Konjunktur

Eine Region atmet auf


Im Chemiepark Leuna laufen die Investitionen wieder an

Andreas Hiltermann  ist erleichtert: „Leuna verzeichnet wieder ein leichtes konjunkturelles Plus“,  berichtet der Geschäftsführer der Standort-Gesellschaft InfraLeuna. Ein gutes Indiz: „Beispielsweise ist die Nachfrage nach Strom und Dampf gestiegen.“

Mehr als 100 Unternehmen beschäftigen auf dem mit 13 Quadratkilometern größten geschlossenen Chemiepark Deutschlands etwa 9.000 Mitarbeiter. Und zahlreiche weitere Service-Firmen in der Region leben von einer guten Chemie-Konjunktur.

Tanklager und Produktionshallen

Vor etwa 18 Monaten hatte die Finanz- und Wirtschaftskrise zugeschlagen: Firmen meldeten Umsatzeinbrüche, Kurzarbeit wurde ein Thema. Trotzdem führte man alle laufenden Investitionen weiter. Bis auf eine: Im Januar 2009 verhängte die irische Quinn-Gruppe einen Zwischenstopp für die größte Investition, die damals in Leuna lief, der 260 Millionen Euro teure Neubau einer Anlage zur Produktion des Kunststoffs Methylmethacrylat. Eine kaum noch bekannte Situation in Leuna. Schließlich war es seit Mitte der 90er-Jahre, nach der schrittweisen Privatisierung der alten Leuna-Werke, nur noch aufwärts gegangen.

Mittlerweile herrscht quirlige Geschäftigkeit. Die meisten Unternehmen des Chemieparks haben wieder gut gefüllte Auftragsbücher, 200 Millionen Euro werden in diesem Jahr in den Aus- und Neubau von Anlagen gesteckt.

So plant der Epoxidharz-Hersteller Leuna Harze (150 Mitarbeiter) Investitionen. Und der Schmierstoff-Hersteller Addinol (100 Mitarbeiter). startete schon Ende 2009 seine Erweiterung: Das neue Tanklager steht schon, die Produktionshallen folgen ab Sommer, 10 Millionen Euro werden dafür eingesetzt.

Neues Zentrum der Fraunhofer-Gesellschaft

„In Zukunft wird auch die Forschung am Standort Leuna weiter gestärkt“, unterstreicht Hiltermann. Im zweiten Halbjahr 2010 steht der Investitionsstart für das Chemisch-Biotechnologische Prozesszentrum (CBP) der Fraunhofer-Gesellschaft ins Haus. Für den Bau und erste Projekte stehen 50 Millionen Euro bereit.

In dem Zentrum sollen neue industrielle Biotechnologie-Verfahren entwickelt und erprobt werden, die statt Erdöl nachwachsende Rohstoffe wie etwa Holz, Stroh oder Algen nutzen.

Auch der Chemiepark-Betreiber hat die Hände nicht in den Schoß gelegt. Im Gegenteil: Vor wenigen Wochen nahm InfraLeuna eine weitere Dampfturbine in Betrieb. „Mit diesen 20 Millionen Euro optimieren wir ein weiteres Mal die Energieversorgung am Chemie-Standort Leuna und erhöhen die Unabhängigkeit von externen Energieversorgern“, so Hiltermann.

Weitere Investoren zeigen Interesse. „Zu unseren Stärken zählen etwa die ausgeprägte Verbundwirtschaft oder die leistungsfähige Infrastruktur“, verdeutlicht Hiltermann einige Vorzüge des Standorts.

Und auch die irische Quinn-Gruppe bekräftigt ihre Absicht, die begonnene Investition zu Ende zu führen.

Uwe Rempe

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