Investitionen

Eine Firma dreht auf


Gerhardi Alutechnik investiert kräftig und die Belegschaft arbeitet länger - fürs gleiche Geld

Lüdenscheid. Kurz vor Weihnachten herrschte bei Gerhardi Alutechnik Ausnahmezustand. Ein Alarm-Anruf hatte Firmenchef Christoph Deiters ereilt. Am Apparat: ein aufgeregter Kunde. Der brauchte dringend Dachreling-Profile aus Alu, für den neuen VW Tiguan: „Geht das schon in ein, zwei Wochen?“ Deiters sagte kurzentschlossen zu: „Klar, das kriegen wir hin.“ Und zog den Sonder-Auftrag im Expresstempo durch. 

„Da haben wir über Nacht Werkzeuge gefertigt und die Teile gepresst“, erinnert sich der Manager des Lüdenscheider Familienunternehmens.  Doch der Einsatz lohnte. „Jetzt sind wir mit diesem Zulieferteil gut im Geschäft“, so der Firmenlenker. Er hat damit einen weiteren Kunden aus der Autobranche gewonnen.

Auto-Teile bringen fast jeden dritten Euro

Das passt zu seinem Konzept. Als Deiters vor fünf Jahren bei Gerhardi das Steuer übernahm, machte die Firma gerade mal 5 Prozent des Umsatzes mit Produkten für Autos. Dafür lebte sie zu 80 Prozent von Bau-Profilen, die etwa in Rollläden Verwendung finden. Inzwischen bringen die Teile für den fahrbaren Untersatz fast jeden dritten Umsatz-Euro ein. „So sind wir nicht mehr so stark von  einer einzigen Branche abhängig“, erklärt Deiters.

Der Betrieb fertigt vor allem Teile, die viel Know-how verlangen  – wie etwa hochglänzende Reling-Profile, die aus einer speziellen Legierung bestehen. Er behauptet sich so gegen die Billig-Konkurrenz.

So sehr, dass die Firma an ihre Kapazitätsgrenze stößt. 2007 produzierte sie 6.000 Tonnen Profile – und musste sogar noch einige hundert Tonnen zukaufen.

Und es winkt weiteres Wachstum: 670.000 Tonnen gepresste Alu-Produkte verkaufte dieser Industriezweig 2006  in Deutschland. 2010 sollen es nach Expertenschätzungen 853.000 Tonnen sein. Und von diesem zusätzlichen Kuchen möchte sich Gerhardi ein Stück sichern. Deshalb baut das Unternehmen jetzt eine neue Halle, die Platz schafft für eine zweite Presse.

Mit ihr soll die Kapazität bis 2013 schrittweise auf 13.000 Tonnen im Jahr hochgefahren werden. Insgesamt investiert die Firma bis Ende 2009 rund 13,5 Millionen Euro – eine große Summe für einen Mittelständler mit einem Jahresumsatz von 27 Millionen Euro. Mit der Erweiterung stockt Gerhardi die Zahl der Arbeitsplätze von 80 auf 105 auf.

Und das ist auch ein Verdienst der Belegschaft. Sie erklärte sich bis 2011 bereit, 37,5 statt 35 Stunden die Woche zu arbeiten – ohne Lohnausgleich.   

NRW statt Thüringen

Dafür musste der Betriebsratsvorsitzende Martin Eickbaum freilich „einiges an Überzeugungsarbeit“ leisten: „Klar, dass die  Leute nicht gerade gejubelt haben. Aber das wichtigste ist doch, dass die Stellen hier sicher sind. Und sogar noch neue hinzukommen.“

Denn alles hätte auch anders ausgehen können. Gerhardi hatte sich für die Erweiterung ebenso in Thüringen umgesehen. Das Land lockte mit Fördergeldern in Millionenhöhe. Weiterer Pluspunkt: In der ostdeutschen Metall- und Elektro-Industrie gilt noch immer die 40-Stunden-Woche. Weil aber die Lüdenscheider Mitarbeiter jetzt länger arbeiten, machte Nordrhein-Westfalen das Rennen.

Immerhin: Falls die Geschäfte weiter gut laufen, soll auch die Belegschaft profitieren – mit einer Erfolgsprämie. Eickbaum:  „2007 gab’s pro Nase 500 Euro extra. In Zukunft dürfte da noch einiges mehr drin sein.“ 

Wilfried Hennes

 

Info: Wachstumsmarkt Alu

Aluminum ist ein gefragter Werkstoff. Der weltweite Bedarf wird sich laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey bis 2020 auf 60,7 Millionen Tonnen verdoppeln. Besonders die Staaten Asiens sind heiß auf das Leichtgewicht:  Deren Nachfrage dürfte bis 2020 gar um 140 Prozent auf dann 31,6 Millionen Tonnen steigen. In Westeuropa wird das Plus bei 60 Prozent liegen.

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