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Einmal waschen, bitte!


ICE-Züge werden blitzblank – dank des Chemie-Unternehmens Dr. Schnell

München. Diese lästigen Fliegen! Autofahrer verfluchen den Schmutz an Scheiben, Lichtern und Kühlerhaube. Auch die Deutsche Bahn ärgert sich darüber.

Zum Glück gibt es ein Mittel dagegen. Erfunden hat es das Münchner Chemie-Unternehmen Dr. Schnell.

Wenn der Intercity Express (ICE) mit bis zu 300 Stundenkilometern durch die Lande brettert, klatschen Millionen Insekten auf den teuren Lack. Die Chitin-Panzer der kleinen Viecher zerplatzen regelrecht. Hinzu kommen aufgewirbelter Schmutz, Bremsstaub, Ruß und Eisenabrieb. Also, ab in die Wäsche.

Ein ICE wird regelmäßig durch die Waschstraße gefahren. Der Unterschied zum Auto: Die Röhre ist mehrere Hundert Meter lang. Der gesamte Zug passt in den Tunnel. Tausende Liter Wasser und ein spezielles Reinigungsmittel verleihen dem Gefährt ein sauberes Gewand.

Pro Waggon wird circa ein dreiviertel Liter davon benötigt. Dr. Schnell liefert nicht nur die Formel für das Mittel. Die Münchner produzieren das Hochkonzentrat am Standort und füllen es in 1.000-Liter-Container.

Zügige Reinigung in 15 Minuten

„Die Triebköpfe sind am dreckigsten“, weiß Großkunden-Betreuer Enrico Sosinski. Man muss sie vorab von Hand waschen. Dann helfen Bürsten aus Kunststoff nach. Nach 15 Minuten blitzt der ganze ICE wie neu.

Das Chemie-Unternehmen ist in puncto Reinigungsmittel Hauptlieferant der Deutschen Bahn. Auch die Sitze, Teppiche, Verkleidungen und Sanitärbereiche werden mit seinen Produkten geputzt. Etwa 20 Innovationen hat der Spezialist für seinen Kunden entwickelt – Graffiti- und Kaugummi-Entferner eingeschlossen. Die Zusammenarbeit begann in den 60er-Jahren mit der Innenraumpflege.

1972 entwickelte Firmengründer Dr. Wolfgang Schnell den ersten abwasserverträglichen Lokomotiv-Reiniger. „Vorher verwendete man Petroleum“, sagt der 68-Jährige. Das war aber schlecht fürs Abwasser. Scharfe Chemikalien griffen zudem die Lacke wie die Haut an.

Inzwischen ist der ICE-Reiniger frei von Phosphaten und Salzsäure und ist sanft zu Umwelt und Mensch. Allein für die Außenwäsche gibt es zehn Varianten, individuell abgestimmt auf Temperatur und Verschmutzung. Im Sommer nerven vor allem die Insekten, sprich Fette und Eiweiße.

Spezielle Zusätze pflegen den Lack

„Da muss man mit alkalischen Mitteln ran“, verrät Fachmann Sosinski. Die haben einen hohen pH-Wert und sind „neutral“. Mineralischen Dreck wie Rost entfernt man dagegen mit sauren Reinigern (niedriger pH-Wert).

Zusätze und Tenside pflegen die Lacke, Kunststoffe und Metalle und verhindern Korrosion. „ICE-Züge kosten Millionen. Diese Investitionen müssen wir werthalten“, so Sosinski.

 

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