Kautschuk-Produkte

Eine Traditionsfirma startet in die Zukunft


New-York Hamburger setzt verstärkt auf Industriekunden

Lüneburg. Erst vor zwölf Wochen schrieb AKTIV über die New-York Hamburger Gum­mi-Waaren Compagnie AG (NYH) – die täglich bis zu 15.000 Kämme der Edelmarke Hercules Sägemann fertigt. Nun gibt es Anlass, schon wieder zu berichten: Die Firma ist von Hamburg in ein nagelneues Werk nach Lüneburg gezogen. Sie setzt ihre lange Tradition fort – aber mit modernster Technik und mehr Anbindung an die Industrie.

Keine langen Wege mehr

Reno Heim, Produktionsleiter und seit 20 Jahren im Unternehmen, hat die neue Maschinenanordnung im Detail geplant. „Eine Hausfrau weiß schließlich auch am besten, wie sie ihre Küche organisiert“, sagt er. Seine Mitarbeiter sind zufrieden. „Früher hatten wir einen riesigen Fabrikhof und mussten unzählige Wege machen, um zum Beispiel Material zu holen“, sagt Schichtleiter Andreas Schiemann. „Jetzt haben wir alles am Arbeitsplatz.“

Von Lüneburg aus will New-York Hamburger neue Märkte ansteuern. „Wir müssen neben unseren Gold- auch einige Silbermedaillen gewinnen“, gibt der Vorstand Bernd Menzel die Richtung vor. „Die industriellen Märkte werden für uns in Zukunft immer wichtiger.“

Die Goldmedaillen – das bezieht sich zuallererst auf die Kamm-Produktion. Wenn ein Figaro in Hollywood oder Paris einen exklusiven Kamm aus Naturkautschuk haben möchte, ist es meist ein Hercules Sägemann. NYH ist weltweit die einzige Fabrik, die solche Premium-Produkte überwiegend von Hand herstellt. Eine andere Nische sind Mundstücke für Blasinstrumente, beispielsweise Klarinetten.

Die Krise ist Vergangenheit

Gold wert ist auch längst eine vielfältige Produktion als Zulieferer. Dazu zählen Formartikel – wie Schläuche, Kabeldurchführungen, Profile und Dichtungen vor allem für Auto-, Luftfahrt- und Raumfahrt-Industrie. New-York Hamburger fertigt auch Schläuche und Krümmer für Motorsägen.

Und zwölf Mitarbeiter des Unternehmens nehmen im Hamburger Daimler-Werk, also direkt in der Fabrik des Kunden, eine Kunststoffumspritzung von Metallsystemen vor. Diese werden für die Lenksäulenverstellung benötigt. Dies ist eine besondere Mikrospritzguss-Technologie. „Hier kommt unsere Erfahrung zum Tragen“, erklärt Vorstand Menzel.

Dieses „Shop-in-Shop-Modell“ begann vor fünf Jahren mit einer Produktionsanlage. Inzwischen hat NYH 3 Millionen Euro für insgesamt vier Anlagen investiert.

Der neue Standort in Lüneburg ist auf hohe Stückzahlen und entsprechend automatisierte Fertigungsprozesse ausgelegt. Die Krise hatte dem Unternehmen schwer zu schaffen gemacht, um rund 30 Prozent brachen die Aufträge ein. „Wir waren auf der Intensivstation und erholen uns jetzt immer mehr“, sagt Menzel. 2011, da ist er sicher, wird das Unternehmen die Krise endgültig hinter sich gelassen haben.

Viele Maschinen zur Kamm-Produktion, einige sind älter als 100 Jahre, werden hier natürlich wieder aufgebaut.

 

Info: New-York Hamburger

Im Jahr 1871 wurde in Hamburg die New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie AG gegründet – zur Herstellung und zum Vertrieb von Hartgummi-Produkten (Ebonit).

Heute ist die NYH AG (180 Mitarbeiter) ein werkstofftechnologisch orientiertes Unternehmen mit Sitz in Lüneburg. Neben professionellen Haarpflege-Produkten wie Kämmen aus Naturkautschuk macht das Unternehmen mehr als die Hälfte seines Umsatzes mit technischen Formartikeln aus Gummi und Kunststoff für die Automobil-Industrie und den Maschinenbau.

www.nyh.de

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