. Und immer wieder improvisieren.

„Wir haben hinten Urinale montiert und vorn beim Eingang haben sie angefangen zu betonieren“, sagt Steffi Hauck. „Da sind wir halt über den frischen Beton im Stelzenschritt wieder raus.“ Sicherheitshalber erklären sie einem Vertreter der örtlichen Hilfsorganisation „Sembres“ die Arbeit. So kann die Partnerorganisation von Geberit letzte Handgriffe notfalls selbst erledigen.

Neben der fremden Arbeitsmentalität fasziniert die Azubis das Land selbst: Jeden Nachmittag ein Regenguss, abends wird’s schlagartig dunkel.

Bessere Hygiene rettet Kinderleben

Den Verkehr der Zweimillionenstadt finden sie „chaotisch“. Die dünne Luft auf gut 2.800 Metern Höhe ist voller Abgase. Es wimmelt von Menschen: „Manche sind so arm, sie können sich nicht mal Schuhe leisten. Viele verdienen sich Geld als Straßenhändler oder Jongleur“, berichten sie.

Doch warum schickt ein Unternehmen überhaupt Azubis in die Welt? „Alle 20 Sekunden stirbt auf der Welt ein Kind, unter anderem deshalb, weil sanitäre Einrichtungen fehlen oder mangelhaft sind. Wir rüsten deshalb Schulen und Heime in Entwicklungsländern mit neuen Anlagen aus“, so Unternehmenssprecher Ro­man Sidler.

Seit 15 Jahren unterstützt das Unternehmen soziale Projekte – mit Hilfe des Firmennachwuchses: „Die jungen Leute lernen, den Umgang mit fremden Kulturen und ungewohnte Situationen zu meistern“, er­läutert Sidler.

Die Jugendlichen hat es tief beeindruckt: „Man lernt die eigene Situation mehr zu schätzen“, lautet Steffis Fazit. „Deutschland, das ist Leben im Luxus“, bekräftigt Heiko. Toll: Die Azubis nehmen für ihren Einsatz Urlaub. Reise, Unterkunft und Verpflegung zahlt das Unternehmen.

Info: Geberit-Gruppe

Die Schweizer Geberit-Gruppe ist auf Sanitärtechnik spezialisiert. Schwerpunkt sind Toilettenspül- und Wasserrohr-Systeme. Unter den 15 Produktionsstandorten des Konzerns ist die Pfullendorfer Fabrik die größte. Von hier aus beliefert das Unternehmen Kunden in über 70 Ländern. 2007 setzten der Konzern und seine 5.700 Mitarbeitenden in 40 Ländern der Welt insgesamt 1,6 Milliarden Euro um.

www.geberit.de

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Schlagwörter: Ausbildung

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