Krisenmanagement

Eine Sache der Steuerung


Warum ZF Lenksysteme Mitarbeiter „vorübergehend versetzt“

Schwäbisch Gmünd. Raue Zeiten für Automobil-Zulieferer. Bei der Firma ZF Lenksysteme (ZFLS) in Schwäbisch Gmünd ist das Geschäft im Nutzfahrzeug-Bereich massiv eingebrochen. Doch Lenkungen für Pkws verkaufen sich besser. Das Unternehmen reagiert darauf, und steuert die Belegschaft so flexibel wie möglich durch die Krise.

Ein Besuch am Standort, wo rund 4.500 Leute arbeiten: Langsam senkt der CNC-Fräser Volker Lorenz das Gehäuse einer Lenkung ins Wasserbad. Kleine Blasen steigen auf – die Dichtigkeitsprüfung ist negativ! Lorenz’ Arbeitsplatz ist eigentlich im Prototypenbau. Zurzeit arbeitet er „VV“. Das heißt „vorübergehend versetzt“.

„Mein Chef hat gefragt, ob ich noch einmal bereit wäre, in einer anderen Abteilung einzuspringen“, berichtet der Industriemeister. „Und was gut für meine Firma ist, das ist auch gut für mich.“

Personalleiter Hermann Sauter schildert, wie dramatisch die Situation ist: „Seit Oktober 2008 sind die Umsätze im Nutzfahrzeug-Bereich um etwa 60 Prozent eingebrochen.“ Bei den Per­sonenkraftwagen sehe es besser aus, „besonders bei der modernen Elektro­lenkung“. Außerdem wirke die Umweltprämie noch nach.

Jetzt kommt es auf Solidarität an

Die Beschäftigten machen eine schwierige und unsichere Zeit durch. Seit Anfang 2009 arbeiten fast alle solidarisch kurz. Vorher hat die Personalabteilung schon andere Maßnahmen ausgeschöpft: Zeitkonten heruntergefahren, den Einsatz von Zeitarbeit reduziert, die Wochenarbeitszeit bei Mitarbeitern mit übertariflicher Arbeitszeit verringert. Sauter: „Wenn alle etwas weniger haben, tut das weniger weh, als wenn einige sehr hohe Arbeitsausfälle mit entsprechenden Entgelteinbußen haben.“ Deshalb arbeiten momentan über 100 Mitarbeiter der Abteilung Nutzfahrzeuge im Pkw-Bereich.

Wie Lorenz. „Ich war schon in vier verschiedenen Abteilungen“, sagt er. Die Umstellung sei nicht immer leicht: „Ich habe eine schnellere Taktung und viel weniger Selbstständigkeit als an meinem eigentlichen Arbeitsplatz.“ Pro Tag verlassen 4.300 Lenkungsgehäuse die Halle, etwa für Audi und Porsche. Die „VV“ler bekommen hier eine Einarbeitung und Schulungen.

Neuer Arbeitsplatz, neue Chancen

Der Einsatz sei für viele eine zusätzliche Chance, so Sauter, denn der Bereich Pkw macht 75 Prozent des Umsatzes aus, und ZFLS will die Elektrolenkung verstärkt für Mittel- und Oberklassewagen anbieten. Sie hat gegenüber der hydraulischen Lenkung Vorteile, weil sie leichter ist und im Stadtverkehr auf 100 Kilometern rund 0,7 Liter Sprit spart.

Auch Mitarbeiter aus dem Nutzfahrzeug-Bereich nutzen die Krise für Qualifizierung. So haben sich viele in modernen Methoden des Qualitätsmanagements weitergebildet.

Rut Katzenmaier

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang