Einmal völlig frei schalten und walten


Azubis des Anlagenherstellers Siempelkamp bauen ein Modell – und lernen dabei, wie Unternehmer ticke

Krefeld. Vier Jugendliche beugen sich über eine Mini-Anlage. Stanislav Klein, der junge Mann mit dem Sakko, drückt auf einen Knopf – und schon bewegt sich das winzig kleine Förderband der Maschine. Was für ein schönes Spielzeug! Selbst an die Anlagenführer wurde gedacht: Die beiden Figürchen mit Blaumann und Helm wirken so, als wären sie gerade in einem Gespräch vertieft.

Klein ist stolz auf das „Spielzeug“. Schließlich gehörte er zu den Auszubildenden, die hier beim Krefelder Anlagenbauer Siempelkamp vor vier Jahren dieses Messe-Modell einer Holzwerkstoff-Presse gebaut haben, im Maßstab 1:25. Und zwar in Eigenregie!

„Das Ding war ein dickes Brett“

Dass der Nachwuchs bei Siempelkamp unter die Modellbauer geht, hat einen Grund: So bekommt er einen Blick fürs Ganze, lernt, wie Unternehmer ticken. Und wie sich ihr Arbeitgeber, der auch in China, Tschechien und Italien produziert, auf dem Markt behauptet.

Das Ding war ein dickes Brett. Obwohl wir alles gut abgestimmt hatten, hakte es bei der Montage plötzlich“, erinnert sich Klein. Inzwischen läuft die Anlage im Großformat: als 49 Meter langes Herzstück einer Produktionslinie, die Baumstämme zu Spanplatten verarbeitet.

Bei Pressenstraßen für die Holzverarbeitung ist Siempelkamp (insgesamt 3.000 Mitarbeiter) Marktführer: Jede zweite Spanplatte weltweit kommt aus einer Krefelder Anlage. Ansonsten liefert die Firma ihre Maschinen zur Metallumformung an Flugzeug- und Autofirmen sowie Hersteller von Kraftwerken, Windrädern und Pipelines.

„Für unsere Kunden brauchen wir viele Modelle, ein einziges kostet gut und gerne 20.000 Euro“, so Marketing-Leiter Ralf Griesche. „Irgendwann fragten wir uns – warum sollen das nicht unsere Azubis machen?“

Heute schalten und walten bis zu 20 gewerbliche und kaufmännische Auszubildende in einer eigens gegründeten „Mini-Company“, ohne dass ihnen jemand reinredet. Sie teilen die Aufgaben untereinander auf, bestimmen, welche Materialien eingekauft werden, vergleichen die Preise, kalkulieren die Kosten, zeichnen, bauen und montieren.

„Die Mini-Company bringt es voll“, findet der angehende Elektroniker Simon Maier. „Als Azubi weiß man oft nicht, wozu das, was man macht, gut ist. Anders ist es, wenn wir ein ganzes Projekt bearbeiten.“

Einmal beim Chef antanzen bitte!

Jüngst half er mit, die Miniaturausführung einer Rohrbiegepresse anzufertigen. Sein Modellbau-Team profitierte dabei von den Erfahrungen der jungen Leute, welche die kleine Holzwerkstoffpresse angefertigt hatten. Sie standen den neuen Azubis beratend zur Seite. Denn wie im richtigen Leben lief auch diesmal nicht alles glatt.

„Es machte Probleme, die sechs Motoren für den Antrieb aufeinander abzustimmen“, erzählt Daniela Reiser, die bis zum Sommer technische Zeichnerin lernte und die Leiterin der Produktion mimte. Einmal kam die Company in Verzug – und die junge Frau musste mit ihrem Geschäftsführerkollegen bei der echten Firmenleitung antanzen: „Das war schon sehr realistisch.“

Solche Erfahrungen sind wertvoll, meint dazu Ina Claßen, bei Siempelkamp Leiterin Talentmanagement. „Nur so erfahren die Azubis hautnah, was ihr Beitrag für den Unternehmenserfolg bedeutet.“

Bald legt die nächste Mini-Company los: Sie wird ab dem Herbst eine weitere Presse bauen.

 

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