Markt mit Zukunft

Eine gefragte Verbindung


Der Klebstoff-Hersteller Jowat Zeitz hat gut zu tun

Zeitz. Von wegen Krise: Hier, in den hellen Werkhallen am Ortsrand von Zeitz, eilen Be­schäftigte hin und her, transportieren Säcke mit Rohstoffen, befüllen Rührwerke, nehmen Proben und zapfen fertigen Klebstoff ab. Draußen auf dem Hof des Klebstoff-Spezialisten warten die Lkws.

Das Unternehmen Jowat im Süden Sachsen-Anhalts hat gut zu tun. Dennoch bleibt Vorstand Ralf Nitschke vorsichtig: „Ob die Krise schon vorbei ist, lässt sich schwer sagen“, meint er. „Aber wir verkaufen und produzieren wieder wie zu­vor.“ Rund um die Uhr, sieben Tage die Woche.

Denn: „Kleben ist ein Wachs­tums­markt“, sagt Nitschke. Zumindest in den vergangenen Jahren war das so. Der Manager hofft, dass das nach der Krise wieder gilt. Im vorigen  Jahr  haben  die  etwa 70 Mitarbeiter des Werks gut 21.000 Tonnen Klebstoffe verschiedenster Art hergestellt. Denn die sind gefragt – bei Holz- und Mö­bel­Industrie, Papier- und Verpackungs-Herstellern.

Begehrt sind nicht nur Qualitäts-Produkte, die Firmen kommen auch immer wieder mit neuen Anforderungen oder Einsatzgebieten zu dem Zeitzer Hersteller.

„Wir forschen deshalb ständig an neuen Klebstoffen“, schildert der Manager. Etwa 10 Prozent der weltweit rund 700 Mitarbeiter der Jowat-Gruppe ar­beiten in Forschung und Entwicklung. Vor allem in der Zentrale im westfälischen Det­mold, aber auch bei einigen der 15 Tochterfirmen.

Das Ergebnis: „Ein Viertel unserer Produkte ist drei Jahre alt oder jünger“, berichtet Nitschke. Die moderne Chemie biete einen großen Bau­kasten von Rohstoffen. „Wie groß die Kräfte auch sind, die auf zusammengeklebte Teile wirken – es lässt sich immer ein Klebstoff finden, der stark genug ist“, weiß Nitschke.

„Klebstoffe mit Schalter“

Den Zeitzern bringt das Arbeit. Sie stellen zig Va­rianten von Klebstoff her, alle im gleichen Verfahren. Anlagenfahrer Falko Flügge erklärt es so: „Die Rohstoffe, darunter vor allem Harze und Polymere, fließen in der festgelegten Reihenfolge, exakt nach Rezeptur und bei der richtigen Temperatur, in die Mischer.“ Als fertiges Produkt kommt am Ende ein Granulat heraus.

Be­sonders gefragt sind zurzeit sogenannte Hotmelts, „Klebstoffe mit Temperatur-Schalter“, berichtet Nitschke. Die gibt es in zwei Varianten: Beim einen reaktiven Typ wird das Granulat durch Erwärmen auf eine bestimmte Temperatur zum einsatzfähigen Kleber und durchläuft – wie durch eine Einbahnstraße – eine chemische Reaktion. Nach dem Abkühlen kann man die ge­klebten Teile nur noch mit Gewalt voneinander trennen.

Die andere Variante hat mehrfache „Temperatur-Schalter“ und lässt sich nach dem Abhärten durch Erhitzen im­mer wieder verflüssigen. Das erleichtert später das Recycling des Materials.

Errichtet wurde das Zeitzer Werk kurz nach der Wende. Jowat hatte von einer sowjetischen Firma einen Großauftrag erhalten.

Die Be­dingung: Es wird in Ostdeut­schland produziert. Rasch waren Mitarbeiter ge­funden, die Anlagen gebaut.

Aber die Hoffnung auf ein dauerhaftes Geschäft zerschlug sich. Dennoch ist  man  bei  Jowat  froh  über das Werk in Zeitz, so Nitschke: „Wir haben hier hervorragende Mitarbeiter.“ Und auch die Lage ist ein  Pluspunkt. Von hier aus be­liefert das Unternehmen die wachsende Zahl osteuropä­ischer  Kunden.

Uwe Rempe

Besser kleben statt schweißen: Dow produziert in Sachsen-Anhalt Hightech-Klebstoffe für Autos

Schkopau. Wie schwer wiegen 20 zusätzliche Kilos? An unserer Hüfte auf jeden Fall doppelt. Das Extra-Gewicht ist auch bei Autos nicht ohne – sie brauchen mehr Kraftstoff.

Jedes Gramm weniger verringert den Spritverbrauch, senkt Kosten und den Ausstoß an Kohlendioxid (CO2). Die In­dus­trie arbeitet deshalb schon lange daran, Autos leichter zu ma­chen. So ersetzt zum Beispiel Alu den Stahl bei Felgen, und Blech weicht zunehmend Kunststoff. Doch Autos können noch leichter werden – um satte 20 Kilogramm.

Wie das? Durch Hightech-Klebstoffe, wie sie Dow in Schkopau (Sachsen-Anhalt) produziert. Kleben statt schrauben heißt das Motto. Das macht Verbindungen fes­ter und leichter. Man verklebt  zum Beispiel Windschutzscheiben und Innenraum-Komponenten, aber auch Metall und Kunststoffe im Karosserie-Bereich.

Klebstoffe sind also im Autobau ge­fragt. Deshalb hat die zur weltweit tätigen Dow Chemical gehörende Dow Automotive vor wenigen Wochen das Schkopauer Werk für High­tech-Klebstoffe eröffnet. Und 180 neue Arbeitsplätze ge­schaffen.

Hier produziert die Be­legschaft nun alle Ka­ros­serie- und Scheiben­kleb­stoffe für die Erstausrüstung sowie den Zubehör- und   Ersatzteilmarkt   in Eu­ropa und Nachbar-Regionen.

„Die Investition von Dow Automotive in Schkopau un­terstreicht die Bedeutung des Standorts Mitteldeutschland für Dow“, so Rudolf Lamm, Geschäftsführer beim Dow Olefinverbund.

Mitteldeutschland ist die Brücke zu den wachsenden Märkten in Osteuropa. Und es liegt im Zentrum der Auto-Industrie Europas mit direkter Anbindung an führende Hersteller und Zulieferer.“

Übrigens: Komplett geklebte Karosserieteile verbessern das Crash-Verhalten. Spezial­klebstoffe machen Scheiben sicher: Bei Unfällen platzen sie nicht, die Insassen sind besser geschützt.

UR

Schon gewusst?

Schon vor 8000 Jahren kannten die Menschen Kleber. So befestigten sie etwa die Steinspitzen ihrer Speere mit Birkenteer. Wa­rum etwas klebt, wusste man noch nicht.

Klebstoff verbindet die Teile durch zwei Kräfte: Adhäsion und Kohäsion. Bei der Adhäsion sorgt die Anziehung zwischen den Molekülen verschiedener Körper für die Haftung der geklebten Teile.

ohäsion ist die Kraft, die den Klebstoff selbst zusammenhält. Beim Aushärten bilden sich in ihm lange, feste Molekülketten.

Erst beides zusammen sorgt fürs Kleben.

Ur

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