Standort

Eine Kur brachte die Rettung


Warum der Getriebemotorenhersteller Siemens Geared Motors seine Produktion umstrukturiert

Tübingen. Zurück aus dem Urlaub – der Flieger ist gelandet. Während die Heimkehrer am Gepäckband auf ihre Koffer warten, laufen im Bauch des Airports die Förderbänder heiß – angetrieben von Getriebemotoren, beispielsweise von der Firma Siemens Geared Motors. „Es gibt Flughäfen, in denen bis zu 20.000 unserer Produkte installiert sind“, erzählt Jens Klein, der technische Geschäftsführer des Tübinger Unternehmens.

Getriebemotoren dosieren Bewegung

Doch nicht nur auf Flughäfen ist die Antriebstechnik aus der Universitätsstadt im Einsatz. Auch in Stahlwerken, Hängebahnen für die Automobil-Industrie sowie in Rührwerken und Mischanlagen sorgt sie für perfekt dosierte Bewegung. Klein: „Das schaffen wir durch die richtige Übersetzung unserer Getriebe.“

Seit 2005 gehören die ehemaligen Flender Himmelwerke zum Siemens-Konzern. Dieser hat das Traditionsunternehmen unter anderem erworben, weil er über keine eigene mechanische Getriebemotorenfertigung verfügte.

Nach der Übernahme verordnete die Mutter der damals maroden Tochter eine Kur, weil diese wegen lange versäumter Investitionen einen veralteten Maschinenpark hatte. In einer ersten Investitionswelle wurden neue Schleif- und Fräsmaschinen, Messgeräte und eine neue Härterei angeschafft.

Doch mit der Krise kam ein herber Rückschlag: Im Jahr 2008 brach der Umsatz mit Schneckengetrieben und Schneckenradsätzen – der zweiten Produktlinie des Herstellers – um 65 Prozent ein. Bei den Getriebemotoren waren es 50 Prozent.

Das Unternehmen musste sparen und seine Strukturen anpassen. Die Mitarbeiterzahl wurde von 2008 bis 2010 von 750 auf 510 gesenkt.

Die Produktion von Schneckengetrieben und -rädern wurde aufgegeben und an Geschäftspartner verkauft. Dagegen begann Siemens Geared Motors damit, das Geschäft mit Getriebemotoren zu sanieren.

 

Wettbewerbsfähigkeit weiter steigern

Bis 2015 gibt die Firma dafür einen hohen zweistelligen Millionenbetrag aus. Beispielsweise für den Umbau der Getriebeherstellung, des Werkzeugbaus und der Instandsetzung. „Wir investieren in die Weiterentwicklung unserer Produkte, die Optimierung der Produktion und die Schulung und Motivation der Mitarbeiter“, sagt der kaufmännische Geschäftsführer Markus Tusch.

Letzteres ist wichtig, weil die Umstrukturierung und neue Fertigungsprozesse hohe Anforderungen an die Belegschaft stellen. „Wir wollen, dass unsere Leute die Prozesse überdenken, um unsere Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit weiter zu steigern“, so Tusch.

Inzwischen sei der Umsatz fast auf Vorkrisenniveau. Deshalb konnte die Belegschaft in diesem Jahr auf 540 Mitarbeiter erhöht werden.


 

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang