Industrie

„Einfache Arbeit ist kein Auslaufmodell“


Keine Lehre nötig: Eine Hilfsarbeiterin sortiert geschälte Mandeln aus. Foto: Joker

Forscher meinen: Auch künftig gibt es Jobs für Ungelernte

Dortmund. Dass wir zu wenig Ingenieure haben, dass auf Dauer Facharbeiter fehlen werden, dass sich Weiterbildung lohnt: In den Köpfen ist es angekommen – nicht nur bei AKTIV-Lesern. Auf der anderen Seite des Arbeitsmarktes gehen aber nicht alle Lichter aus, das glauben Forscher der Technischen Universität Dortmund. Fazit ihrer Studie: Auch simple Jobs haben Zukunft.

Allein in unserer Industrie waren laut Professor Hartmut Hirsch-Kreinsen 2007 rund 1,8 Millionen Menschen als „Einfacharbeiter“ beschäftigt. Das heißt: Sie erledigten „Tätigkeiten, die keine Berufsausbildung verlangen und nach kurzen Qualifizierungs- oder Einarbeitungsprozessen ausgeführt werden können“.

Ein Viertel aller Mitarbeiter

Früher gab es viel mehr solcher Jobs in den Betrieben: 1993 waren es 3,2 Millionen – dann ging es steil nach unten. Nun aber stoßen Auslagerung und Automatisierung an Grenzen, so Hirsch-Kreinsen: „Der verbliebene Anteil von rund einem Viertel aller Industrie-Beschäftigten scheint einen stabilen Sockel in der Fertigung darzustellen.“

Der Anteil schwankt, je nach  Branche: Bei Gummi und Kunststoff sind es laut Studie vier von zehn Kräften, im Ma-schinenbau nur jeder Achte.

Es gehe nicht etwa um „prekäre“ Jobs, betont der Professor: „Über 80 Prozent der industriellen Einfacharbeiter arbeiten in Vollzeit.“ Mehr als 90 Prozent hätten einen unbefristeten Vertrag. Hirsch-Kreinsens Fazit: „Einfache Arbeit ist kein Auslaufmodell.“

Zu diesem Resultat kommt indirekt auch das Basler Prognos-Institut. Es hat kürzlich eine große Studie über die deutsche „Arbeitslandschaft 2030“ präsentiert.

Experte rät zur Fortbildung

Das Ergebnis: Es droht Personalmangel – nicht nur an der Spitze, sondern auf allen Ebenen. Kai Gramke, Leiter Wirtschaft und Politik bei Prognos, sagt es so: „Auch künftig brauchen wir viele Kräfte, die nur einen  Schulabschluss,  aber keine berufliche Ausbildung haben – allein in der Industrie werden uns 2030 immerhin fast 40.000 solcher Arbeitskräfte fehlen.“

Dennoch empfiehlt Gramke jedem Einfacharbeiter dringend, sich nach Möglichkeit weiterzubilden: „Solche Leute haben sich zwar oft durch lange Arbeit in der Firma unersetzlich gemacht“, weiß er. „Formal haben sie aber nichts vorzuweisen“ – und deswegen kaum Aussichten, im Fall des Falles schnell einen neuen Job zu finden.

Thomas Hofinger

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