Wie eine junge Mutter Ausbildung und Familie unter einen Hut bringt

Eine Metaller-Lehre in Teilzeit? Bei der Lüdenscheider Firma Busch-Jaeger klappt das gut

Lüdenscheid. Ramona Frohn nimmt sich einen Metallklotz vor: Anreißen, bohren, feilen, messen – auf kleinste Toleranzen kommt es an. Die 20-Jährige ist in ihrem Element: „Das ist genau das Richtige für mich.“

Wenig später hat die Auszubildende die Werkbank verlassen. In der wärmenden Mittagssonne tollt sie mit ihrer kleinen Tochter Mia über den Spielplatz. Rutschen, wippen, schaukeln: „Ich genieße diese Zeit“, strahlt die junge Frau.

Angehende Maschinen- und Anlagenführerin – und überzeugte Mutter? Ramona Frohn bekommt beides unter einen Hut und ist glücklich darüber.

Die Chance dazu hat ihr das Lüdenscheider Unternehmen Busch-Jaeger gegeben. Bei dem Hersteller von Elektroinstallationstechnik macht die Mutter eine Teilzeitausbildung – noch immer eine absolute Seltenheit bei gewerblich-technischen Berufen. Doch es klappt, beteuern Personalchef Karsten Adenauer und Ausbildungsleiter Christian Richter: Man müsse nur ein bisschen flexibel sein.

Wie alle Azubis fängt Ramona Frohn um 6 Uhr an. Doch während die anderen bis 14 Uhr vor Ort sind, macht sie um kurz nach 11 Feierabend. In 25 statt 35 Stunden pro Woche lernt sie all das, was ein Maschinen- und Anlagenführer braucht. „Freilich in etwas abgespeckter Form“, wie Richter meint. Er hat das Ausbildungsprogramm der jungen Frau konzentriert und gestrafft. „Beim Maschinen- und Anlagenführer können wir die Inhalte zu 80 Prozent selbst steuern“, erklärt er.

Seinem Teilzeitschützling hat Richter eine der modernsten Anlagen zugewiesen: eine vollautomatische Montagelinie für Unterputzschalter. Dort werden bis zu 20 Einzelteile zusammengesetzt, geprüft, verpackt, etikettiert. Hier lernt die angehende Maschinen- und Anlagenführerin, die Linie zu bedienen, die Abläufe zu überwachen, Qualitätskontrollen und Wartungsarbeiten durchzuführen.

Das muss Ramona Frohn nach zwei Jahren aus dem Effeff beherrschen. In Teilzeit ist das eine besondere Herausforderung. Weniger Stunden werden durch großes Engagement wettgemacht.

Am Rande einer Veranstaltung zur Familienfreundlichkeit war Personalchef Adenauer von einer Mitarbeiterin der Arbeitsagentur auf das Thema Teilzeitausbildung angesprochen worden. Er hat nicht lange gezögert: „Wir haben als Unternehmen die Möglichkeiten, andere Wege zu gehen, und nehmen unsere gesellschaftliche Verantwortung gerne aktiv war.“

Für Ramona Frohn kam das Angebot wie gerufen. Die Lüdenscheiderin war nach dem Realschulabschluss schwanger geworden und hatte 70 Bewerbungen und zwei Jahre später die Hoffnung auf einen Ausbildungsplatz fast aufgegeben. Als das Angebot von Busch-Jaeger kam, hat sie mit beiden Händen zugegriffen: „Eine Vollzeitausbildung wäre wegen meiner Tochter nicht infrage gekommen.“

Jetzt können die beiden viel Zeit miteinander verbringen, und mit dem Lernen klappt es trotzdem.


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Als Vorreiter im Daimler-Konzern bildet das Mercedes-Benz-Werk im badischen Gaggenau alleinerziehende Mütter zu Werkzeugmechanikerinnen aus. Um Zeit für die Kinder zu haben, arbeiten sie nur 30 Stunden pro Woche.

„Wenn junge Frauen bereits ein eigenes Kind zu betreuen haben“, heißt es beim Bundesinstitut für Berufsbildung, „steigt ihr Risiko, ohne Ausbildung zu bleiben, rapide an.“ Oft genug, weil die Betroffenen kaum eine Wahl haben. Doch das ändert sich! Bundesweit gibt es schätzungsweise schon 200 Projekte, die zu einer Teilzeit-Ausbildung verhelfen.

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